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Detektivarbeit im Museum Rinteln

Geheimnisvolle Tasche: Dachbodenfund entpuppt sich als Rarität

RINTELN. Ein Mann aus Hessisch Oldendorf hat beim Aufräumen auf dem Dachboden eine Ledertasche gefunden. Die hatte dort nach ihrem Zustand zu urteilen mehrere Jahrzehnte, vielleicht ein Jahrhundert gelegen. Der Hessisch Oldendorfer schickte ein Foto dieser Tasche an das Universitäts- und Stadtmuseum in Rinteln.

veröffentlicht am 07.02.2018 um 15:51 Uhr
aktualisiert am 07.02.2018 um 17:40 Uhr

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Autor

Hans Weimann Reporter
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Was Museumsleiter Dr. Stefan Meyer sofort auffiel: Die 60 Zentimeter lange, 20 Zentimeter breite Ledertasche hat seitliche Ledergriffe, das ist für eine Tasche eher ungewöhnlich. Hinzu kommen Schlaufen und Ösen.

Der Rest war dann Detektivarbeit: Eine militärische Verwendung der Tasche schloss Meyer von vornherein aus, denn es fehlten die ansonsten üblichen Stempel und Regimentsnummern. Meyer tippte deshalb auf eine Diensttasche der Post oder der Bahn.

Er recherchierte im Internet und setzte sich mit dem Museum für Kommunikationswesen in Frankfurt in Verbindung. Ergebnis seiner Recherchen: Es handelt sich bei dem neuen Archivstück offensichtlich um eine Transporttasche für Postreiter, die hinter dem Sattel befestigt worden ist, ein sogenanntes „Felleisen“.

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Damit erklärte sich für Meyer auch die Funktion der Laschen: Hier wurde eine verschließbare Eisenstange eingeschoben, die das jeweilige Siegel der letzten angerittenen Poststation erhielt – eine Sicherung gegen Diebstahl der Briefe und Geldsendungen.

Rinteln lag übrigens bis 1820 an der Fernpostverbindung von Hamburg über Bremen, Kassel und Frankfurt. Durch Hessisch Oldendorf führte die Hauptstrecke von Minden nach Hildesheim und umgekehrt. Der Postreiterdienst war im 19. Jahrhundert bestens organisiert. Im Abstand von 15 bis 20 Kilometern gab es Pferdewechselstationen, die Briefe wurden in Listen eingetragen, das Porto von Station zu Station abgerechnet. Und Meyer stellte fest: Das „Felleisen“ aus Hessisch Oldendorf ist eine echte Rarität. Nach dem Ende der Postreiterdienste sind nämlich die meisten Taschen für andere Zwecke umgearbeitet worden. Ihr stabiles Leder konnte vielfach genutzt werden. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt hat noch kein Exemplar einer Originaltasche auftreiben können. Meyer ist da durchaus bereit, hier auszuhelfen. Es gebe darüber Gespräche, ließ er wissen.

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