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Wir haben uns bei Schaustellern umgehört

Herbstmesse: Das Geschäft wird härter

RINTELN. Herbstmesse, das heißt Autoscooter, Karussell, Crêpes, Bratwurst, Zuckerwatte. Und für manche Besucher damit auch: Geld, das hinterher im Portemonnaie fehlt. Doch auch für die Schausteller wird das Geschäft härter. Ein Bericht von der Herbstmesse:

veröffentlicht am 05.11.2017 um 12:30 Uhr
aktualisiert am 05.11.2017 um 16:40 Uhr

Einmal zahlen, bitte! Messe-Besuche können teuer werden. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN. Herbstmesse, das heißt Autoscooter, Karussell, Crêpes, Bratwurst, Zuckerwatte. Und für manche Besucher damit auch: Geld, das hinterher im Portemonnaie fehlt. Gerade, wenn man mit Kindern unterwegs ist.

Hohe Preise für die Besucher und hohe Standgebühren für die Schausteller waren auch jüngst Thema unserer Berichterstattung über den Bückeburger Herbstmarkt. Das hatte auf unserer Facebook-Seite viele Reaktionen hervorgerufen.

„Unverschämt teuer geworden teilweise …“, urteilte ein Besucher. „Bei manchen Preisen überlegt man halt dreimal, ob das sein muss“, schrieb ein anderer Nutzer. Doch wenn die Stadt „so hohe Summen an Standmiete“ nehme, dann sei es „kein Wunder, dass die Preise so hoch sind. Von irgendwas müssen die Schausteller ja leben …“

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„Dafür ist doch die Messe da“: Mandy Feger am Schießstand.
  • „Dafür ist doch die Messe da“: Mandy Feger am Schießstand.
„Wir kommen gern hierher“: Maikel Blume vom „Wellenflug“. Foto: mld
  • „Wir kommen gern hierher“: Maikel Blume vom „Wellenflug“. Foto: mld
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„Dafür ist doch die Messe da“: Mandy Feger am Schießstand.
„Wir kommen gern hierher“: Maikel Blume vom „Wellenflug“. Foto: mld

Doch die Menschen haben auch ihr Verhalten geändert: „Heute hab ich einfach nicht mehr das große Verlangen nach Jahrmarkt“, schreibt ein Nutzer. „Es wird ja auch immer teurer“, so ein anderer. „Dann lieber in einen Freizeitpark oder in den Zoo.“

Wie sieht das in Rinteln aus?

Für die Schausteller ist das Geschäft deutlich härter geworden. „Gerade Spielgeschäfte wie meines müssen kämpfen“, erzählt Thorsten Freudenberg vom „Spielcasino“-Stand (10 Lose für 3,50 Euro). Billig-Ketten wie „KiK“ hätten beinahe dasselbe Angebot wie das, was es bei ihm zu gewinnen gebe – allerdings zu niedrigeren Preisen.

Schausteller müssen die Artikel jedoch natürlich in kleinen Mengen abnehmen. Ketten können einen Großeinkauf machen. Schausteller müssen dazu Standmiete, Strom, die Ware und für sich selber zahlen: „Wir haben einen ganz anderen Kostenapparat.“

Das ist auch Mandy Feger vom Schießstand Osthold (5 Schuss für 4 Euro) gleich neben dem „Wellenflug“ bewusst. „Natürlich ist es hier teurer als in einem normalen Geschäft in der Stadt“, sagt sie. Aber: „Man kommt doch her, um Spaß zu haben!“ Genau dafür sei die Rintelner Messe da. Hier freuten sich die Leute außerdem mehr. Aus ihrer Heimatstadt Essen sei sie anderes gewöhnt: Da könne man leicht von einer Großstadt in die andere pendeln, von einem Event zum anderen. Die Rintelner Messe habe noch einen ganz anderen Stellenwert.

Gerade diesen Stellenwert will sich die Stadt erhalten – auch wenn sie dabei draufzahlt. „Die Messe ist ein klares Zuschussgeschäft“, erzählt Marktmeister Daniel Jakschik. Rinteln könne damit kein Geld verdienen, wolle es aber auch nicht. In den letzten 15 Jahren hätten sich die Standgebühren nicht verändert. Nur zur Umstellung auf den Euro habe man die Preise „angepasst“.

Diese Entscheidung werde – übrigens im Rat, nicht von der Verwaltung – ganz bewusst getroffen: Die Messe hat für die Stadt einen großen Werbeeffekt. „Und Werbung kostet nun einmal Geld“, so Jakschik. Außerdem soll die Kirmes lebendig bleiben; deshalb dürften die Schausteller nicht vergrault werden. „Das sind außerdem Familiengeschäfte“, so der Marktmeister. Das Leben soll ihnen nicht unnötig schwer gemacht werden.

Dass es härter wird für die Schausteller, das merkt man auch am Süßwarenstand der Familie Nikisch (100 Gramm Mandeln für 3 Euro). Die ist immerhin seit über 200 Jahren im Geschäft, das über die Generationen weitergegeben wird. Das Kaufverhalten der Leute sei sehr viel zurückhaltender als noch vor zehn, fünfzehn Jahren. „Große Sprünge“ könne man als Schausteller daher nicht mehr machen. Zusätzlich werde die Ware für die Lebkuchenherzen und die gebrannten Mandeln im Einkauf teurer.

Man merke außerdem, dass Jahrmärkte ihr Alleinstellungsmerkmal verloren habe: Es ist nur noch ein Event von vielen im Jahr, auch in einer Kleinstadt wie Rinteln. Auch hier sei jedes Wochenende etwas los. Doch: Die Messe hier werde noch gut besucht.

„Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt noch sehr gut“, sagt auch Thorsten Freudenberg vom „Spielcasino“. Die Rintelner seien außerdem ein „dankbares Publikum“.

„Wir sind zufrieden“, sagt auch Maikel Blume vom „Wellenflug“, dem marktprägenden, nostalgischen Kettenkarussell auf dem Marktplatz (1 Fahrchip für 3 Euro). In sechs Jahren habe man die Preise nicht erhöht. „Wenn wir für eine Fahrt plötzlich 3,50 oder 4 Euro verlangen würden, würden viele Familien doch abwinken“, sagt Blume.

Unter den Schaustellern habe man jüngst sogar besprochen, ob man die Preise nicht noch einmal senken solle. Denn insgesamt würden die Besucherzahlen doch abnehmen. Am Familientag „merkt man den Unterschied dann doch.“ Denn: Wer spare nicht gern?

Doch Rinteln habe einen „guten Namen“: „Die Rintelner mögen ihre Messe.“ Es gebe größere Veranstaltungen, die deutlich schlechter liefen. „Wir kommen gern hierher“, so Blume.

Am heutigen Montag ist „Familientag“: Ab 14 Uhr kann man vergünstigt Karussell fahren, und die Schausteller halten Angebote parat. Geöffnet hat die Messe bis 22 Uhr.

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