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Kreisverwaltung plant Einsatz mobiler Alarmierung / Hörgeschädigte alarmieren Leitstelle bislang mit einem Telefax

Handy-App soll Notrufe von Gehörlosen erleichtern

Landkreis. Im Landkreis Schaumburg soll es bald eine Notruf-App für Gehörlose und Hörgeschädigte geben. Damit können Menschen mit Hörbehinderung in Zukunft Notfälle über ihr Smartphone oder den Tablet-PC melden. Entsprechende Pläne liegen im Kreishaus vor, bestätigte Landrat Jörg Farr. Betroffen sind in Schaumburg rund 2600 Hörgeschädigte. Mit der Notruf-App werde sich der Landkreis an einer bundesweiten Initiative beteiligen.

veröffentlicht am 04.09.2013 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Hintergrund: Bisher sind in Deutschland zwei verschiedene Notrufnummern verfügbar. Die 110 steht für den Polizeinotruf. Die 112 ist europaweit gültig und steht flächendeckend als Notrufnummer für Feuerwehr und Rettungsdienst zur Verfügung. Doch für hör- wie auch sprechbehinderte Menschen sind die Notrufnummer nur bedingt nutzbar, denn sie basieren zum überwiegenden Teil auf Sprache.

Seit über zehn Jahren gibt es deshalb auch die Möglichkeit, ein Notruf-Telefax abzusetzen. Das Problem dabei: Es besteht nur eine eingeschränkte Kommunikation. Disponenten in der Rettungsleitstelle etwa können bei einem Fax keine gezielten Nachfragen zu Unfallort, Verletzungen oder beteiligten Personen stellen.

Im vergangenen Juni hatte die SPD-Kreistagsfraktion einen Antrag gestellt, zusätzlich zur Faxnotruf-System eine Alarmierung per SMS einzuführen. Doch im Hinblick auf die SMS hat der Deutsche Schwerhörigenbund Einwände, er hält die SMS für ungeeignet, weil ebenfalls wichtige Informationen wie der Standort des Absenders für die Leitstelle nicht erkennbar seien. Die favorisierte Lösung sei daher eine App, die auf jedes Smartphone geladen werden könnte. Zudem hätten moderne Mobiltelefone eine GPS-Funktion, mit der der Standort nahezu exakt ermittelt werden könnte.

Nun gelten für das Notruf-System in Deutschland besondere gesetzliche Bestimmungen. Seit 2009 wird an einer App gebastelt, die auch ganz offiziell autorisiert werden kann und in allen Leitstellen funktioniert. Beteiligt an den Planungen und Entwicklungen sind unter anderem das Bundesinnenministerium, das Bundeskriminalamt und die Gehörlosen-Verbände.

Die Verbände sind im Juli zu einer Stellungnahme aufgefordert worden, mit dem Ziel die Notruf-App so schnell wie möglich einzuführen.

Zu welchem genauen Zeitpunkt die App zum Download verfügbar ist, steht derzeit noch nicht fest. Kosten für die App sowie für deren Verwendung sollen laut Deutschem Gehörlosen-Bund nicht anfallen.

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