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Jahresempfang der Landeskirche mit 1000 Gästen

Ganz im Zeichen der Reformation

BÜCKEBURG. Ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums hat am Dienstagabend der Jahresempfang der Schaumburg-Lippischen Landeskirche in der Stadtkirche gestanden, dem Jahr, in dem die evangelische Kirche an Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg vor 500 Jahren erinnert. Rund 1000 Gäste waren der Einladung gefolgt.

veröffentlicht am 12.09.2017 um 20:31 Uhr

Der EKD-Vorsitzende Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm (r.) ehrt während des Jahresempfangs Ehrenamtliche für ihr Engagement für Kirche und Gesellschaft. Foto: wk
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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„Dies zeigt, dass wir Kirche mitten in der Gesellschaft sind“ freute sich Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke in seiner Begrüßung. Unser Zusammenleben in der Region habe das Zusammenkommen und den Austausch nötig: „Es ist wichtig, dass wir über Grenzen hinweg zusammenarbeiten.“ Es werde keine „pausbäckige Kirchlichkeit“ gefeiert, sondern die kulturelle Kraft des Glaubens.

Wie bei den vorangegangen sechs Jahresempfängen ehrte die Landeskirche verdiente Ehrenamtliche, die sich für die Kirche und die Gesellschaft eingesetzt haben. „Gelebte Verantwortung“, wie es Synodenpräsident Klaus-Dieter Kiefer: „Wir können nur existieren, wenn Menschen Verantwortung übernehmen.“ Rund 200 Ehrenamtliche aus rund 80 Vereinen und Verbänden erhielten aus den Händen des Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirchen Deutschlands (EKD), Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Niedersachsen Ministerpräsidenten Stephan Weil sowie Landesbischof Manzke kleine Präsente.

„Wir waren nicht immer die besten Botschafter, aber unsere Botschaft ist so stark, dass wir uns keine Sorge um die Zukunft machen müssen“, sagte der EKD-Vorsitzende, Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm zum Schluss seines Festvortrags „Gott über alle Dinge – 500 Jahre Reformation.“ Ein Vortrag, der mit minutenlangem Applaus bedacht wurde. Die Reformation habe das Land verändert, vieles sei heute nicht vorstellbar, wenn es sie nicht gegeben hätte. Durch das Jubiläum werde Gott neu gedacht. Es gebe ein Nachdenken über den Stellenwert von Religion, ob es mehr als Naturwissenschaften gebe. Viele Menschen seien durch niederschwellige Angebot neugierig geworden, was unter anderem das Pop-Oratorium zeige, an dem sich 23 000 Sänger beteiligt haben, oder aber die Playmobil-Figur Martin Luther, die sich über eine Million Mal verkauft hat. „Ein Phänomen, kein Klimbim, Luther steht für eine Haltung.“

Rund 1000 Gäste waren der Einladung der Landeskirche in die Stadtkirche gefolgt. Foto: wk
  • Rund 1000 Gäste waren der Einladung der Landeskirche in die Stadtkirche gefolgt. Foto: wk
„Über Grenzen hinweg zusammenarbeiten“: Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke bei der Begrüßung. Foto: wk
  • „Über Grenzen hinweg zusammenarbeiten“: Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke bei der Begrüßung. Foto: wk
Applaus von Ministerpräsident Stephan Weil (v.l.) dem EKD-Vorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe für Posaunenchor oder den Chor „Kreuz & Quer“, die den Empfang musikalisch umrahmten. Foto: wk
  • Applaus von Ministerpräsident Stephan Weil (v.l.) dem EKD-Vorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe für Posaunenchor oder den Chor „Kreuz & Quer“, die den Empfang musikalisch umrahmten. Foto: wk

Betrachte man Luthers Werke, so falle ein Wort auf: Freiheit. Ein Wort, das eines der Großthemen damals wie heute ist und von zentraler Bedeutung wie Martin Luther King oder Nelson Mandela zeigten. „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ könne noch heute Impulse geben, so Bedford-Strohm weiter. Aus „ein Christenmensch ist niemanden untertan“ entstehen noch heute Zivilcourage, das Eintreten für seine Überzeugungen – so wie aus der inneren Freiheit die Kraft zum Handeln komme, sich nach außen für andere zu engagieren.

Wenig sei darüber geschrieben worden, dass sich schon Luther mit Wirtschaftsethik auseinandergesetzt habe. Er habe Zinsen kritisiert, sodass am Ende nur der Schwache übrig bleibe. Machtunterschiede durch die Wirtschaft würden die Not anderer ausnutzen, Monopole führten zu Verteuerungen, Dumping-Preise heute zur Verödung von deutschen Innenstädten, wo überall die gleichen Filialen seien, weil Einzelhändler verdrängt wurden.

Der niedersächische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte: „So viel Luther, so viel Präsenz der evangelischen Kirche, so viel Gelegenheit zu erinnern, welche Bedeutung die Kirche in Niedersachsen hat, war nie.“ Als Niedersachsen gegründet wurde, sei das keine Liebesheirat gewesen. Wenn es einen gemeinsamen Nenner gegeben habe, war es der christliche Glaube. Die Bibel und die Verfassung haben eine große gemeinsame Schnittmenge, so Weil weiter. Kirchen seien der beste Partner, den sich ein Staat wünsche könne. Vor noch nicht einmal zwei Jahren habe sich bei der Ankunft hunderttausender Flüchtlinge gezeigt, dass Niedersachsen in den Kirchen verlässliche Partner hat, als das Bündnis „Niedersachsen packt an“ gemeinsam mit Gewerkschaften und Verbänden geschmiedet wurde. Das zeige sich bis heute im Kleinen in zahlreichen Gemeinden, wo mit tiefer Geduld an der Integration gearbeitet wird.

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