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Zu Hause beim Bürgermeister-Kandidaten der WGA / Siegbert Held - Diplom-Sozialpädagoge, der beim Hausbau mit anpackt

Frische Tomaten, alte Kameras und die Story vom Stausee

Rolfshagen. Das gelb-blau geflochtene Band trägt er noch ums rechte Handgelenk, eine Erinnerung an den erst wenige Tage zurückliegenden Sommerurlaub. Im schwedischen Södermanland südlich von Stockholm hat Siegbert Held die Ferien verbracht, mit der eigenen Familie und mit der Familie seines Patenkindes Lara aus Kathrinhagen. Das hat schonTradition: Alle zwei Jahre geht es mit neun Leuten in ein Haus am See, mit Kanu, Ruderboot und Fahrrädern. Auch wenn Helds Töchter Ann-Kristin (23) und Anna-Lena (20) im Urlaub eigentlich längst eigene Wege gehen: "Wenn es nach Schweden geht, dann sind sie immer dabei."

veröffentlicht am 10.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Autor:

Christiane Riewerts

Der eine See lässt ihn im Sommer ausspannen von Job und Kommunalpolitik, der andere war einst der Grundstein für seinen Einsatz für Rolfshagen und das Auetal: Aus der Gegnerschaft zum geplanten Stausee ist vor über 25 Jahren Siegbert Helds kommunalpolitisches Engagement entstanden. Das ist geblieben, auch als die Stausee-Pläne längst vom Tisch waren. Immer wieder ist Held seitdem in den Gemeinderat gewählt worden, seit fünf Jahren ist er Ortsvorsteher von Rolfshagen. Und jetzt tritt der 50-Jährige zum zweiten Mal an, für die WGA das höchste Amt im Auetal zu erobern. "Mein Ziel ist es, Bürgermeister zu werden", sagt er selbstbewusst. Ein bisschen Schweden, ein bisschen Urlaub, ist auch auf der eigenen Terrasse. Im satten Blau der Tischdecke, im strahlenden Gelb der Sonnenblumen. Und die Porzellanrobbe grüßt freundlich aus dem Blumenbeet. Vor dem kleinen Gerätehaus, entstanden aus dem Dachstuhl eines alten Bauernhauses in Poggenhagen ("die ältesten Balken sind aus dem 18. Jahrhundert!"), flattern bunt die Handtücher im Wind; im Hintergrund sieht man das Steinzeichen Steinbergen. Himbeeren und Brombeeren wachsen auf dem Hanggrundstück, vorne ein kleiner Kräutergarten, weiter unten ein paar Apfelbäume. Über eine Treppe geht Siegbert Held die Stufen runter zum Gewächshaus, "das ist mein Steckenpferd", Gurken und Tomaten baut er hier an. Vorsichtig begutachtet er eine Rispe: "Die sind ja schon schön rot geworden." Noch vor 20 Jahren wuchsen auf dem Grundstück an der Rolfshagener Straße Gerste und Kartoffeln auf dem Acker. Dann hat Siegbert Held hier von 1987 bis 1989 das Einfamilienhaus gebaut, so gut wie alles in Eigenleistung, mit Brüdern und Freunden. "Jeden Tag war ich damals um halb zwei auf dem Bau" - die Kommunalpolitik habe in dieser Zeitausnahmsweise mal ein wenig zurücktreten müssen. "Ich kenne jeden Winkel dieses Hauses", sagt Siegbert Held. So wusste er, als es vor einem Jahr auf einmal durch die Wohnzimmerdecke tropfte, auch ganz genau: "Das kann nur die und die Verbindung an der und der Stelle sein." Und die war es dann auch. Gewohnt hat er schon immer in Rolfshagen, "nur zur Geburt war ich bei meiner Großmutter in Heeßen..." Hier in Rolfshagen engagiert er sich in der Kirchengemeinde, hier leitet er in Nachfolge seines Vaters den Posaunenchor - "das ist bei uns in der Familie quasi Pflicht", lächelt er: Mittlerweile sind auch seine beiden Mädchen dabei. Zur Arbeit aber fährt er seit bald 25 Jahren nach Minden. Als Diplom-Sozialpädagoge betreut Held an der Grundschule die Schüler der ersten und zweiten Klasse, im "Team-Teaching" zu zweit vor der Klasse, in der Einzelförderung in Kleingruppen. Gelernt hatte er ursprünglich etwas ganz anderes: Industriekaufmann bei Bösendahl. Seine große Leidenschaft gilt dem Sammeln historischer Kameras. Mit dem "Alt-gegen-Neu-Tausch" bei Photo Struck in Rinteln hat vor 30 Jahren alles angefangen: Held nutzte die eigentlich anders gedachte Aktion und fragte nach richtig alten Kameras - für 30 Mark war der Grundstock seiner Sammlung erworben. Gut 130 Modelle hat er seither zusammengetragen, "hier ein Schätzchen, da ein Schätzchen", die älteste Balgen-Kamera stammt von 1920. Im Glasschrank im Flur sind sie alle aufgereiht. Einen Teil hat er ausgelagert ins Heimatmuseum Hattendorf. Aus gutem Grund, lächelt Siegbert Held: "Sonst müssteich hier wohl bald anbauen..." Morgen: Zu Hause beim Bürgermeister-Kandidaten der SPD, Thomas Priemer.

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