weather-image
Der 21-jährige Daniel Winter will mit den Freien Demokraten in den Bundestag einziehen

Frischer Wind für junge Politik

LANDKREIS. Daniel Winter ist mit 21 Jahren einer der jüngeren Bewerber um den Einzug in den Bundestag. Ein Nachteil? Sicher nicht – zumindest seiner Meinung nach. „Ich habe zwar keine riesige Lebenserfahrung, für mein Alter aber schon eine ganze Menge“, sagt der Schaumburger, der bei der Wahl für die FDP antritt.

veröffentlicht am 13.09.2017 um 18:31 Uhr

Daniel Winter wuchs in Hohnhorst auf, sein Lebensmittelpunkt lag aber in Bad Nenndorf. Nun will er für die FDP nach Berlin. Foto: tro
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

LANDKREIS. „Das Durchschnittsalter im Bundestag liegt bei gut 50 Jahren. Die Jugend wird in der Politik kaum repräsentiert – das ist ein Problem.“ Eines, dem er mit seinem Engagement entgegenwirken will. „Junge Leute in die Parlamente“, fordert er.

Geboren ist Winter in Hannover, aufgewachsen in Hohnhorst, genauer: im Ortsteil Rehren. „Als ich vier Jahre alt war, sind meine Eltern mit mir aufs Land gezogen“, erzählt er. So ist er dort auch verwurzelt, hat viele Jahre im örtlichen Verein Fußball und Tischtennis gespielt. Als seinen damaligen Lebensmittelpunkt bezeichnet er aber Bad Nenndorf. Dort am Gymnasium legte er sein Abitur ab, aber auch seine politische Laufbahn hat an diesem Ort ihren Ursprung. „Mein damaliger Politiklehrer am GBN hat mein Interesse für Politik und Wirtschaft geweckt.“ Zum anderen sammelte er in der Kurstadt aber auch früh seine ersten unternehmerischen Erfahrungen. „Meinen ersten Job hatte ich als Kassierer im Supermarkt, weil ich meinen eigenen Roller finanzieren wollte“, so Winter. „Vorher bin ich den Weg von Rehren bei Wind und Wetter mit dem Rad gefahren.“ Nur wenig später hatte der damals 17-Jährige, dem Freunde Attribute wie „ehrgeizig“ und „zielstrebig“ zuschreiben, sein erstes eigenes Unternehmen gegründet – eine DJ-Agentur. Kurz darauf folgte ein Weiteres für die Organisation von Abibällen. „Ich wollte die Freiheit haben, selbst zu entscheiden und finanziell unabhängig sein“, erklärt er. Heute hat sich das Ganze aber wieder ein Stück weit in Richtung Hannover verlagert. Gerade erst hat Winter sein duales Studium bei der Nord/LB beendet, ist dort nun als gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt als Gewerbekundenberater tätig.

In die FDP ist Daniel Winter vor vier Jahren nach der Bundestagswahl eingetreten, bei der die Partei erstmals den Einzug ins Parlament verpasste. „Ich wollte meinen Teil zu der politischen Neuaufstellung beitragen. Die Partei passt gut zu meinen politischen und wirtschaftlichen Ansichten“, sagt er. Sein Aufstieg dort verlief schnell: Seit drei Jahren ist er im Kreisvorstand der Jungen Liberalen in Hannover vertreten, ebenso wie im Landesvorstand der liberalen Jugendorganisation. „Es macht Spaß, wenn man Themen auch langfristig nach vorne bringen kann.“

In seinem Programm spielt aber mehr eine Rolle als nur eine „junge“ Politik. „Ich stelle den Status quo infrage“, sagt Winter. Das Thema Digitalisierung ist für ihn ein „Jahrhundertthema“. „Wäre es ein Fußballspiel, befänden wir uns in der ersten Halbzeit und lägen null zu drei hinten“, so der Hohnhorster. „Mit ein paar Auswechslungen und einer neuen Taktik geht da aber noch was.“ Seine erste Maßnahme wäre ein spezielles Digitalministerium, die Themen E-Health und Breitbandausbau hätten höchste Priorität. „Beides ist gerade im ländlichen Raum wichtig.“ Durch die eigenen Unternehmensgründungen habe er eine Affinität zu Start-ups: „Deutschland ist ein großes Land mit vielen Menschen und ebenso vielen guten Ideen. Es fehlt nur etwas an Gründermentalität“, sagt Winter. „Wenn ich meinen Teil zu einem Mentalitätswandel beitragen kann, mache ich das gerne. Es sollte heute möglich sein, ein Unternehmen innerhalb von 24 Stunden zu gründen.“

Auch der Bereich der Bildung ist Winter – neben Europa („Legitimation, Akzeptanz und Mehrwert erhöhen“), Rente („das staatliche System muss auf neue Füße gestellt werden“), Integration („Barrieren abbauen, die die Eingliederung von Geflüchteten ins Arbeitsleben behindern“) und Wirtschaft („Freihandel fördern, Arbeit 4.0 aktiv gestalten“) – besonders wichtig. „Ich kann es nicht fassen, wenn gesagt wird, Bildung sei ein Landesthema“, sagt er. Schließlich lebe man auch in dieser Hinsicht in einer globalisierten Welt. „Wir müssen Geld investieren in Schulsanierung, Lehrerausbildung und Ausstattung.“ Vor allem gelte es, auch die Schulen zu digitalisieren. Zudem sollten Wirtschaft und Programmieren zumindest in ihren Grundzügen zu Schulfächern werden.

Die Frage, ob es für ihn ganz persönlich am 24. September tatsächlich zum Einzug in den Bundestag reicht, sieht Winter ganz realistisch. „Der Aufwand ist hoch, aber die Wahrscheinlichkeit relativ gering“, sagt er. Selbstverständlich wolle er aber unabhängig vom Wahlergebnis weitermachen, der Politik und seiner Partei treu bleiben.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare