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Konrad Kanton und Matthias Greenslade bieten musikalische Überraschungen und launige Ansagen

Gary Moore mal ganz spanisch

BÜCKEBURG. Dass das Amadeus Gitarren Duo seinen eigentlich für vergangenen Sonntag geplanten Auftritt krankheitsbedingt absagen musste, hatte der veranstaltende Kulturverein bereits im Januar bekannt gegeben. Dem Konzertvergnügen im Niedersächsischen Landesarchiv tat dies indes keinen Abbruch, denn mit dem jungen, aber ungemein talentierten Gitarrenduo Krassissimo war ein absolut würdiger Ersatz gefunden worden.

Autor

Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite

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Noch dazu einer mit heimischen Wurzeln, denn Gitarrist Matthias Greenslade, der sich während seines Studiums an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg mit seinem Kommilitonen Konrad Kanton zu dem Duo zusammentat, lernte das Gitarrenspiel bei Wolfgang Wicklein an der Musikschule Schaumburger Märchensänger und war mit einer Vielzahl von Bands, unter anderem der Rockformation Heatstroke, auf heimischen Live-Bühnen unterwegs.

Bei ihrem Auftritt im nahezu ausverkauften Landesarchiv überraschten die beiden jungen Gitarrenvirtuosen nicht nur mit einer stilistisch vielseitigen und unkonventionellen Stückeauswahl, sondern auch mit vielen humorvollen und launigen Ansagen und Anmerkungen zu ihrem Spiel. Nach dem Auftakt mit „Pepe de Almeria“ von Hans-Joachim Kaps ging es spanisch weiter mit einem Ausschnitt aus „3 Divertissements op. 61“ von Fernando Sor, dem 1778 in Barcelona geborenen „Mozart der Gitarrenmusik“, wie ihn Konrad Kanton nannte. Auch „Schubert der Gitarre“, „Beethoven der Gitarre“ oder „Mendelssohn der Gitarre“ finden sich in der Literatur über den Komponisten, der zeitweilig als Gutsverwalter und als Polizeihauptkommissar in Andalusien arbeitete und seine bekanntesten Stücke in London und Moskau komponierte.

So schräg wie das 2007 entstandene „Wicked Witches“, das in drei Sätzen die Charaktereigenschaften einer bösen Hexe musikalisch illustriert, so skurril war auch das, was Konrad Kanton und Matthias Greenslade über ihre Begegnung damit zu berichten hatten: Nachdem sie das Stück des Rheiner Komponisten, Instrumentalpädagogen und Dirigenten Lars Wüller im Keller ihrer Hochschule eingespielt und davon ein Video bei YouTube veröffentlicht hatten, zeigte sich dessen Schöpfer davon so angetan, dass er die Aufnahme mehrfach im Internet weiterverbreitete.

Konrad Kanton solo war bei „Verano Porteno“ von Astor Piazzolla zu erleben, dem berühmten, 1992 verstorbenen Begründer des Tango Nuevo, dessen Komposition man vor allem auf dem Bandoneon oder dem Akkordeon kennt. Und für eine handfeste musikalische Überraschung sorgten die beiden Saitenkünstler mit der „Spanish Guitar“ von Gary Moore: Denn wer hätte gedacht, dass der irische Rockstar, der in den 80er-Jahren als Gitarrist von Thin Lizzy und durch Solo-Alben wie „Wild Frontier“ oder „After The War“ vor allem mit bretterndem Hardrock von sich reden machte und dann 1990 mit „Still Got The Blues“ auf so spektakuläre Weise zum Blues-Jünger konvertierte, auch ein solches Faible für melancholische Flamenco-Klänge hatte? Für Matthias Greenslade und Konrad Kanton ist der 2011 verstorbene Ire bis heute vor allem eines: „Ein Riesen-Vorbild!“

Klassische Gitarrenkunst gab es im weiteren Verlauf des Konzerts mit dem Rondo alla turka von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Mit „James“ erwies das Duo dem großen Jazz-Künstler Pat Me-theny die Ehre, und auch Weltstar Sting streifte als „English Man in New York“ launig durchs Landesarchiv.

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