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Nach Zeitungs-Anruf: Altenheim-Bewohnerin wird verlegt / Gab es zwei Wasserschäden im Zimmer BB 06?

Heimaufsicht trifft Anordnungen

BAD PYRMONT. Die Seniorin, die nach Insider-Informationen angeblich längere Zeit in einem übel riechenden und nach einem Wasserschaden feuchten Raum untergebracht war, ist nach dem Anruf unserer Zeitung am Freitag umgehend vom Untergeschoss in ein Zimmer im Dachgeschoss verlegt worden.

veröffentlicht am 13.11.2017 um 20:26 Uhr

Das Agaplesion Bethanien in Bad Pyrmont: Wie lange musste eine Seniorin in einem feuchten Zimmer ausharren? Auf diese Frage gibt es zwei Antworten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Foto: JL.
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Zwei Mitarbeiter der Heimaufsicht des Landkreises haben sich am Samstag in dem Evangelischen Altenheim Bethanien in Bad Pyrmont umgesehen. Mündlich seien bei diesem Besuch mehrere Anordnungen getroffen worden, teilte Kreissprecherin Sandra Lummitsch auf Anfrage mit. „Bei Wasserschäden in Bewohnerzimmern sind die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner umgehend in andere Zimmer zu verlegen, da gesundheitliche Schädigungen drohen. Die Einrichtung hat die Anzeigepflicht (…) zu beachten, da sie ansonsten ordnungswidrig handelt.“ Zur Erklärung teilte die Behörde mit: „Wird dem Betreiber eines Heims bekannt, dass das Recht der Bewohnerinnen und Bewohner auf Leben, körperliche Unversehrtheit oder sexuelle Selbstbestimmung bedroht oder beeinträchtigt worden ist, so hat er die Heimaufsichtsbehörde zu informieren.“ Ob das im vorliegenden Fall passiert ist, ist nicht bekannt. Unklar bleibt weiter, seit wann massiv Wasser bei Regen von der Decke tropft. Das Heim spricht von zwei verschiedenen Vorfällen. Der am 24. Dezember 2016 aufgetretene Schaden soll umgehend behoben worden sein. Quellen im Heim widersprechen dieser Darstellung.

Die Heimaufsicht traf am Samstag die Feststellung: „In dem betroffenen Zimmer tropft es seit einigen Tagen von der Decke: Die eindringende Feuchtigkeit ist vor zirka zwei Wochen festgestellt worden, und es wurde umgehend eine Firma mit der Reparatur des Flachdachs beauftragt. An der Decke zeigen sich deutliche Spuren der Feuchtigkeit. In dem Zimmer riecht es nicht nach Kloake, obwohl das Fenster und die Tür geschlossen sind. Die Feuchtigkeit im Zimmer ist jedoch wahrnehmbar.“ Unklar bleibt, ob die Angaben des Altenheims ungeprüft von der Heimaufsicht übernommen wurden oder ob sich die Erkenntnisse der Mitarbeiter auf eigene Recherchen stützen. Möglich ist (exakte Angaben dazu will das Heim am Dienstag machen), dass den Kontrolleuren Angebote von Firmen und Rechnungen vorgelegt wurden. Die von unserer Zeitung am Montagvormittag über die Zustände im Zimmer BB 06 informierte Berufsbetreuerin zeigte sich überrascht. „Gut, dass Sie mir das mitteilen. Ich kümmere mich sofort darum“, sagte sie. Die Betreuerin suchte umgehend das Altenheim auf. Frau H. war zu diesem Zeitpunkt bereits verlegt worden. „In dem Zimmer BB 06 stand ein Trocknungsgerät“, erzählt die Hamelnerin. Vielleicht erklärt das, warum es dort nicht mehr „nach Kloake gestunken“ hat. Unbekannt ist, ob die drei unterschiedlich hoch mit einer gelben Flüssigkeit gefüllten Eimer noch im Zimmer standen. Wie lange die alte Dame in dem feuchten Raum gelebt hat, kann die Betreuerin nicht sagen. „Ich besuche meine Mündel zwar alle vier bis sechs Wochen, aber wirklich nur sehr selten in ihren Zimmern. Meistens halten sich die Betreuten ja im Tagesbereich auf.“ Die Berufsbetreuerin räumt ein, „schon ein ganzes Weilchen“ nicht mehr bei Frau H. gewesen zu sein.

Die Frau, die die Seniorin am Donnerstag besuchen wollte, diese aber nicht in ihrem Zimmer angetroffen hatte, war ohne Probleme (und sogar mit freundlicher Hilfe des Personals) ins Untergeschoss gelangt. Die Heimaufsicht ordnete deshalb an, dass sich „nicht bekannte Besucher anzumelden haben und im Haus begleitet werden – unter anderem auch um Straftaten zu verhindern.“

Der Landkreis teilte auf Anfrage weiter mit, die regelmäßigen Überwachungen der Heimaufsicht hätten in den vergangenen zwei Jahren am 11. Februar 2016 und am 8. Juni 2017 stattgefunden. Anlassbezogene Überwachungen, zum Beispiel aufgrund von Beschwerden, seien nicht erforderlich gewesen. Unbekannt ist, ob die Heimaufsicht auch Zimmer BB 06 inspiziert hat. Bei den Begehungen würden auch Bewohnerzimmer in Augenschein genommen – allerdings nur „stichprobenartig“. „Es konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden. Der Gesamteindruck im Hinblick auf Sauberkeit, Ordnung und Geruch war gut.“

Das Betreuungsgericht in Hameln, das die Aufsicht über die Betreuer führt, nimmt den Dewezet-Bericht zum Anlass, die zuständige Berufsbetreuerin um Auskunft in der Causa Frau H. zu bitten. Aus dem im September abgegebenen Bericht der bei Gericht als freundlich und engagiert bekannten Betreuerin habe sich nichts ergeben, „was darauf schließen lässt, dass etwas nicht in Ordnung ist“, sagte Richterin und Gerichtssprecherin Sabine Quak. Wie gesagt: Die Betreuerin konnte nichts feststellen, weil sie die Bewohnerzimmer eigenen Angaben zufolge nur sehr selten Bewohnerzimmer betritt.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat das Agaplesion Bethanien am 11. Oktober 2016 – also lange vor dem Wasserschaden am Heiligen Abend – geprüft. Note: 1,4. Das Heim liegt damit nach Angaben von MDK-Sprecher Martin Dutschek unter dem Bundesdurchschnitt, der bei 1,3 liegt. Auf seiner Homepage schmückt sich das Heim aber immer noch mit der bereits im Jahr 2013 vergebenen Note 1,1 und ist stolz darauf, „besser als der Landesdurchschnitt“ zu sein. Laut MDK „gibt es jedoch keinen Landesdurchschnitt“, der veröffentlicht wird.

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