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Interview mit Thomas Cross, dem neuen Fußball-Vorstand des VfL Bückeburg

„Gemeinschaftlicher Aspekt ist der Kleber des Vereins“

veröffentlicht am 10.11.2017 um 16:05 Uhr

Neuer Fußballchef beim VfL Bückeburg: Thomas „Tom“ Cross. foto: uk

BÜCKEBURG. Leistungsfußball ja, aber nicht um jeden Preis. So heißt die neue Maxime beim VfL Bückeburg in Zeiten schwindender Ressourcen. „Wir müssen ausgebildete Trainer haben – und der Verein muss den Jugendlichen eine Heimat bieten“, sagt der neue Fußball-Vorstand Thomas „Tom“ Cross, der nach der Entlassung von Trainer Heiko Thürnau und dem Nacht-und-Nebel-Wechsel von Lennard Heine zum Ortsrivalen VfR Evesen kein leichtes Amt von Uwe Völkening übernommen hat.

Wie ist es aktuell um den VfL bestellt?

Es geht um ganz einfache Grundprinzipien. In der Vergangenheit ist die Basis, sprich die Gemeinschaft, etwas verloren gegangen. Wir haben den Luxus, auch erfolgreich zu spielen. Aber was nutzt uns das, wenn wir den anderen Bereich nicht genügend unterstützen?

Wie sieht Ihr Plan aus?

Wir haben verschiedene Konzepte, eines davon sieht vor, einen FSJler einzustellen. Wenn man die richtige Person findet, die vielleicht schon eine C-Lizenz hat, jemand, der Fußball lebt, könnte man gute Impulse setzen. Wir versuchen, dies mit anderen Vereinen zu kombinieren, Gespräche laufen. Man kann so jemanden auch teilen, es geht nicht darum, Jugendliche abzuwerben. Es geht darum, bessere Qualität zu bekommen.

Also soll die Basis des Vereins gestärkt werden?

Es ist erwünscht und wichtig, dass die Basis unterstützt wird. Wir wollen versuchen, die Gemeinschaft zu stärken, gemeinsame mannschaftsübergreifende Veranstaltungen durchzuführen, damit nicht jeder auf sich selbst gestellt ist. Solche Impulse sind wichtig, sollen und müssen etwas bewirken. Die Gemeinschaft steht an erster Stelle. Nicht gewinnen um jeden Preis, sondern die Ausbildung ist vorrangig. Dafür haben wir immer schon gestanden, wollen das noch mal forcieren.

Erst die Entlassung von Trainer Heiko Thürnau, dann der Abgang von Eigengewächs Lennard Heine zum VfR Evesen: Wie wollen Sie die Situation beruhigen?

Wenn wir das Rahmenprogramm verbessern, werden die Spieler auch merken, dass Zusammenhalt eine ganz wichtige Sache ist. Es geht nicht ums Finanzielle, wir können uns nicht umkrempeln. Das ist eine Philosophie, die durch unsere Adern läuft. Es geht nicht darum, großkotzig zu sein. Aber dafür stehen wir.

Die erste Herrenmannschaft war immer das Aushängeschild des VfL. Soll das so bleiben?

Die erste Herrenmannschaft ist immer organisch gewachsen, aber in den letzten Jahren vielleicht nicht mehr ganz so organisch. Ich hoffe, dass, wenn wir das Rahmenprogramm verbessern, dieses auch Früchte trägt.

Ein wichtiges Thema ist die Nachfolge von Trainer Heiko Thürnau.

Ich bin in intensiven Gesprächen mit sehr guten Trainern. Aber es geht natürlich gegen unsere Philosophie, ein gehobenes Gehalt zu zahlen. Das können wir nicht vertreten, und wir wollen gehaltstechnisch keinen Riesensprung machen.

Mal abgesehen vom Geld: Werden Gespräche mit internen Kräften geführt? Oder gibt es auch die Idee, einen Trainer von außerhalb zu holen?

Sicher, aber es geht immer wieder um die Entlohnung. Wenn es weiter entfernt ist, sind sofort Kilometergeld und solche Sachen ein Thema.

War es angesichts der heutigen Erkenntnisse ein Fehler, sich vor anderthalb Jahren von Timo Nottebrock zu trennen?

Das hat sich genau so organisch entwickelt, dass er Trainer wurde, wie es sich dann auseinanderentwickelt hat, sprich, wie es auseinandergegangen ist. Es war kein Riesenbruch. Es ging dabei um Gegenseitigkeit.

Es sollte durch die Trennung ja ein Umbruch eingeleitet werden, aber das hat nicht funktioniert. Zumindest wurde der Fußball nicht besser und schon gar nicht erfolgreicher.

Ich glaube, der gemeinschaftliche Aspekt ist das, was ein bisschen gefehlt hat. Deshalb komme ich auch gern auf unser Konzept zurück. Es ist keine interessante Nachricht: Aber es ist einfach so, dass die Gemeinschaft geschwächt wurde. Timo hat die Gemeinschaft gut zusammengehalten. Wir sind an einem negativen Punkt angelangt, und das hat sich dann entladen. Traurig für Heiko, aber wir müssen uns da verbessern. Der gemeinschaftliche Aspekt ist der Kleber des Vereins. Wenn wir keine großen Gehälter zahlen können, muss es gemeinschaftlich gehen.

Wäre unter diesem Aspekt nicht das Eigengewächs Martin Prange die bessere Wahl als Nottebrock-Nachfolger gewesen?

Es ist wieder wenn und aber und hätte. Ich glaube, es lag schon länger im Argen. Da waren viele Abgänge bei der zweiten Mannschaft, wir mussten die Dritte abmelden. Das ist keine leichte Situation für mich zum Einstieg, aber ich arbeite daran. Der ehemalige Jugendleiter Falko Rohrbach arbeitet sehr motiviert mit. Steffen Potthast ist ein sehr kompetenter neuer Jugendleiter. Weitere Personen werden im Hintergrund herangeführt. Die Aussicht ist gut, und ohne das Team würde ich hier nicht sitzen.

Es drängt der erfolgreiche A-Junioren-Jahrgang von Thorsten Rinne nach. Ältere und verdiente Spieler wie Niko Werner spielen mit dem Gedanken, aufzuhören. Dann steht der nächste Umbruch an. Da muss der nächste Trainerschuss sitzen, oder?

Das ist richtig. Aber deswegen machen wir nichts Übereiltes, und es wird hoffentlich passen.

Ist denn Rinne ein Thema als neuer VfL-Trainer?

Wir werden eine Lösung haben, und da kann ich keinen ausschließen. Es wird über alles nachgedacht, und es wäre schlecht, jetzt einen Namen zu nennen oder bevorzugt zu behandeln. Die erste Herrenmannschaft trägt auch ein Stück weit Eigenverantwortung für die ganze Sache.

Es ist heutzutage Mode, dass die Spieler zur Besetzung eines Trainerpostens auch gefragt werden. Ist das beim VfL auch so?

Wir haben da schon Gespräche gehabt. Es ist Mode, und es ist, glaube ich, auch nicht verkehrt. Kommunikation ist der Schlüssel dabei. Für Spieler ist es entscheidend, dass es ein toller Trainer ist, und das kann man definieren, wie man will. Der ideale Trainer ist dann jemand, den man nicht bezahlen kann.

Der VfL ist ja dafür bekannt, vernünftige Dinge zu machen. Warum hat es mit der Personalie Thürnau nicht funktioniert?

Das ist eine schwierige Sache, Heiko Thürnau ist ein guter Trainer, ein guter Mensch. Manchmal ist es halt so, dass nicht der gute Soldat die Medaille bekommt. Man muss beliebt und gut sein, das ist ein schwieriger Spagat. Hätten wir an ihm festgehalten, wäre es vielleicht zu noch größeren Erosionen gekommen.

Nico Felix steht nur bis zum Winter zur Verfügung?

Es laufen Gespräche, weil wir ihn gerne etwas länger halten möchten, um mehr Luft zu bekommen. Wir wollen im Winter keinen Trainer abwerben.

Lennard Heine ist zum VfR Evesen gewechselt. Gibt es Befürchtungen, dass noch mehr VfL-Spieler diesen Weg gehen werden und dass der Nachbar dem VfL den Rang ablaufen wird?

Durch die Gemeinschaft werden wir dagegenhalten. Die kann man nicht ersetzen, aber davon hatten wir in der Vergangenheit nicht genug, und deshalb ist etwas ins Rutschen gekommen.

Aber reicht das, um die Spieler bei der Stange zu halten?

Nein, das reicht noch nicht, aber wir arbeiten daran – und ich bin auch erst kurz im Amt.

Interview: Uwe Kläfker

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