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Elisabeth Dursun prangert Versäumnisse der Stadt an

Geschäftsinhaberin beklagt: Brennpunkt Brennerstraße

RINTELN. Schön ist sie nun nicht unbedingt, zugegeben. Die Brennerstraße, die dieser Tage schon Thema bei der Podiumsdiskussion der Wirtschaftsjunioren wurde, wurde schon oft als „trostlos“ beschrieben. Sechs leer stehende Geschäfte mit ebenso leeren Schaufenstern. Dreck auf den Gehwegen, der niemanden zu interessieren scheint. Müll, der sich in einigen Ecken sammelt. Grund genug, für Elisabeth Dursun von „Ellis Stadtfriseur“, Dampf abzulassen. Die SZ/LZ hat die resolute Griechin zum Gespräch gebeten.

veröffentlicht am 02.03.2018 um 14:19 Uhr
aktualisiert am 02.03.2018 um 15:50 Uhr

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Autor:

Maurice Mühlenmeier
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Sie hat sich vor zwei Jahren selbstständig gemacht, nachdem sie sich vorher in einer größeren Kette die ersten Sporen verdiente. Ihre Wahl, in der Weserstadt ihren Salon zu eröffnen, machte sie sich nicht leicht. Sie musste sich eine Menge selbst beibringen, bevor sie nach einer ausgiebigen Standortanalyse ihren Laden in der Brennerstraße eröffnete. Doch niemand fühle sich hier verantwortlich. Sei es, die zum Teil grün bemoosten Stellen auf dem Gehweg zu säubern, den Müll aufzusammeln oder zumindest die toten Fliegen aus den Schaukästen zu sammeln. „Es kommt keiner auf die Idee, hier mal einen Hochdruckreiniger in die Hand zu nehmen!“, so die resolute Griechin. Auch die Parksituation bemängelte sie. Kunden hätten manchmal kaum die Möglichkeit, ortsnah zu parken, um spontan in den Laden zu schauen.

„Als Existenzgründer kommt einem die Stadt nicht weit entgegen“, das sei ihr Eindruck. Sie wünsche sich seitens der Stadt, dem Stadtmarketingverein oder auch unter den Einzelhändlern der Innenstadt selbst mehr Engagement und Zusammenhalt, um die Brennerstraße wieder zu einer attraktiven Einkaufsstraße werden zu lassen, die nicht aussieht wie ein vernachlässigter Nebenarm der Fußgängerzone.

Auch sonst seien ihr Steine in den Weg gelegt worden: Die großen aufgeklebten Label in ihrem Schaufenster seien einige Zentimeter zu breit gewesen, sie mussten entfernt und in der richtigen Größe neu angebracht werden. Schuld sei die Gestaltungssatzung der Stadt, auch Denkmalschutz spielte eine Rolle. Um einen Parkausweis zum kostenlosen Parken in der Brennerstraße musste sie auch kämpfen, so Dursun. Nach eigener Aussage, weil der rückwärtige, zum Laden gehörende Parkplatz durch eine hohe Bordsteinkante nicht befahrbar sei und es lange dauerte, bis die entsprechenden Steine beim Ordnungsamt ins Rollen kamen. Ebenso fordert sie die Aufstellung weiterer Mülleimer, um des Chaos Herr zu werden und zumindest einigen Umweltsündern die Möglichkeit zu bieten, ihren Müll angemessen zu entsorgen. „Die kommen nach der Schule hier durch die Straße und lassen ihren Müll vom Pausenbrot oder vom Dönerladen einfach rumliegen.“

ElisabethDursun
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Außerdem versteht sie nicht, warum in der Brennerstraße nicht dasselbe funktioniert, wie in der Weserstraße. Dort stellen andere Geschäfte ihre Angebote in leeren Schaufenstern aus, so zum Beispiel am alten Standort des Exner-Kiosk. Diese Möglichkeit solle man vor allem neuen Geschäften anbieten, denn es gehe ja auch um die Nachwuchsförderung: „Irgendwann werden die etablierten Geschäftsinhaber auch mal in den Ruhestand gehen“.

„Eigeninitiative“, so lautet die Antwort der Stadtmanagerin Simone Niebuhr vom Verein Pro-Rinteln, dort ist Dursun bislang nicht Mitglied. Bei anderen funktioniere das auch gut, so Niebuhr und berichtet von den gelungenen Aktionen von Claudia Döpke, der Inhaberin von Schuh-Peters, die in Eigenregie mit anderen Geschäften und Läden Aktionen auf die Beine stellt. Dabei würde der Stadtmarketingverein auch, wo es eben geht, unterstützen. Dursun selbst macht einen Großteil ihrer Werbung über die sozialen Netzwerke: „Das funktioniert immer noch am besten!“, ist sie sich sicher.

„Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, sich bei uns zu engagieren ohne Mitglied zu sein“ stellt Niebuhr in diesem Zusammenhang fest. „Um zu sehen, wie wir arbeiten, was wir für den Einzelhandel tun.“

Man könne dann zwar nicht auf die vollständige, kostenfreie Einbindung in die Veranstaltungen des Vereins spekulieren, wohl aber Vorschläge und Ideen einbringen. „Wir sind ja auch drauf angewiesen, dass die Leute ihre Wünsche und Ideen an uns herantragen, damit wir sie umsetzen können“, fügt Niebuhr hinzu.

Die Gründe für Dursuns Skepsis gegenüber dem Verein sind schnell genannt: In ihren Augen sei die Mitgliedschaft für frische Existenzgründer zu teuer, der Nutzen zu gering. Einschätzungen, die andere Einzelhändler in Rinteln durchaus teilen, so auch die an der Ecke zum Marktplatz ansässige Christina Schmidt, die im Oktober letzten Jahres das Kaffeehaus Niemeyer übernahm und ebenfalls keine Mitgliedschaft in Erwägung zog. „Aber wir sind auch ein etabliertes Unternehmen mit zahlreichen Stammkunden“, so Schmidt.

Manche teilen Dursuns Einschätzung nicht: Existenzgründer, die nicht zitiert werden möchten, können nicht bestätigen, dass die Stadt besonders gründerfeindlich wäre. Man selbst habe ausschließlich gute Erfahrungen mit Ämtern und Behörden gemacht, die auch einige Fehler der turbulenten ersten Jahre im eigenen Laden nachsahen.

Und auch was den Zustand der Straße angeht, läge das nicht in der Hand der Stadt, so die einhellige Meinung. In kurzer Rücksprache mit einem der Hausbesitzer der Brennerstraße stellte sich heraus, dass die Verantwortung für die Sauberhaltung der Straße bei den Eigentümern der Häuser liegt, die Stadt sei nur für öffentliche Plätze wie beispielsweise Marktplatz, Kirchplatz und Teile der Fußgängerzone verantwortlich. Zusätzliche Mülleimer müsste der Bauhof bereitstellen, dazu genüge meist ein einfacher Anruf um Dinge ins Rollen zu bringen, versicherte man bei Pro-Rinteln. Genauso verhalte es sich bei den Schaufenstern.

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