weather-image
15°
SPD-Antrag und Denkmalschutz: Gassen der Altstadt werden wieder Thema

„Geht nicht der Charme verloren?“

RINTELN. Im nächsten Jahr könnten die Gassen in der Altstadt eines der Dinge sein, mit der sich Rat und Verwaltung häufiger beschäftigen werden. Im kommenden Jahr soll für 155 000 Euro die Herrengasse saniert werden; die Mittel dafür sind bereits in den Haushalt 2018 eingestellt.

veröffentlicht am 06.11.2017 um 18:27 Uhr

270_0900_68732_ri_gasse_09_0711.jpg
ri-marie-1410

Autor

Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

RINTELN. Die Hoffnung von Matthias Wehrung, Vorsitzender des Arbeitskreises Denkmalschutz und für die CDU im Rat: dass im Zuge der Arbeiten die Teerdecke durch Pflasterung ersetzt werde. Zumal die Kosten für eine Pflasterung im Vergleich zu Teer nicht bedeutend höher seien laut einer Aussage des Bauamts, so Wehrung auf der Sitzung des Arbeitskreises am Mittwochabend. Die Nachfrage bei Rintelns Baudezernentin Elena Kuhls ergibt jedoch ein anderes Bild: Die Gasse soll asphaltiert werden. Also: Hier wird wahrscheinlich noch viel diskutiert werden.

Anlass des Arbeitskreises, sich mit den Altstadtgassen zu beschäftigen, ist der jüngste Antrag der SPD im Bauausschuss. Die Gassen seien „schmal und teilweise recht holprig“, und gerade im Übergang zu den anderen Wegenetzen sei eine „gleichmäßige Begehung nicht möglich“, da unterschiedliche Materialien verwendet wurden. Eine „Berg- und Talbahn“ vor allem für jene, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen oder mit Kinderwagen unterwegs sind, so Astrid Teigeler-Tegtmeier von der SPD.

Schwerpunktmäßig gehe es um die Wallgasse, doch auch die anderen Gassen sollen begutachtet werden. Der Wunsch der Sozialdemokraten: Zuerst soll es eine Begehung mit Vertretern der Verwaltung sowie des Senioren- und des Behindertbeirates geben. Danach soll ein Konzept zur Gassensanierung ausgearbeitet werden. Und, so Teigeler-Tegtmeier: Nur bei Bedarf sollen die Oberflächen angepasst werden. Die Bäckerstraße zu asphaltieren, wie es in unserer jüngsten Berichterstattung angedeutet wurde, das wolle man auf keinen Fall.

Bei dieser Begehung wolle man auf jeden Fall dabei sein, waren sich die Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz am Mittwochabend einig.

Kommentarlos ging der SPD-Antrag nicht am Arbeitskreis vorbei: Er sehe es „kritisch“, dass Senioren- und Behindertenbeirat sich mit Parteien träfen und diese Partei die Belange einfach übernähme, so Mitglied Werner Zimmermann.

Die Befürchtungen des Arbeitskreises liegen auf der Hand: Dass die Beiräte Barrierefreiheit über Altstadt-Charakter stellen, Pragmatismus über Schönheit, eventuell sogar Asphalt über Pflaster.

Auch auf Facebook äußern sich Nutzer nur teilweise überzeugt vom SPD-Antrag: „Wenn da asphaltiert wird, dann werden da auch mehr Autos durchfahren. Dann ist Schluss mit dem Gassencharme. Mir tun die Anwohner jetzt schon leid“, schreibt ein User. Ein anderer: „Das ist zwar eine gute Idee, aber geht der Charme der Altstadt dadurch nicht verloren?“

Andere Nutzer sehen das naturgemäß anders: „Charme der Altstadt ist eine Sache, reine Optik für Touristen. Rücksicht auf unsere älteren Mitbürger eine andere, aber wichtigere Sache. Vielleicht genügen ja asphaltierte ‚Fahrstreifen‘, die aber im Sommer bitte nicht mit Tischen und Verkaufsständen zugestellt werden.“

„Ich bin vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen“, schreibt ein Nutzer, „und ich fände es echt sinnvoller, sich erst mal die ganzen Bürgersteige anzuschauen. Alleine von A nach B zu kommen ist echt die Hölle. Absenkungen, die viel zu hoch sind, Bürgersteige, die fast nur aus Flicken, Löchern oder Baumwurzel-Huckeln bestehen …“

Diese Belange sind dem Arbeitskreis Denkmalschutz nicht fremd: „Neue Oberflächen sollten den Belangen der Senioren dienen“, so Vorsitzender Wehrung. Aber: Der Charakter der Gassen solle erhalten bleiben.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare