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Friederike Eggersmann ist 20 – und steht schon im Mittelpunkt eines neuen großen Reitzentrums

Friederike Eggersmann baut Reitzentrum: „Ein Mädchentraum“

RINTELN/EISBERGEN. Sie ist erst 20, steht aber schon auf dem Gelände, das ihre Zukunft ausmachen wird: Friederike Eggersmann zeigt, wie es mit dem „Gestüt Weserbergland“ vorangeht. Nach dem ersten Eindruck lässt sich sagen: mit großen Schritten. Seit rund einem Monat wohnen Eggersmann und ihr Freund, Vielseitigkeitsreiter Lukas Wappler, auf dem Hof in Eisbergen. Früher war dies ein kleinerer Pferdehof mit Schulbetrieb – jetzt wird hier ein Reit- und Ausbildungszentrum für Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Turniere entstehen.

veröffentlicht am 13.08.2017 um 13:13 Uhr
aktualisiert am 13.08.2017 um 18:50 Uhr

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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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Erste Zeichnungen des Großprojekts entstanden, als Eggersmanns beim Reitturnier „Munich Indoors“ in der Münchner Olympiahalle gemeinsam Tochter Friederike anfeuerte – übrigens mit äußerst positiven Ergebnissen auf Fuchswallach Lauricio und Stute Calotta. Das war im November letzten Jahres.

„Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht“, sagt die 20-Jährige. Inzwischen sei es teilweise schwer nachzuvollziehen, wie Reithalle oder Scheune vorher ausgesehen haben, denn der Umbau geht stetig voran. Eine Reithalle und eine alte Scheune sind schon ausgebaut und erweitert worden, später werden die Ställe umgebaut und modernisiert, es werden zwei Reitplätze, ein Rasenplatz und ein Springplatz entstehen. Hinzu kommen Paddocks und ein komplett neuer Stall mit rund 40 Boxen für die Pferde von Friederike und ihrem Freund.

Auch Hindernisse des berühmten und extrem schwierigen Hamburger Springderbys sollen hier nachgebaut werden – und zwar von Frank Rothenberger persönlich, seit 1995 Parcourschef des Derbys. Eigentlich wollte Friederike Eggersmann in diesem Frühjahr selber zum Derby. Doch ihre beiden Pferde zogen sich leichte Verletzungen zu. „Jahrelang haben beide nichts, und dann beide gleichzeitig“, seufzt Eggersmann. Doch sie nimmt es sportlich.

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Nicht nur die eigenen Pferde werden hier stehen, sondern auch Berittpferde, Jungpferde, die Tiere von Freizeitreitern. Platz für insgesamt „60 bis 70“ soll entstehen.

„Wir warten derzeit noch auf die Baugenehmigung“, sagt Friederike Eggersmann, und eine gewisse kribbelige Ungeduld kann man heraushören: „Es soll endlich losgehen!“

Dass es Pferde und der Pferdesport sein würden, denen sich Friederike Eggersmann ein Leben lang widmet, das war schon früh klar. Mit gerade mal vier Jahren hat sie an Prüfungen am Führzügel teilgenommen. Kam sie von der Schule nach Hause, war der erste Gang nicht an den Mittagstisch, sondern in den Stall. Sie stellte lediglich den Schulranzen mitten auf den Hof als Zeichen an die Eltern, dass sie zu Hause war.

Dazu passt eine Geschichte, die ihre Mutter ihr neulich erzählte: Im Alter von drei Jahren habe Friederike nämlich schon genau gewusst, was sie wollte: Tierärztin werden, um die eigenen Pferde versorgen zu können, außerdem Bereiterin, um immer reiten zu können, und, um das finanzieren zu können, „bei Aldi an der Kasse arbeiten“, erzählt sie lachend. „Als Kind dachte ich wohl, dass man als Kassiererin das Geld behalten darf!“

Richtig los mit der Reitkarriere sei es mit 14, im Jahr 2011, gegangen, erzählt Eggersmann. Dann wechselte sie auf die Prinz-von-Homburg-Schule im brandenburgischen Neustadt, eine Gesamtschule mit Spezialklassen im Reitsport sowie angeschlossenem Internat.

Hier begann sie auch mit ihrem Turnierpferd Lauricio zu trainieren, der damals eigentlich ein Dressurpferd war. Er wurde ans Springen herangeführt – und bewies sich als großes Talent. „Bis Klasse L hat er mir viel gezeigt“, erzählt Friederike Eggersmann, „alles danach haben wir zusammen gelernt.“

Im Springreiten wird die Schwierigkeit des Parcours von Klasse E, „Einfach“, bis Klasse S****, „Schwer“, gemessen. Mit Lauricio und Stute Calotta habe sie derzeit „zwei sehr gute S**-Springer“, sagt Eggersmann. Nebenher trainiert sie zahlreiche Nachwuchs- und Berittpferde.

Pferdesport ist eine zeitaufwendige Leidenschaft. Derzeit ist Eggersmann beinahe an jedem Wochenende auf Turnieren unterwegs, bei großen wie dem „Munich Indoors“ von dienstags bis sonntags. Bleibt da Zeit für Freunde?

„Die waren nicht immer begeistert“, erzählt Eggersmann. Sie habe oft sagen müssen: „Wenn wir was machen wollen, kommt zu mir. Ich muss eh noch reiten.“ Auf der Prinz-von-Homburg-Schule wurde das besser: Hier hatte jeder mit Pferden zu tun.

Nach dem Abitur im letzten Jahr wollte Friederike Eggersmann eigentlich Landwirtschaft studieren, in Berlin oder in Osnabrück. Gerade Berlin wäre naheliegend gewesen: Ihren Freund hat sie auf dem Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt kennengelernt; er kommt aus Sachsen.

Doch da hatte Vater Heinrich gewissermaßen ein Wörtchen mitzureden: Zufällig erfuhr er, dass der Eisberger Hof zu verkaufen war. Auf ihm hatte er in jungen Jahren reiten gelernt. Nun also: der eigene Eggersmannsche Pferdehof. „Ich hätte nie gedacht, dass das mal Wirklichkeit werden würde“, erzählt Friederike und nennt es einen „Mädchentraum“.

Nach sechseinhalb Jahren nun also wieder zurück in der Heimat. Die Eltern hatten sogar vorgeschlagen, wieder zurück nach Hause zu ziehen, doch das schlug die 20-Jährige sofort aus: Etwas Eigenes war wichtig. Wappler und Eggersmann wohnen derzeit noch im großen Turnier-Truck mit Küche, Wohnzimmer und allem Drum und Dran, und wenn die Arbeiten weit genug vorangeschritten sind, wollen sie ins Wohnhaus umziehen.

Das enge Verhältnis innerhalb der Familie bleibt so oder so bestehen: Eltern und Geschwister – zwei Schwestern, ein Bruder – sehen sich täglich. Das Verhältnis dürfte noch enger werden: Zum 1. August beginnt Friederike eine Ausbildung zur Industriekauffrau im familieneigenen Betrieb. Das Studium danach – nicht ausgeschlossen. Doch eine Ausbildung, erzählt Eggersmann, ist zumindest mit dem Reiten verträglicher, wenn in jeder Pause, abends und an Wochenenden geritten wird und der Stalldienst morgens um 7 Uhr beginnt. Auch im alljährlichen Urlaub auf Fehmarn sind Pferde immer mit dabei.

Friederike Eggersmann gibt sich so sympathisch wie zielstrebig, und es bleibt kein Zweifel, dass sie große Ziele hat. Sportlich soll es weitergehen, mit weiteren Erfolgen bei schweren Springen.

„Wir wollen hier ein gutes Trainingszentrum aufbauen“, sagt sie über das „Gestüt Weserbergland“. Es soll Turnierbegleitung geben, Lehrgänge, mehr Berittpferde, Pferde auch zum Verkauf. Nächstes Jahr werden, wenn alles gut geht, die ersten Fohlen aus der eigenen Zucht geboren. „Wir wollen, dass es hier in der Gegend lebendig wird“, sagt sie.

Kontakt: Zu erreichen ist Friederike Eggersmann per E-Mail unter eggersmannfriederike@gmail.com oder mobil unter 01 51- 19 55 17 81.

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