weather-image
24°
Die öffentliche Pflege verwundeter Krieger durch gebildete Frauen war damals unbekannt

Grabmäler und Schmucksteine der Festung

Sally Koch pflegte die Lützowschen Jäger. Das Grabdenkmal der Sally Koch findet man leicht, wenn man den Deisterfriedhof durch den Haupteingang an der Sandstraße betritt und an der Mauer an der Deisterstraße entlanggeht, ganz bis zu deren Ende. Dann wendet man sich nach links, das Denkmal findet sich gleich hinter einer Eibe. Auf einem quadratischen Sockel steht eine reich geschmückte Säule. Diese trägt an beiden Seiten einen Äskulapstab. Eine schöne Urne bekrönt das Denkmal. Die Inschrift an der Säule lautet: „Sara Susanne Coch, genannt Sally, geboren in Bremen 28. Februar 1778, gestorben in Hameln am 20. Dezember 1813“.

veröffentlicht am 04.09.2009 um 23:00 Uhr

Säule mit Trophäen, Münsterbrücke.

Autor:

Gerhard Brandt

Preußisches Lazarett in Hameln

Am Sockel steht „Du starbst den Tod fürs Vaterland, ergriffen vom Lazarettfieber bei der Pflege verwundeter Lützowscher Jäger aus dem Gefechte bei der Göhrde.“ Der damalige Besitzer des Redenhofes am Ostertorwall in Hameln, Oberstleutnant C. F. von Reden, stiftete das Denkmal zur Erinnerung an die Freundin seines Hauses. Er ist mit seiner Frau und seinen Kindern Fritz, Arthemise, Clotilde, Auguste, Klaus und Wilhelm von Reden am Denkmal als Stifter genannt. Die öffentliche Pflege verwundeter Krieger durch gebildete Frauen war damals unbekannt. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig entstand in Hameln ein preußisches Lazarett. Hier pflegte Sally auch die Lützowschen Jäger. Bei der damals noch unzureichenden aseptischen Behandlung infizierte sie sich am Lazarettfieber. Sie erlag dieser Infektion am 20. Dezember 1813.

Die gärtnerische Anlage an der Südseite der Münsterkirche ist von einer hohen Bruchsteinmauer gegen den Mühlenwall abgegrenzt. Diese soll für die Ruhesuchenden den Verkehrslärm abhalten. Leider scheint die aufwändige Anlage nur wenige Besucher anzuziehen. An der Innenseite der Mauer sind vier Grabsteine angebracht, die nach Auskunft von Dr. Gerhard Pieper auf dem Deisterfriedhof gelegen haben. Wegen ihrer Schönheit hat man sie bewahren und zeigen wollen. Neben einer Tür zum Münsterwall sind drei Steine nebeneinander zu sehen. Bei Betrachtung des linken lesen wir die Inschrift „Denkmal zaertlicher Geschwister-Liebe gewidmet Juliaen Eberhardinen Friederiken von Behr. Sie starb am 8. Februar 1793“. Ihr Wappen ist darüber eingemeißelt. Der Schild ist oval, wie seinerzeit für Frauen üblich. Als sogenanntes redendes Wappen, bezieht sich auf Namen oder Beruf, ist ein Bär zu sehen, darüber ein gekrönter Bügel- oder Spangenhelm, wie er Adligen vorbehalten war. Die so genannte Helmzier darüber zeigt, wie in der Wappenkunde üblich, nochmal den Bär. Die Verzierungen neben dem Schild gehen auf das Helmtuch zurück, das als solches nicht mehr zu erkennen ist. Darunter ziert ein dicht gefügter Blattkranz. Unten seitlich je vier guttetropfenähnliche Gebilde an dorischen Tempeln, klassizistisch.

Trophäen schmückten Festungstore

Trophäen sind ursprünglich Siegeszeichen, Zusammenstellungen von erbeuteten Waffen, Fahnen, Harnischen und dergleichen, wie sie die Römer auf Schlachtfeldern und Triumphbögen aufbauten. In der Barockzeit, in der die Hamelner Festung ihren endgültigen Ausbau erfuhr, schmückte man damit Festungstore, so das Ostertor und das Außentor des Ravelins am Brückenkopf. Eine gut gehaltene Trophäe kann man aus nächster Nähe im Lapidarium betrachten, der Sammlung von Steindenkmälern (Lapis = Stein) in dem kleinen ummauerten Höfchen hinter dem Museum. An der dem Posthof zugewandten Mauer sieht man eine Dekoration von Kanonenkugeln, Mörserrohren, Trommeln, Säbeln und Lanzen sowie einem Morgenstern, einer stachelbesetzten Keule. Davor steht ein ovales Schild mit den gekrönten Initialen GR (= Georg Rex, der III.). Welches Tor diese Trophäe schmückte, ist nicht sicher, zumal eine weitere Trophäe mutwilliger Zerstörung anheimfiel. Ein Ravelin war eine kleine Verteidigungsinsel, dreieckig, nach hinten offen. Ihre beiden gleichen Schenkel zeigten nach vorn. Die beiden Ravelins im Bereich des heutigen Brückenkopfes zeigten mit ihrer Spitze ins heutige Klütviertel, von einem schmalen Wassergraben umgeben. Den Torturm dieses Ravelins an dessen nördlicher Spitze schmückte eine Trophäe, die jetzt auf der hohen Bruchsteinsäule auf der Schleusenmauer angebracht ist. Auch sie stand zuvor im Lapidarium des Museums und lässt eine römische Kriegerrüstung erkennen mit dem helmbuschgeschmücktenHelm und dem faltigen Röckchen darunter. Seitlich zwei Fahnen, unter der linken eine Faschine. Auf Sandsteinquadern weisen die Jahreszahlen 1806 auf die Kapitulation und 1954 auf die Anbringung der Trophäe auf dieser Säule hin.

Grabstein der Friederiken von Behr. In der Anlage Münster-Südsei
  • Grabstein der Friederiken von Behr. In der Anlage Münster-Südseite.
Grabmal der Sally Koch auf dem Deisterfriedhof.
  • Grabmal der Sally Koch auf dem Deisterfriedhof.
Schmuckstein eines Hamelner Festungstores. Lapidarium Museumshof
  • Schmuckstein eines Hamelner Festungstores. Lapidarium Museumshof. Fotos: Horst Wöhler

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare