weather-image
15°
NNG erweitert Abbaupläne für Messingsberg / "Bis vier Millionen Tonnen Gestein"

Gutachter lässt keinen Zweifel: "Mit neuem Felsrutsch ist zu rechnen"

Steinbergen (wer). Die Norddeutsche Naturstein GmbH (NNG) will den Kamm des Messingsbergs dauerhaft sanieren - indem sie ihn beseitigt. Nicht nur in der Rutschzone, wie bereits 2005 vorgeschlagen, sondern jetzt auch im Westen: Die komplette Steilwand soll abgetragen werden. Nur der flacher werdende Westzipfel des Berges, in dem der "Jahrtausendblick" steht, gilt als sicher und soll unangetastet bleiben.

veröffentlicht am 22.03.2007 um 00:00 Uhr

0000443751-gross.jpg

Was der von der NNG beauftragte Gutachter Prof. Dr. Edmund Krauter gestern vor Politikern, Behördenvertretern und Journalisten präsentierte, war keine echte Überraschung. Der westliche Teil des Berges gilt bereits seit über zehn Jahren als Problemzone. Dort, wo sich der Bergrutsch am 11. Dezember 2004 ereignete, erwartete ihn niemand - viel eher galt der westliche Teil als rutschgefährdet. Hier kamen die Steine Mitte der 90er Jahre buchstäblich ins Rollen. 1997 wurde im Westen die erste Notsprengung durchgeführt. Aber auch die folgenden Vorsprengungen haben den Berg nicht stoppen können: Um 2,5 Millimeter pro Monat bewege sich das Gestein hier abwärts. Krauter unmissverständlich: "Mit einem Felsrutsch ist zu rechnen." Auch eine Wiederholung der Größenordnung von 2004 sei möglich, wenn auch nicht mit gleicher Dynamik. Das vorgesprengte Gestein übe beim Abrutschen eine Bremswirkung aus. Damals rutschten die Felsmassen mit 35 Kilometern pro Stunde talwärts. Der Kalkstein-Kamm des Messingsbergs ruht auf einer tiefer liegenden Gleitschicht, die um 16 Grad abschüssig ist. Überall dort, wo dieser Neigungswinkel erreicht wird, erklärt Krauter den Kamm für verloren. Alternative Sicherungsmaßnahmen, etwa Betonstützen, seien unrealistisch, die Vorsprengungen sogar kontraproduktiv gewesen, weil sie das Gestein weiter aufgelockert hätten. Nur der Abtrag komme als Sicherungsmaßnahme in Frage - oder, das ließ Krauter nicht unerwähnt: "Eine großflächige Absperrung wäre möglich." Ein Abtrag nur desöstlichen Rutschbereichs würde den übrigen Berg destabilisieren, erklärte Krauter auf Nachfrage. Deshalb empfiehlt er den kompletten Abbau. In der Rutschzone löst sich das Problem derweil selbst: Hier weiten sich die Spalten rasant, die auf dem Kamm verbliebenen Gesteinsblöcke gleiten um mehrere Zentimeter pro Monat dem Steinbruch entgegen. "Die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes von 10 000 Kubikmetern wird größer." Dennoch gilt der Abbau in den darunter liegenden Bereichen als betriebssicher. Das Gewerbeaufsichtsamt hat am 1. März zwei weitere Abschnitte, von denen einer bis an das Geröllfeld heranreicht, zum Abbau freigegeben. Bei der Frage, wie lange der Berg noch stehen bliebe, würde man ihn nicht antasten, wollte sich Krauter nicht festlegen. Nur eine Jahreszahl nannte er: "Für die nächsten 50 Jahre schließe ich einen Felsrutsch am Steinzeichen aus." Von hier bis zur Tiefenhöhle gilt der Berg als sicher. Auf 50 Jahre wird auch die "Sanierung" projektiert, das heißt, der Abtrag des Kamms und die Wiederaufforstung auf niedrigerem Niveau. Um bis zu 15 Meter werde der Berg abgeflacht, taxierte Landschaftsplaner Georg von Luckwald für die NNG. Dem Unternehmen würde der Kammabtrag eine Verlängerung der Betriebslaufzeit in Steinbergen um mehrere Jahre einbringen, erklärte NNG-Geschäftsführer Siegfried Klingebiel. "Drei bis vier Millionen Tonnen Gestein" könnten zusätzlich verwertet werden. Im September 2005, als nur die Rutschzone zur Debatte stand,hatte Klingebiel die Menge noch auf eine Million Tonnen beziffert. Die "Sanierung" ist für die NNG inzwischen zum nennenswerten Abbauprojekt gereift. Ende des Jahres wollen sich die Steinbruch-Betreiber mit einem Antrag beim Gewerbeaufsichtsamt Hannover grünes Licht verschaffen. Der Landkreis wird am Genehmigungsverfahren beteiligt. Bis jetzt stießen die Pläne der NNG in der Politik mehrheitlich auf Ablehnung. NNG-Betriebsleiter Thomas Wolff zeigte sich indes zuversichtlich, im Herbst 2008 mit dem Abtrag beginnen zu können.

Die NNG will fast den ganzen Kamm abtragen (markierte Fläche).
  • Die NNG will fast den ganzen Kamm abtragen (markierte Fläche).

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare