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Auf dem Weg zum Mindener Publikums-Liebling

GWD-Abwehr-Boss Miljan Pušica: „Lasse mein Herz auf dem Platz“

MINDEN. Miljan Pušica trägt seit dem Sommer das Trikot des TSV GWD Minden, ist Teil des personellen Umbruchs beim Handball-Erstligisten. Der Neuzugang ist schon auf dem Weg zum Publikums-Liebling. Das liegt an seiner Art Handball zu spielen, immer alles zu geben. Am Donnerstag gibt es die nächste Gelegenheit dazu.

veröffentlicht am 06.12.2017 um 13:08 Uhr

Unter Strom: GWD Mindens Abwehrchef Miljan Pušica ist immer motiviert. Foto: KLÄFKER

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STEFAN RÜTER

MINDEN. Miljan Pušica trägt seit dem Sommer das Trikot des TSV GWD Minden, ist Teil des personellen Umbruchs beim Handball-Erstligisten. Der Neuzugang ist aber bereits nach wenigen Monaten auf dem Weg zum Publikums-Liebling. Das liegt an seiner Art Handball zu spielen, immer alles zu geben. Am Donnerstag gibt es im Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf (19 Uhr) die nächste Gelegenheit dazu.

„Mich haben immer alle in die Abwehr gesteckt. Das sollte wohl so sein“, sagt Miljan Pušica, wenn er auf seine bisherige Handball-Karriere zurückblickt. Vielleicht war genau das sein größtes Glück. Der Serbe ist nämlich ein absoluter Spätstarter. Erst mit 17 Jahren fing er mit Handball an. Eigentlich viel zu spät, um noch Profi zu werden. Doch der 2,02-Meter-Schlaks fuhr direkt auf die Überholspur und raste innerhalb weniger Jahre bis in die Nationalmannschaft – vor allem dank seiner Abwehrstärke.

„Ich habe mit 16 Jahren für unsere Schulmannschaft gespielt und das lief ganz gut. Danach hat mich ein Verein angesprochen“, erzählt der heute 26-Jährige. Außerdem hatte Pušica gerade einen richtigen Schuss gemacht, war in einem Jahr 20 Zentimeter gewachsen. Trotzdem fehlten ihm natürlich die handballerischen Basics: „Vieles habe ich einfach übersprungen. Und ich finde: Wenn man Abwehr spielen will, kann man das auch.“ Kämpfen, Vollgas geben, den Gegner stoppen: Diese Dinge beherrscht Pušica fast in Perfektion. Auch in Minden hat er längst bewiesen, dass er hinten ein absolutes Bollwerk ist und sich über jeden Zweikampf freut. Wenn es richtig zur Sache geht, ist es dem Serben gerade recht.

Doch seine Rolle als Abwehrboss reicht ihm nicht. „Ich will ein kompletter Spieler werden. Deshalb bin ich nach Minden gekommen“, erklärt Pušica, der auch Angebote von größeren Vereinen hatte, um dort als Abwehrboss zu spielen. „Aber ich will Tore werfen und im Angriff spielen“, sagt der Serbe selbstbewusst. Gegen den HC Erlangen gelangen ihm dann die ersten Tore in Grün-Weiß, seit dem Befreiungsschlag gehört Pusica fast immer zu den Torschützen – auch, wenn er manchmal noch etwas zu stürmisch unterwegs ist, vor dem gegnerischen Kasten übermotiviert wirkt.

Kein Wunder: Er kennt nur Vollgas. Nach seinen ersten Stationen in Serbien wechselte Pušica zum polnischen Top-Verein Wisla Plock. Nach ein paar Monaten verletzte er sich am Knie und fiel fast eineinhalb Jahre aus. „Das war ein harter Kampf, um zurückzukommen“, sagt der Rückraumspieler. Aber er nutzte die Zeit, um diese rasante Entwicklung auch mental zu verarbeiten – quasi runter von der Überholspur direkt auf den Rastplatz.

Doch das Feuer brennt in dem 26-Jährigen – typisch serbisch eben. In dem kleinen aber sehr stolzen Land ist der Sport die perfekte Möglichkeit, um in die große Welt auszubrechen und die Menschen in der Heimat glücklich zu machen. „Ich lasse mein Herz immer auf dem Platz. Das ist für mich ganz normal.“ Ein Versprechen, dass der neue GWD-Spieler tatsächlich immer einlöst. Er gibt alles, will jedes Spiel gewinnen. In der polnischen Liga ging das oft mit halber Kraft. „90 Prozent der Spiele hat man sowieso gewonnen. In der Bundesliga muss man in jedem Spiel kämpfen und darauf habe ich richtig Bock“, sagt der Serbe.

Bei seiner Ankunft an der Weser hat sich Miljan Pušica erst einmal bei seinem alten Bekannten Aleksandar Svitlica, Rechtsaußen bei den Mindenern, eingemietet. Die Jungs kommen beide aus der serbischen Stadt Prijepolje. „Aleks´ Patenonkel war mein erster Trainer“, erzählt Pušica. Zwei Monate hat er jetzt bei Svitlica gewohnt – das hat die Eingewöhnung in Minden natürlich enorm erleichtert. Gerne gehen die beiden einen Kaffee trinken. Denn das gehört zur serbischen Mentalität. „Auch wenn man kein Geld hat, für einen Kaffee reicht es immer“, erzählt der Mindener Abwehrchef.

An die deutsche Mentalität hat er sich schon gut gewöhnt. Der Serbe mag es, dass alles organisiert ist und man dank der Versicherungen auch im Falle einer Verletzung abgesichert ist. „Ich habe gedacht, dass es in Deutschland viel schwieriger wird. Aber mir gefällt es super hier, auch wenn die Mentalität der Menschen anders ist.“

Aktuell saugt er alle Informationen, jedes Training auf wie ein Schwamm das Wasser. „Miljan hat in den ersten Spielen an allen Ketten gezerrt. Jetzt weiß er, welche Tasten er drücken muss. Er ist in der Liga angekommen“, lobt GWD-Trainer Frank Carstens.

Der Serbe lernt deutsch und will im Handball seine Limits erreichen. „Ich kann noch besser werden. Das will ich in Minden beweisen. Unser Trainer gibt mir viel Selbstvertrauen.“ Pušica will im Land der Autobahnen wieder auf die Überholspur abbiegen und über Minden in die Spitze des Handballs vorstoßen. „Ich will in ein paar Jahren bei einem großen Verein in der Champions-League spielen. Dafür werde ich alles geben.“ mit uk

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