weather-image
Tieranzahl trotz Vogelgrippe gehalten

Geflügelzüchter haben Rezept gegen Nachwuchsmangel

BÜCKEBURG/BERENBUSCH. Mit über 560 Ausstellungstieren hat die Grenzland-Rassegeflügelschau des Rassegeflügelzuchtvereins Bückeburg in Berenbusch ihre Anziehungskraft beeindruckend unter Beweis gestellt.

veröffentlicht am 06.11.2017 um 15:23 Uhr
aktualisiert am 06.11.2017 um 17:40 Uhr

Danielle, Emilia und Antonia Hauth aus dem Auetal sind seit diesem Jahr Mitglieder im Rassegeflügelzuchtverein Bückeburg und errangen für ihre Sebright gold-schwarzgesäumt das Kreisverbandsehrenband Jugend. Foto: jp
jp01

Autor

Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Erneut blieb sowohl die Zahl als auch die Qualität der ausgestellten Hühner, Gänse, Enten und Tauben und dem gleich hohen Niveau wie in den Vorjahren, und das unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen.

Die im vergangenen Herbst in ganz Norddeutschland wegen der Vogelgrippe verhängte Stallpflicht hatte auch im heimischen Bereich dazu geführt, dass zahlreiche Rassegeflügelzüchter die Zahl ihrer Tiere drastisch reduzierten oder ihr Hobby sogar komplett aufgaben. Doch vor allem Züchter aus dem angrenzenden Ostwestfalen fingen mit ihrer Teilnahme den Aderlass der Grenzlandschau wieder auf. Und das in so großer Zahl und vor allem mit so guten Tieren, dass die Veranstalter mittlerweile ein echtes Luxusproblem haben: „Uns gehen langsam wirklich die Preise aus“, bekannte Manfred Dralle, Vorsitzender des gastgebenden Bückeburger Vereins. Glatte 50-mal wurde das Prädikat „Hervorragend“ für ein Tier vergeben und knapp dreißig mal die Höchstnote „Vorzüglich“.

Ganz und gar kein Luxusproblem sind hingegen die Nachwuchssorgen, von denen praktisch alle Kleintier- und Rassezuchtvereine Deutschlands betroffen sind, auch und gerade die heimischen Rassegeflügelzüchter. Selbst bei der Grenzlandschau, die beim Thema Nachwuchs in den letzten Jahren stets eine positive Ausnahmestellung einnahm, hat die Zahl der Jungzüchter in diesem Jahr deutlich abgenommen, und so erfolgreiche Familien wie Ronny und Conny Hauth aus dem Auetal mit ihren drei höchst aktiven Töchtern Danielle, Emilia und Antonia, die die Rasse Sebright gold-schwarzgesäumt züchten, sind mittlerweile die Ausnahme.

„Wir müssen insgesamt viel stärker an die Jugend heran“, ist auch das Mantra von Wilhelm Struckmann aus Obernkirchen. Wie schwer das jedoch ist, das weiß der Kreisvorsitzende der Schaumburger Rassegeflügelzüchter selbst am allerbesten. Dabei sind es nicht nur die veränderten Interessen und die hohe zeitliche Beanspruchung durch Schule, Ausbildung und Studium, die heutige Kinder und Jugendliche von der Rassegeflügelzucht fernhalten. Am schwersten, so die seit Jahren leidvolle Erfahrung von Wilhelm Struckmann, wiege die verloren gegangene Akzeptanz gegenüber dem Hobby: „Sobald sich jemand einen Hahn zulegt und der auch nur einmal kräht, gibt es sofort Ärger mit den Nachbarn.“

Schon bei zahlreichen vorangegangenen Anlässen hatte der Kreisvorsitzende die Beschwerde- und Klagewut von Anwohnern gegen Geflügelhaltung sowie die Rechtsprechung heutiger Gerichten beklagt, welche fast immer den geräuschempfindlichen Klägern recht gäben. Umso mehr vermisste er jetzt bei der Eröffnung der Grenzlandschau den Bundestagsabgeordneten Maik Beermann und den Landtagsabgeordneten Kars-ten Becker: Die Politik auf Bundes- und Landesebene müsse endlich auf gesetzlichem Wege Rahmenbedingungen schaffen, um die Rassegeflügelzucht gegenüber derartigen juristischen Komplikationen besser zu wappnen.

Um der Überalterung und dem Nachwuchsmangel zu begegnen, verfolgt der Bückeburger Vorsitzende Manfred Dralle indes seit der ersten Schaumburger Landmesse „Ährensache“ im August 2011 eine weitere Strategie, und das sogar recht erfolgreich. Sein Credo: „Wir müssen uns mehr um die privaten Hobbyzüchter kümmern, die sind unsere Zukunft.“ Gemeint sind Züchter, die nicht gezielt eine bestimmte Rasse züchten, um damit auf Ausstellungen Preise zu erringen, sondern sich – wie in früheren Jahren völlig üblich – nur eine geringe Anzahl Tiere halten, um deren Fleisch und Eier zu nutzen. „Wir haben allein dadurch in diesem Jahr 20 Neumitglieder aufgenommen“, so Manfred Dralle. „Davon können andere Vereine nur träumen.“

Doch die offensive Öffnung des Vereins für Hobbyzüchter stößt bei einigen langjährigen Altzüchtern, auch in den eigenen Reihen, nach wie vor auf Skepsis. Sie fürchten bei den Neumitgliedern aus dem Hobbybereich fehlendes Engagement bei der Organisation von Veranstaltungen und zu wenig Interesse am Vereinsleben. „Das geht nicht von heute auf morgen“, räumt auch Manfred Dralle ein, ist sich aber sicher: „Aber wenn die einmal Gefallen daran gefunden haben, dann kommen die auch zu den Vereinsabenden.“

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare