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Unermüdlicher Einsatz für den Heimatort

Helga Gruhler (81), die „fröhliche Rentnerin“ von Steinbergen

STEINBERGEN. Bei allem, was Helga Gruhler (81) im Laufe ihres langen Lebens im Dorf so in Bewegung gesetzt hat, müsste man meinen, sie sei eine eingeborene Steinbergerin und von jeher engstens mit dem Ort verbunden. „Nein!“, sagt sie da. „Ich bin eingeborene Ostpreußin!“

veröffentlicht am 05.02.2018 um 14:59 Uhr
aktualisiert am 05.02.2018 um 17:00 Uhr

Seit 45 Jahren in Steinbergen zu Hause: Helga Gruhler, Gründerin und Leiterin der „Fröhlichen Rentnerrunde“. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Eine Herkunft, die wirklich gut zu ihrer gemütvollen Persönlichkeit passt. „Aber“, sagt sie gleich dazu, „ich lebe nun seit 45 Jahren hier – natürlich ist Steinbergen meine Heimat.“

Als sie beim Neujahrsempfang der Stadt Rinteln für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt wurde, bezog sich das in erster Linie auf die Gründung und Leitung der „Fröhlichen Rentnerrunde“. Sieht man aber genauer hin, dann handelte es sich eigentlich um die Ehrung ihres Lebenswerks. Sie war Mitbegründerin des CDU-Ortsrats, dem sie 25 Jahre lang angehörte, davon fünf Jahre als stellvertretende Ortsbürgermeisterin; als erste Frau trat sie den Schützen der „Kyffhäuser Kameradschaft“ bei und gründete auch gleich eine Frauenmannschaft; sie war Mitgründerin des Carnevalsvereins, der Bürgerinitiative zur Umgehungsstraße, und sie organisierte auch das beliebte „Frühstück für jedermann“.

Wie sie das alles geschafft hat, kann man sich kaum vorstellen. Zu all diesen Aufgaben gehörte ja immer das Vorbereiten von Veranstaltungen und Ausflügen, das Schreiben von Einladungen und Flyern, die Organisation von Spendensammlungen, die Teambesprechungen, ein ständiges Wachsein für die Belange des Ortes und seiner Bürger. Und schließlich – obwohl sie leidenschaftlich ausspricht: „Das alles war mein Leben!“ – hatte sie noch genug anderes zu tun rund um ihre Familie und rund um ihre Berufe.

Bevor sie 1963 nach Steinbergen zog, hatte Helga Gruhler im Schwabenland gelebt, und von dort aus ganz Deutschland und auch Österreich bereist, als Außendienstlerin der Firma „Danone“, die überall den damals neuen Hüttenkäse vorstellte, genau der richtige Beruf für diese lebhafte Frau. Ihre Mutter lebte da bereits in Steinbergen und führte fünf Jahre lang die Schlachterei Ossenkopp in der Bergstraße. Auch ihren älteren Bruder Günter Zimmermann kannte das ganze Dorf, war er doch Inhaber eines Elektrobetriebs, dann noch einer Baufirma und von der Seniorenresidenz Zimmermann in Bad Eilsen. Aus familiären Gründen stieg Helga Gruhler 1970 in die Verwaltung des Seniorenheims mit seinen 150 Betten ein. „Ja, da war das schöne Reise-Leben vorbei“, meint sie. Um der neuen Aufgabe gerecht zu werden, absolvierte sie die Heimleiterqualifikation und wurde für die nächsten zwanzig Jahre die Leiterin der Residenz.

Ihr Bruder war für sie immer ein besonders wichtiger Mensch gewesen, hatte er doch für sie fast die Rolle eines Vaters übernommen, nachdem der eigene Vater im Krieg verschollen blieb. Umso schrecklicher, dass er 1989 einen Unfall hatte, von dessen Auswirkungen er sich nie wieder erholen sollte. Die Familie musste sich intensiv um ihn und seine Geschäfte kümmern. Helga Gruhler blieb nichts anderes übrig, als nach und nach Teile ihrer Vereinsarbeit aufzugeben. Man spürt aus dem, was sie erzählt, wie schwer ihr das gefallen sein muss.

Was aber blieb, war die 1987 von ihr und den Mitstreiterinnen Edelgard Legowski und Brigitte Mahlmann eröffnete „Fröhliche Rentnerrunde“, die lebenslustige Fortsetzung des vorherigen „Altenclubs“, ein monatliches Treffen von zeitweilig an die fünfzig Steinbergern. Unzählig sind die gemeinsamen Unternehmungen, die Helga Gruhler auf die Beine stellte, ergänzt durch das immer ausschweifende „Frühstück für jedermann“ im Dorfgemeinschaftshaus.

Als sie im letzten Jahr aus diesen Ämtern verabschiedet wurde, fürchteten viele, sie würde jetzt vielleicht einrosten. „Unsinn“, sagt sie. „Ich habe immer noch genug zu tun, und sei es nur, meine Vereins-Archive zu ordnen.“ Wird sie die Rentnerrunde und das Frühstück weiterhin besuchen? „Natürlich!“, so die Antwort. „Aber ab jetzt lasse ich mich einfach nur noch verwöhnen.“

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