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„Nachgefragt“: Apotheker Günter Schwarz über ausländische Versandapotheken

Gefahr für Flächenstaaten

veröffentlicht am 16.02.2017 um 14:22 Uhr

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Herbert Busch Reporter

BÜCKEBURG. „Medikamente künftig online?“, hat die Fragestellung der aktuellen Ausgabe des Gesprächskreises „Nachgefragt“ gelautet. Gast der vom Bückeburger Museum in Kooperation mit der Gesellschaft für Sicherheitspolitik und der Sparkasse Schaumburg auf die Beine gestellten Reihe war diesmal der Apotheker Günter Schwarz.

Der Mitinhaber der Bückeburger Schlossapotheke stellte vor allen Dingen auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes vom 19. Oktober 2016 ab, die die deutsche Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln als Verstoß gegen europäisches Recht einstuft. Sie beschränke den freien Warenverkehr und diskriminiere ausländische Apotheken, urteilten die Richter in Luxemburg. Ausländische Versandapotheken dürfen dem Urteil gemäß nun auch deutschen Kunden Rabatte gewähren. Was bisher wegen der Preisbindung verboten war.

In einem von der Apothekerschaft verbreiteten Handzettel heißt es: „Aktuelle Entscheidungen der EU machen es ausländischen Konzernen noch einfacher, sich an unserem Gesundheitssystem zu bereichern. Internationale Versandhändler wollen die Rosinen aus unserem System picken, ohne einen wesentlichen Beitrag für die Patienten zu leisten.“

Schwarz mochte in diesem Zusammenhang weder vom „bösen Wolf“ noch von „Apothekensterben“ oder einer „Kostenexplosion im Gesundheitswesen“ sprechen. Er verglich das gegenwärtige Geschehen stattdessen mit einem kleinen Riss, dessen Entwicklung man genau beobachten müsse. Er erkannte aber auf längere Sicht die Gefahr einer Ausdünnung des Apothekennetzes.

Die Inhaber könnten sich auf lukrativere Standorte konzentrieren. „Und das sind nun einmal die große Städte“, erläuterte der Pharmazeut. Wie bei den niedergelassenen Ärzten könne der wohnortnahen Versorgung insbesondere in Flächenstaaten wie Bayern und Niedersachsen eine Gefährdung drohen.

Der Referent machte zudem auf die von den Apotheken vor Ort vorgehaltenen Dienstleistungen wie Nacht- und Notdienste, Botendienste, individuelle Rezepturen und unentgeltliche Beratung aufmerksam. Das könne aus der Ferne kaum geleistet werden.

Für ihn sei bei der Berufswahl wichtig gewesen, legte Schwarz dar, „dass ich mit Menschen zu tun haben und nicht nur den ganzen Tag vor dem Computer sitzen wollte.“ Wer in der Schlossapotheke eine Ausbildung oder ein Praktikum absolvieren möchte, müsse auf Menschen zugehen können.

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