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Tiere suchen Schutz im Wald

Forstamt will wild lebende Schafherde abschießen lassen

SCHAUMBURG. Weil eine seit mehr als einem Jahr im Wald lebende Schafherde nach Ansicht des Forstamts Oldendorf unnötig Schaden an der Natur anrichtet, will das Forstamt die Tiere abschießen lassen.

Autor

Jan Oldehus Reporter zur Autorenseite

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SCHAUMBURG. Eine wild lebende Schafherde, die sich seit mehr als einem Jahr im Wald rund um Schaumburg und Paschenburg herumtreibt, zieht immer wieder die Blicke von Anwohnern und Spaziergängern auf sich. Seit November 2015 wurden in dieser Herde bis zu 13 Schafe gesichtet, zu denen sich nach Erzählungen von Beobachtern zeitweise auch Ziegen gesellt haben sollen. Das zuständige Forstamt Oldendorf möchte diese Tiere abschießen lassen.

Die Herde hält sich überwiegend im schützenden Wald auf, kommt auf der Futtersuche aber auch auf offene Flächen. Die Tiere sind scheu und lassen Menschen nicht nah an sich heran. Unserer Zeitung gelangen Fotoaufnahmen nur per Teleobjektiv mit 600 Millimeter Brennweite.

Am Montag, kurz vor Sonnenuntergang hielt sich die zu der Zeit achtköpfige Herde mit Jungtieren auf einer Obstbaumwiese auf. Während eines der Schafe die Wächterrolle übernahm, taten sich die anderen an den mageren Gräsern gütlich. Um ihren Speiseplan aufzupeppen, nagen die in der Wolle arg zerzausten Paarhufer (wann wurden sie zuletzt geschoren?) offenbar auch die Rinde junger Bäume an und vertilgen Setzlinge. Und genau dies ist es, was den Leiter des Forstamts Oldendorf, Christian Weigel, ärgert. „Diese Obstbäume wurden von Richard Hartinger gespendet“, erzählt Weigel im Gespräch mit unserer Zeitung. „Schneiden die Zähne der Tiere so tief ins Kambium ein, können sich die Bäumchen leicht mit Pilzen infizieren.“ Das Kambium ist die Wachstumsschicht zwischen Baum(holz) und Borke, verantwortlich für das sekundäre Sprosswachstum. Dass die hungrigen Schafe zudem junge Pflanzen vom Waldboden fressen, mache hier alle Bemühungen zunichte, die Naturverjüngung zu erhalten, so der Forstamtsleiter. Er verweist zugleich auf die drohende Unfallgefahr und plädiert dafür, die wild lebenden Schafe samt Lämmern abzuschießen. Sein Versuch, im Februar vergangenen Jahres beim Landkreis eine Abschussgenehmigung einzuholen, scheiterte, weil der Landkreis dafür nicht zuständig ist.

Für die Schießerlaubnis allein zuständig ist die Stadt Rinteln. Die jedoch, so Weigel, habe sich trotz entsprechender Korrespondenz nicht bei ihm gemeldet. „Die Stadt Rinteln tut nichts.“ Er habe deshalb seine „Betriebsleitung aufgefordert, dafür zu sorgen, dass etwas geschieht“. Zumindest solle man die Tiere einpferchen. Man wisse, „wem sie gehören, aber der Eigentümer holt die Schafe nicht weg. Er hat das Eigentum an den Tieren aufgegeben“.

Ulrich Kipp, Leiter des Rintelner Ordnungsamts, bestätigt gegenüber unserer Zeitung: „Es ist noch kein Bescheid an das Forstamt Oldendorf ergangen.“ Die Stadt ist Waffenbehörde und könnte die Schießerlaubnis erteilen. Dazu müsse der Antragsteller jedoch „ein Bedürfnis nachweisen, eine Notwendigkeit“, so Kipp. Dies sehen weder der Amtsleiter noch die zuständige Sachbearbeiterin, Anette Sievert. Beide begründen ihre ablehnende Haltung so: „Schafe sind Haustiere.“ Und beide sind überzeugt: Das Forstamt muss selber etwas unternehmen, um seine Interessen zu wahren. So könnte man etwa Hütehunde einsetzen, um die Schafherde zusammenzutreiben und einzufangen. Zu erwägen sei auch die Beauftragung eines professionellen Tierfängers oder die Einbeziehung eines Schäfers.

Was den Eigentümer der (übrigens nicht gekennzeichneten) Schafe betrifft, sagt Sievert, so habe sie mit demjenigen gesprochen, der als Eigentümer ermittelt worden sei. Diese Person habe ihr gegenüber jedoch versichert, einstige Nachbarn hätten die Tiere gehalten. Als diese Nachbarn weggezogen seien, hätten sie die Schafe einfach da gelassen, die Tiere seien irgendwann ausgebüxt, es bestehe ihrerseits kein Interesse daran, sie wieder einzufangen.

Kipp stellt unmissverständlich klar: „Wenn es um das Töten von Tieren geht, sind wir sehr zurückhaltend.“ Dem Forstamt stehe der Klageweg offen, aber, so Kipp: „Die Stadt Rinteln wird die Schießerlaubnis nicht erteilen.“

Forstamtsleiter Christian Weigel, von unserer Zeitung am Freitag mit dieser Aussage konfrontiert, sagt dazu nur: „Dann muss unsere Betriebsleitung dagegen rechtlich vorgehen.“ Abschließend verleiht er noch seiner stillen Hoffnung auf einen friedlichen Ausgang der Angelegenheit Ausdruck: „Vielleicht wandern die Viecher ja auch von selber ab.“

Fortsetzung folgt.

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