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Ramadan endet traditionell mit „Zuckerfest“ / Türkisch-islamische Gemeinde Bückeburg lädt andere Religionen dazu ein

„Gemeinsam etwas für unsere Mitmenschen tun“

Bückeburg (mig). Mit der Feier des Zuckerfestes ist in der Türkisch-islamischen Gemeinde Bückeburg das Ende des Fastenmonats Ramadan begangen worden. Die Gläubigen aßen Süßigkeiten, besuchten ihre Familien und wünschten einander „Bayramin Mübarek olsun.“ Nach vierwöchigem Verzicht durfte endlich wieder richtig zugelangt werden.

veröffentlicht am 22.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:21 Uhr

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Sonntag, 7 Uhr morgens. Aus der Kuba-Moschee in der Trompeterstraße dringt leise der Ruf des Vorbeters. Im kleinen Raum davor unzählige Schuhpaare. Sie künden von einer regen Teilnahme und davon, dass heute ein ganz besonderes Fest gefeiert wird. „Wir feiern heute das Zuckerfest“, weiß der zwölfjährige Mohammed, der an einem Mars-Riegel kaut. „Heute kriegen wir ganz viele Geschenke.“

„Ramazan-Bayram“: Das ist für muslimische Kinder wie Ostern und Weihnachten zusammen. Sie bekommen kleine Präsente und vor allem: viele Süßigkeiten. „Zu Hause gibt es noch mehr“, bestätigt Mohammed. Seine Lieblingssüßigkeit? „Schokolade“.

Süßes gibt es an diesem Tag aber auch für die erwachsenen Gläubigen. Küsschen hier, Küsschen da, dazu Gebäck und viele Glückwünsche. „Die Süßigkeiten sind eine Belohnung Allahs für das lange Fasten im Ramadan“, erzählt Imam Mehmet Kilinç. „Wir sollen gemeinsam feiern, dass wir auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr verzichtet haben.“

Mitten im Sommer auf Essen und Trinken zu verzichten? Einfach ist das nicht, aber genau das fordert der vierwöchige Ramadan von den weltweit eineinhalb Milliarden Muslimen. Bis zum Sonnenuntergang gilt das Gebot. Danach darf das Fasten gebrochen werden. „Vor allem am ersten Tag fällt es einem schwer“, gibt der 26-jährige Ilyas Okyan zu. „Danach wird es immer besser.“ Ausnahmen gibt es auch, etwa für Schwangere oder alte Menschen. Sie können die Fasten-Tage zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Das Fasten erträglicher machen könnten auch die deutschen Arbeitgeber. „Wenn sie etwas mehr Rücksicht auf Menschen, die körperlich anstrengende Arbeit verrichten, nehmen würden, wäre das sehr gut“, betonen Ilyas Okyan und der Vorsitzende des Moscheevereins, Hüseyin Ay.

Warum man überhaupt fasten muss? Okyan denkt nach: „Weil man auf diese Weise den Menschen, die weniger zu essen und zu trinken haben, nachfühlen kann.“ Und: „Weil es ein Anlass zur Versöhnung ist.“

Imam Mehmet Kilinç hat vor allem das Miteinander der Menschen im Blick. Im Ramadan gehe es darum, vernünftig miteinander umzugehen und sich korrekt zu verhalten. Das stärke den Zusammenhalt und die Freundschaft zwischen allen Menschen. Darüber hinaus sei der Ramadan eine Zeit der Reinigung: Die Gläubigen lesen im Koran und spenden den Armen.

Einen besonderen Stellenwert habe der Fastenmonat auch deshalb, weil zu dieser Zeit der Koran zu den Menschen herabgesandt worden sei. „Das wollen wir mit allen Menschen zusammen feiern“, betont der Imam. „Das Fasten soll Allah zeigen, dass wir ihn lieben.“ Das Zuckerfest sieht der Imam als ein Fest der Familie. Man besucht einander und versöhnt sich. „Heute sind wir sehr fröhlich“, sagt der Geistliche. Und betont: „Wir denken an die, denen es weniger gut geht.“

Den Ramadan gemeinsam feiern: Was in vielen Großstädten längst an der Tagesordnung ist, will die Gemeinde auch in Bückeburg erreichen. Gläubige aller Konfessionen sollen in Zukunft zum Fastenbrechen eingeladen werden. „Wir wollen zeigen, was wir hier machen“, betonen Ilyas Okyan und Hüseyin Ay. „Wir wollen nicht von der Gesellschaft alleine gelassen werden.“

Mehr Engagement in dieser Richtung erhoffen sich die Gemeindeoberen auch von der evangelischen Stadtkirchengemeinde und dem Bürgermeister der Stadt Bückeburg. „Der Imam hat sich, als er vor einem Jahr zu uns kam, auch im Rathaus vorgestellt. Auf einen Gegenbesuch wartet er bis heute“. Für die Zukunft erhoffen sich Ay und Okyan Veranstaltungen, an denen alle Religionen teilnehmen. „Wir möchten gemeinsam etwas mit und für unsere Mitmenschen tun.“

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