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Der Magistratsschrank im Bückeburger Museum / Ausstellung lockt schon fast 5000 Besucher / Verlängert bis 31. Oktober

Gedächtnis des Rathauses – Stolz der Bürgerschaft

Bückeburg (rc/rd). Die Ausstellung „Von gräflichen Gnaden – 400 Jahre Stadt Bückeburg“ ist die erfolgreichste Ausstellung, die das Museum an der Langen Straße in den vergangenen Jahren gezeigt hat. In den kommenden Tagen wird bereits der 5000. Besucher erwartet, wie Museumsleiterin Dr. Anke Twachtmann-Schlichter mitteilte. Aus diesem Grund wird die Ausstellung bis zum 31. Oktober verlängert. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 13 bis 17 Uhr. „Dank der engagierten Hilfe unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter sind die Öffnungszeiten gesichert“, freute sich die Museumsleiterin, dass trotz des engen finanziellen Rahmens des Museums die Verlängerung der Ausstellung möglich ist.

veröffentlicht am 13.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 06:21 Uhr

Dr. Anke Twachtmann-Schlichter erläutert Details des Ratsschrank

Im Zusammenhang mit dem Jubiläum „400 Jahre Marktrechte Bückeburg“ ist ein alter Schrank interessant, der aus dem Jahre 1602 stammt und unter dem ersten Bürgermeister Bückeburgs, Sarius Sassenberg, angefertigt wurde und mit dessen Geschichte sich Museums-Mitarbeiter Oliver Glißmann auseinandergesetzt hat.

Nach der Errichtung des Rathauses im Jahr 1607 hat er sicher in dem Gebäude gestanden. Wie bei vielen anderen Gegenständen im Museum liegt auch hier der Weg, wie er ins Museum gekommen ist, im Dunkeln. Es wird aber vermutet, dass er mit dem Rathausneubau von 1905 bis 1906 in das Museum kam. Das Jubiläum bietet nun den Anlass, den Schrank etwas genauer zu betrachten.

Dass der Bürgermeisterschrank eine große Bedeutung hatte, fällt allein schon durch seine enormen Maße (2,74 Meter Höhe und 2,21 Zentimeter Breite) auf, durch die er die ganze Wand eines Raumes im Landesmuseum einnimmt. Üblich war es, in diesem „Archiv“ wichtige Akten, Briefe und Siegel aufzubewahren, wobei die Größe darauf schließen lässt, dass schon eine gewisse Anzahl von Unterlagen erwartet wurde. Der Schrank bildete somit das Gedächtnis des Rathauses. Der auf Kufen ruhende Schrank wurde aus Eichenholz angefertigt und ist an der Vorderfront durch schmale Gesimse in drei Abschnitte unterteilt, die um die Seitenwände herumlaufen. Dadurch wird deutlich, dass er aus drei Teilen zusammengesetzt ist.

Aufwendige Dekoration

Während alle Türen mit Zugringen zu öffnen sind, ist in der Mitte eine rechteckige Tür angebracht, die durch ihre Gliederung als solche erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. An ihr ist das typische Dekorationselement der Schrankfüllungen, Rechtecke mit Profilleisten oder Arkadenbögen, zu erkennen. Die Hochrechtecke werden dabei an der Schauseite übereinander oder versetzt angeordnet, wobei die Kassetten leer bleiben und nur durch aufgesetzte Profilleisten betont werden.

Das zweite Dekorationselement sind die Arkadenbögen, die in der Mitte schlicht, im oberen Bereich aufwendiger gestaltet sind. Hier befinden sich an ihnen zusätzlich kleine aufgesetzte Diamantquader, die dadurch an Portaleinfassungen renaissancezeitlicher Bauten erinnern. Gerade in diesem architektonischen Motiv orientiert sich der Schrank in seiner Gestaltung an Typen, die seit dem 16. Jahrhundert in Niederdeutschland und Westfalen üblich waren. Weitere Schmuckelemente sind kleine Rossetten in den Zwickeln und eine Zahnschnittleiste, die sich in der abschließenden gebälkartigen Zone wiederholt.

Wappen sorgen für Verwirrung

Im oberen Bereich sind drei Wappen angebracht, die nicht mehr komplett erhalten sind, jedoch auf eine konservatorische Behandlung hinweisen. Auf Sichthöhe des Betrachters zeugen alle drei Wappen vom Stolz der Bürgerschaft und ihrer Bürgermeister. In der Mitte, etwas größer, ist das Stadtwappen zu erkennen. Ein mächtiges Stadttor mit zwei Türmen, über dem sich das Schaumburger Nesselblatt befindet. Umrahmt wird es von geschwungenen Motiven, die auch als Knorpelwerk bezeichnet werden. Interessanter ist auf der Tür der linken Seite das Wappen des ersten Bürgermeisters Sarius Sassenberg. Vor den genau umgedreht gezeigten Schaumburgischen Landesfarben blau, rot und weiß ist hier, nach Friedrich Mosebach, im Wappenschild ein kleines Segelschiff zu erkennen, dass auf der Mastspitze einen Hut trägt. In der Literatur zu den Sassenbergs wird immer wieder dieses Wappen gezeigt.

Dass dies aber nicht korrekt ist, hat erst durch jüngste Forschung ein Nachfahre der Familie, Björn Sassenberg, herausgefunden. Dazu verglich er die Sassenbergschen Wappen an einem alten Kaminsims im Landesmuseum und einem Epitaph an der Meinser Kirche. Björn Sassenberg konnte dabei nachweisen, dass im Wappen vielmehr ein Stamm mit drei Ästen und einer Eichel zu erkennen ist. Im übertragenen Sinn vermutet er, dass aus einem alten Stamm ein neuer (Schaumburger) Zweig entsprießt, da die Sassenbergs ursprünglich aus dem Münsterländischen kamen. Noch deutlich lässt sich das von Björn Sassenberg erkannte Wappen an der Helmzier erkennen.

Auf der gegenüberliegenden Schranktür befindet sich das Wappen des zweiten Bürgermeisters, Albrecht Sobbe, unter dem auch die Jahreszahl 1607 steht. In dem weißen Wappenschild und auf der Helmzier befindet sich nun ein grünender Baum. Irritationen ruft im Vergleich das zweite Wappen auf dem Kaminsims hervor. Das dortige Wappen des mit Elisabeth Sassenberg verheirateten Sobbe zeigt hier ein Schild mit drei Kornähren. Ob hier ebenfalls die unsachgemäße Restaurierung das Wappen verfälschte, bleibt der heraldischen Forschung offen. Auszuschließen ist es nicht.

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