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Unwetter-Einsätze im Minutentakt

„Friederike“ sorgt für Wirbel

LANDKREIS. Mit Spitzenböen von 126 Stundenkilometern ist das Orkantief „Friederike“ über den Landkreis Schaumburg hinweggefegt. Bäume stürzten um, Straßen waren unpassierbar, Dächer wurden abgedeckt. In einigen Orten fiel der Strom aus. Der Orkan forderte im Landkreis Schaumburg zwei Verletzte.

veröffentlicht am 18.01.2018 um 21:48 Uhr
aktualisiert am 26.01.2018 um 17:53 Uhr

Die alte Satzung über die Aufwandsentschädigungen der Rintelner Brandschützer stammt noch aus dem Jahr 2009. Rückwirkend zum 1. Januar 2018 tritt nun die neue Satzung in Kraft. Foto: tol
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite

Mit Spitzenböen von 126 Stundenkilometern ist das Orkantief „Friederike“ am Donnerstagnachmittag über den Landkreis Schaumburg hinweggefegt. Bäume stürzten um, Straßen waren unpassierbar, Lastwagen wurden von der Straße geweht, Dächer abgedeckt. In einigen Ortschaften fiel zeitweise der Strom aus. Der Orkan forderte im Landkreis Schaumburg zwei Verletzte. Eine Person wurde von einer Windbö zu Fall gebracht, eine andere von einem umherfliegenden Tor getroffen.

Am schlimmsten traf der Orkan Rinteln. Hier stürzten zahlreiche Bäume um. In der Rettungsleitstelle des Landkreises glühten die Drähte. Sturmeinsätze kamen im Minutentakt. Das Leitstellen-Personal wurde verstärkt. Mit 13 statt der üblichen vier bis sechs Mitarbeiter arbeiteten sie über 180 Einsätze ab. „Friederike“ traf vor allem Rinteln und Obernkirchen. Hier hätten die meisten Einsätze abgearbeitet werden müssen, erklärte Kreis-Sprecherin Anja Gewald. Auf der Westumgehung in Rinteln wehte eine Sturmböe einen Pkw-Anhänger um – er musste von einem Bergungsfahrzeug aufgerichtet werden. In Exten stürzte eine große Tanne auf die Mittelstraße. Die Straße musste längere Zeit gesperrt werden. Feuerwehrleute aus Exten und Hohenrode zersägten die Tanne. In Strücken stürzte eine Tanne auf ein Wohnhaus und beschädigte das Dach. In Hohenrode stürzte eine große Tanne auf eine Stromleitung und blockierte den Siekweg. Der Strom fiel für längere Zeit aus. Die Stadtwerke-Mitarbeiter konnten bis zum Abend die Freileitung notdürftig reparieren.

Auch in anderen Orten gab es Stromausfälle. Betroffen waren die Nordstadt, Todenmann, Engern sowie die Paschenburg. Auch das Restaurant Paschenburg war ohne Strom. Die Stadtwerke stellten der Gaststätte ein Notstromaggregat zur Verfügung.

In Strücken stürzte eine große Tanne auf das Dach eines Wohnhauses. Foto: leo
  • In Strücken stürzte eine große Tanne auf das Dach eines Wohnhauses. Foto: leo
Auf der Bundesstraße 442 bei Messenkamp erfasste eine Windböe den unbeladenen Anhänger dieses Lastzuges. Foto: nah
  • Auf der Bundesstraße 442 bei Messenkamp erfasste eine Windböe den unbeladenen Anhänger dieses Lastzuges. Foto: nah
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Für Probleme und Produktionsausfälle sorgte Nachmittag auch ein siebenminütiger Stromausfall im Industriegebiet Rinteln-Süd. Hierdurch stand bei „riha-Wesergold“ die Produktion bis zum Abend still. „Wir müssen alle Abfülllinien abfahren, reinigen und sterilisieren, ehe die Anlagen erneut angefahren werden können“, erläuterte David Langel, Geschäftsführer Produktion/Technik. Auf der Kreisstraße 77 zwischen Uchtdorf und Wennenkamp stürzte eine Fichte auf einen Lastzug. Zuvor hatte der Lkw-Fahrer aus Dörentrup stoppen müssen, weil ein Baum eine Weiterfahrt unmöglich machte. Der Dörentruper konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen, bevor der Stamm auf das Dach des Aufliegers stürzte. Er blieb unverletzt. Feuerwehrleute zersägten den Nadelbaum. Als die Helfer mit ihrem Einsatzfahrzug durch den Wald in Richtung Wennenkamp fuhren, warf eine Bö 20 Fichten auf einmal um. Ein Baum stürzte dabei auf das Feuerwehrfahrzeug der Wennenkamper Ortswehr, welches stark beschädigt wurde. Die Straßenmeisterei sperrte in Rinteln die Kreisstraßen 72, 74, 76 und 77 sowie die Landesstraße 434. Sie sind voraussichtlich auch heute noch dicht. „Auf den Strecken sind mehrere Bäume umgestürzt. Weitere drohen umzustürzen“, sagt Polizeioberkommissar Michael Elbing. Straßenwärter müssen zunächst die Strecken kontrollieren, bevor der Verkehr rollen kann.
Auch in Bückeburg waren die Feuerwehren und der Bauhof im Einsatz. Am Julianenweg stürzten von einem Privatgrundstück zwei Bäume um und begruben eine Straßenlaterne unter sich. Der Bauhof musste zunächst den Strom abschalten, bevor Helfer die Stämme und Äste zersägen konnten. Auch zwei Pkw wurden durch Äste leicht beschädigt, so die Polizei Bückeburg. Die Bundesstraße 65 in Richtung Bückeburg musste hinter der Abfahrt zur B 482 für eine halbe Stunde voll gesperrt werden, weil mehrere Bäume auf die Fahrbahn gestürzt waren. An der Herderstraße in Bückeburg lösten sich Bauteile von einem aufgestellten Baugerüst, die auf den Gehweg und die Straße fielen.
In Heeßen wurde eine Gartenhütte aus Blech auf den Bürgersteig geweht. In Eisbergen fegte eine Orkanbö das Dach der Sparkasse vom Gebäude. Die Feuerwehr, ließ das eingeschossige Gebäude evakuieren. Helfer des Technischen Hilfswerks Minden unterstützten die Feuerwehr dabei, den zerstörten Dachaufsaz zu sichern. Auf der Bundesstraße 442 erfasste eine Windbö südlich von Messenkamp den unbeladenen Anhänger eines Lastzugs. Der Sturm schleuderte ihn in den Graben. Daraufhin verlor der Fahrer die Kontrolle und kam quer zur Fahrbahn zum Stehen. Das Klinikum Schaumburg musste seine Einweihungsfeier mit 400 geladenen Gästen absagen.

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