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In die flüchtige Luft …

Frank Suchland und Stefan Winkelhake erhellen Hermann Hesse

BÜCKEBURG. Einen weit gefächerten Einblick in Leben und Werk von Hermann Hesse (1877 bis 1962) hat eine von Frank Suchland in der stilvollen Atmosphäre des Konzertsaals der Musikschule Schaumburger Märchensänger gestaltete Veranstaltung eröffnet.

veröffentlicht am 09.11.2017 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 09.11.2017 um 17:40 Uhr

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Autor

Herbert Busch Reporter
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Der seit etlichen Jahren in der Kulturvereinsreihe „Poesie am Nachmittag“ engagierte Rezitator näherte sich dem Schriftsteller, Maler und Nobelpreisträger unter der Vorgabe „In die flüchtige Luft unsre Namen“.

Damit nahm er Hesses im Februar 1919 veröffentlichtes Gedicht über die Vergänglichkeit auf – Nur die ewige Mutter bleibt / von der wir kamen / ihr spielender Finger schreibt / in die flüchtige Luft unsre Namen.

Das Programm hob unterdessen mit „Im Nebel“ an: Seltsam, im Nebel zu wandern! / Einsam ist jeder Busch und Stein / Kein Baum sieht den andern / Jeder ist allein. / Voll von Freunden war mir die Welt / Als noch mein Leben licht war / Nun, da der Nebel fällt / Ist keiner mehr sichtbar. / Wahrlich, keiner ist weise / Der nicht das Dunkel kennt / Das unentrinnbar und leise / Von allen ihn trennt. / Seltsam, Im Nebel zu wandern! / Leben ist Einsamsein. / Kein Mensch kennt den andern / Jeder ist allein.

Das weltbekannte Gedicht mit der nachdenklichen, fast düsteren und traurigen Grundstimmung, legte Suchland dar, entstand im Herbst 1905 im badischen Dörfchen Gaienhofen am Bodensee in einem alten Bauernhaus. Aufgeschrieben, führte der Rezitator fort, hat es ein Familienvater. Er hat Frau und Kind und wirkt mit seiner Schlaksigkeit und seiner runden Brille etwas schmal und schütter.

Hesse ist gerade 28 Jahre alt, hat soeben seinen bürgerlichen Beruf als Buchhändler und Antiquar an den berühmten Nagel gehängt und klagt häufig über schlimme Kopfschmerzen. Soeben wird sein erster Roman erfolgreich verlegt, aber er ist furchtbar unzufrieden und er weiß gar nicht warum. „Wenn einer Lust zum Heiraten hat, dann tue er es später oder nie, es ist eine Rose mit Dornen“, zitiert Suchland seinen Protagonisten.

Und fügt im Anschluss an eine geschickt gesetzte Atempause an: „Das schrieb Hesse nach gerade einmal vier Monaten Ehe.“ Es waren diese Atempausen, feine Nuancen und kunstfertig angeordnete Betonungen, mit denen der Vortragskünstler das von ihm zu einer Zeitreise eingeladene Publikum für sich einnahm.

Auf der Reise erhellte Suchland den überaus erfolgreichen Schriftsteller, Philosoph, Mahner, Maler und Denker auf höchst spannende und faszinierende Art und Weise. Erste Station war der Sommer 1877, in dem am 2. Juli im kleinen Schwarzwaldstädtchen Calw Hermann Hesse das Licht der Welt erblickte.

An dieser Stelle darf nicht vergessen werden, dass Pianist Stefan Winkelhake nicht unwesentlich zum Erfolg des Dichterporträts beitrug. Das kongeniale Zusammenspiel von Rezitation und musikalischer Improvisation bezauberte die Zuhörer.

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