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Glänzend – fast wie neu

Heinz-Peter Zerbst macht aus einem Autowrack ein Schmuckstück

ENGERN. Mit der Komplett-Restaurierung eines Glas 1700 GT aus dem Jahr 1967 „zauberte“ Heinz-Peter Zerbst in nur 15 Monaten aus einem erbärmlich ausschauenden Schrotthaufen ein brillant funkelndes Schmuckstück vergangener Automobilbaukunst.

veröffentlicht am 15.01.2018 um 15:27 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 16:30 Uhr

Schmuckstück: der Glas 1700 GT nach der Restaurierung. Foto: peb

Autor:

Peter Blaumann
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„Ich habe großen Spaß daran, alte Autos, Motorräder oder Mopeds in fast einen Neuzustand zu versetzen“, sagt der 69-Jährige aus Engern, der als gelernter Fernseh- und Radiotechniker-Meister 35 Jahre lang sein Geschäft im „Gänsedorf“ führte und über ein hohes Maß an handwerklichem Geschick verfügt.

„Ich bin ein motorsportbegeisterter Mensch, habe in jungen Jahren an Slalomrennen teilgenommen und später an Oldtimer-Rallyes. Aber ich habe lange Zeit nie einen eigenen Oldtimer besessen. Das änderte sich Ende der achtziger Jahre“, erzählt Zerbst. „Mein erster Oldtimer war ein Saab 96. Es war gleichzeitig der Einstieg in die Restaurierung von Fahrzeugen. Das erste größere Objekt habe ich im Jahr 1995 in Angriff genommen – eine Komplettrestaurierung eines Mercedes Benz 170 Sb von 1953.“

Es folgten Restaurierungen einiger Motorräder und Mopeds aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren. „Das Interesse an einem Glas wurde bei mir im Jahr 2005 bei einer Oldtimer-Veranstaltung im Harz geweckt. Da habe ich zum ersten Mal einen Glas GT gesehen. Diese Form, dieses Design, diese Silhouette – ich war sofort beeindruckt und begeistert“, erinnert sich Zerbst. Im Jahr 2013 bot jemand aus München in einer Oldtimer-Zeitschrift zwei Glas GT an – Re-Importe aus den USA/Kalifornien. Zerbst fuhr mit seinem Schwiegersohn dorthin. Als sein Schwiegersohn die Autos sah, sagte er: „Komm, lass uns wieder nach Hause fahren. Das hat keinen Zweck.“ Aber Heinz-Peter Zerbst war so vernarrt in das Auto, dass er das bessere kaufte. Es war ein Haufen voller Schrott.

Nur noch ein Wrack: der GT vor der Restaurierung. Foto: pr
  • Nur noch ein Wrack: der GT vor der Restaurierung. Foto: pr
… und danach – praktisch wie aus dem Laden. Foto: peb
  • … und danach – praktisch wie aus dem Laden. Foto: peb
Der Motorblock vor der Restaurierung … Foto: pr
  • Der Motorblock vor der Restaurierung … Foto: pr
Heinz-Peter Zerbst restauriert seit fast 30 Jahren mit großer Begeisterung alte Autos, Motorräder und Mopeds. Foto: peb
  • Heinz-Peter Zerbst restauriert seit fast 30 Jahren mit großer Begeisterung alte Autos, Motorräder und Mopeds. Foto: peb
Nur noch ein Wrack: der GT vor der Restaurierung. Foto: pr
… und danach – praktisch wie aus dem Laden. Foto: peb
Der Motorblock vor der Restaurierung … Foto: pr
Heinz-Peter Zerbst restauriert seit fast 30 Jahren mit großer Begeisterung alte Autos, Motorräder und Mopeds. Foto: peb

Nach der Überführung nach Engern begann Zerbst sofort mit der Restaurierung. Er zerlegte das Auto bis auf die letzte Schraube komplett in alle Einzelteile. Die nackte Karosserie wurde danach sandgestrahlt, grundiert und gespritzt. „Der Neuaufbau war eine echte Puzzle-Arbeit. Es stellte sich als sehr schwierig heraus, die Teile zu bekommen, die man nicht mehr aufarbeiten konnte und die man sich nur gebraucht oder nachgefertigt beschaffen konnte.“ Um an Teile zu gelangen, wurde Zerbst Mitglied im internationalen Glas-Club. Über den Club gelangte Zerbst an Adressen, Ansprechpartner und Spezial-Firmen, die Gummiteile, Scheiben, Blechteile, Karosserieteile, Polsterungen und Motorteile für den Glas GT anboten.

„Als ich neue Stoßstangen brauchte, wandte ich mich an eine englische Firma. Ich bestellte die Stoßstangen über den Glas-Club, bezahlte die englische Firma direkt und nach vier Wochen kam ein Paket aus Vietnam mit polierten Stoßstangen in einer hervorragenden Qualität zu einem annehmbaren Preis“, verrät Zerbst.

Im Jahr 2014 ging Heinz-Peter Zerbst mit seinem Glas erstmals an den Start einer Oldtimer-Rallye und wurde bei den ADAC-Niedersachsen-Classic auf Anhieb Gesamtsieger der Klassen 1946 bis 1980. „Mein Schmuckstück hat auch schon Begehrlichkeiten geweckt. Sogar Glas-Fans aus den USA haben schon Kaufinteresse gezeigt. Aber mein Glas ist unverkäuflich“, bringt Zerbst unmissverständlich zum Ausdruck.

Neben dem Glas nennt der Hobby-Bastler auch noch ein braunes VW 1303 Cabrio von 1989 und einen dunkelblauen Lancia Flavia 1.8 mit roten Sitzen aus dem Jahr 1965 sowie einige historische Mopeds sein Eigen. „Mit dem Lancia werde ich vom 10. bis 12. Mai 2018 an den 17. Rügen-Classics teilnehmen, Deutschlands schönster und größter Insel-Rallye für Oldtimer“, verrät Heinz-Peter Zerbst unserer Zeitung seine Pläne für das neue Jahr.

Vom Glas 1300 GT und 1700 GT wurden zwischen 1963 und 1967 insgesamt 5360 Fahrzeuge in Dingolfing gebaut, 318 davon gingen in die USA. Meistgebautes Fahrzeug der Glas-Werke war indessen das Goggomobil, das knapp 285 000 Mal vom Band lief. Heute sind laut Kraftfahrtbundesamt (Stand 2015) noch 31 Glas 1300 GT und 29 Glas 1700 GT in Deutschland gemeldet. Insgesamt erfasst das Fahrzeugregister des Glas-Clubs weltweit noch 594 Glas GT.

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