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Spielplätze in der Innenstadt?

Gesucht: Ein Spielplatz für den kleinen Ben Levi

OBERNKIRCHEN. Immer wenn der Enkel zu Besuch kommt, dann will er nach draußen, er will spielen. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn man in der Innenstadt wohnt. Wo ist denn der nächste Spielplatz? Und wie kommt man hin, so ganz ohne Auto?

veröffentlicht am 19.09.2017 um 10:47 Uhr

Wenn Ben Levi aus Ostwestfalen nach Obernkirchen kommt und seine Großeltern besucht, dann möchte er spielen. Und zwar draußen. Doch der einzige öffentliche Spielplatz in der Innenstadt liegt am Bornemann-Platz – und ist verwildert.
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Das Ehepaar wohnt in der Innenstadt und möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, also sollen sie hier Bernd und Petra Müller heißen. Das Ehepaar Müller hat eine Tochter, und die ist Mutter geworden, Ben Levi heißt der Enkel, im nächsten Frühjahr wird er zwei Jahre alt. Und wenn die Tochter aus Ostwestfalen, wo sie lebt, ihre Eltern besucht, dann bringt sie Ben Levi mit. Und die Großeltern möchten mit ihm auf einen Spielplatz gehen. „Man muss ja mit ihm raus, in der Wohnung bringt er alles in Unordnung“, sagt Bernd Müller lachend, und man spürt natürlich sofort den stolzen Großvater. Sie haben sich also genau in der Stadt umgesehen, und das Problem aus Sicht von Bernd und Petra Müller ist dies: Es gibt in der Innenstadt keinen Spielplatz, der zu Fuß mit dem Lütten gut zu erreichen ist.

Sicher, das ist der Spielplatz beim Bornemann-Platz, da gibt es sogar eine Reisenschaukel, aber der gefällt ihnen nicht: zu viel Müll, zu viel Beton, keine Natur, zu düster, alles rundherum vergammelt, sagt Müller. Es ist kein Platz, an dem sie sich mit ihrem Enkel gerne aufhalten würden.

Könnte man nicht im La-Flèche-Park einen Spielplatz anlegen, fragt Petra Müller: „Da war doch früher auch einer, oder nicht?“ Es muss ja nicht viel sein, vielleicht eine kleine Rutsche und eine Sandkiste, das könnte ja schon reichen. Wo das Problem liegt, ist ihr natürlich auch bekannt: Es wäre über kurz oder lang ein neues Hundeklo.

Und der Spielplatz Stoevesandtstraße? Mitten am Wald, Natur, soweit das Auge schaut, und Spielgeräte, groß und bunt und für alle Altersklassen? Ja, sagt Petra Müller, das alles stimmt, nur: Der Spielplatz ist weit, man müsste den Kinderwagen schieben, nach oben, den Berg rauf, ganz so einfach ist das im Alter ja auch nicht.

Was dem Ehepaar Müller beim Rundgang durch die Stadt aufgefallen ist: Gespielt wird sehr viel im eigenen Garten, dort werden oft viele und teure Spielgeräte aufgebaut, vielleicht liegt es daran, dass es heute keinen Spielplatz in der Innenstadt gibt: weil Spielplätze quasi privatisiert wurden. Aber, so sagt das Ehepaar, „wir haben ja keinen Garten, wir wohnen ja in der Innenstadt, aber wir sind ja auch Steuerzahler.“

Als Bürgermeister könnte man es sich recht leicht machen und auf den Stadtrat verweisen, der die Beschlüsse fasst, doch Oliver Schäfer ist durchaus bereit, Stellung zu beziehen. Generell habe sich die Gesetzgebung in den letzten Jahren geändert: Eine Stadt wie Obernkirchen sei nicht mehr verpflichtet, Spielplätze vorzuhalten. Es gibt keinen Anspruch, soll das heißen.

Aber er stimmt dem Ehepaar Müller durchaus zu, der Spielplatz am Bornemann-Platz ist in keinem guten Zustand, „das kann man gar nicht anders sagen“, aber kurzfristig werde sich das auch nicht ändern. Zwei bis drei Jahre, stellt Schäfer in den Raum, man muss erst einmal sehen, wie sich die neuen Bebauungspläne für die Innenstadt auswirken, dazu kommt die geplante Neunutzung des leeren Aldi-Gebäudes. In einem weiteren Punkt gibt Schäfer dem Ehepaar recht: Rutsche und Sand, das allein reicht nicht.

Wie das Ehepaar auch, sieht Schäfer gesellschaftliche Gründe als Ursache, dass heute nicht mehr so viel Leben auf den Spielplätzen wie früher. Die Kinder kämen oft mit einem Jahr in einen Hort, dann folge die Schule mit Ganztagsbetrieb, „die Spielplatz-Nutzung ist überall richtig zurückgegangen“, sagt er.

Sehr gut anfreunden kann sich Schäfer mit dem Modell im Kindergarten am Kammweg. Dort darf der Spielplatz von Kindern genutzt werden, wenn die Kindertagesstätte geschlossen ist. Das Modell könnte er sich auch für den Kindergarten am Kleistring vorstellen, ausreichend Spielgeräte gibt es auch hier, aber in beiden Fällen, sagt er mit Blick auf das Ehepaar Müller und ihren Enkel Ben Levi, „muss der Kinderwagen ein Stück weit bergan geschoben werden.“

Bleibt also noch ein Kinderspielplatz, er liegt sogar in fußläufiger Nähe, und eben ist der Weg hin und zurück auch: Es ist der Spielplatz der Kirchengemeinde. Aber da könne er als Bürgermeister wenig zu sagen, schließlich sei die Kirchengemeinde freier Träger, soll heißen: Seine Zuständigkeit hat Grenzen.

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