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Zu Besuch bei Heinecke und Klaproth

Herrenhosen made in Bückeburg

BÜCKEBURG. Der 116 Jahre alte Textilhersteller Heinecke und Klaproth hat der Bückeburger Senioren-Union bei deren Firmenbesuch die „wahrscheinlich effizienteste Produktion in Europa“ gezeigt, wie Geschäftsführer Peter Klaproth sagte.

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Autor

Michael Grundmeier Reporter
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BÜCKEBURG. Unter den Firmen in Bückeburg ist die Firma Heinecke und Klaproth ein echter Exot. Hier wird tatsächlich Kleidung gefertigt, teilweise in Handarbeit, teilweise hochautomatisiert, wie die heimische Senioren-Union (SU) bei einem Besuch in Erfahrung bringen konnte.

Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber die Bundesrepublik war einmal ein Standort für Textilien. Im Westen und im Osten gab es zahlreiche Firmen – bis die Treuhand den letzten den Saft abdrehte. Heute wird unsere Kleidung vor allem in Niedriglohnländern produziert, in Asien oder Osteuropa. Die Firma Heinecke und Klaproth ist da ganz klar ein „Paradiesvogel“, wie sich Geschäftsführer Peter Klaproth in seiner Begrüßung ausdrückt. „Die Leute aus der Branche haben uns den Vogel gezeigt, dass wir bei den hohen Arbeitskosten in Deutschland fertigen lassen.“ Und tatsächlich schlagen, so Klaproth, zwei Herzen in der Brust des Geschäftsführers. Aus kaufmännischer Sicht sei dies unter dem Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung ein berechtigter Einwand. Aber aus Sicht eines Familienunternehmens habe an der Treue zu Bückeburg zu keinem Zeitpunkt ein Zweifel bestanden. „Es ist der Herzenswunsch der Gesellschafter, hier Herrenhosen herzustellen“, formulierte es Klaproth.

Um bei den hohen Arbeitskosten konkurrenzfähig zu bleiben, hat die 116 Jahre alte Firma einen anderen Weg eingeschlagen. „Wir haben unsere Produktion optimiert“, erläuterte Klaproth den Besuchern. „Sie finden hier wahrscheinlich die effizienteste Produktion in Europa.“ Diese Art der Automatisierung gebe es in Asien so nicht. „Da werden einfach mehr Menschen dazugenommen, wenn mehr Hosen hergestellt werden sollen.“ Wobei: Es sind nicht nur die Maschinen, die diese Firma von anderen unterscheidet. „Wir haben um unser Produkt etwas aufgebaut, das uns von anderen unterscheidet. Nur das Produkt alleine reicht heute nicht mehr“, lässt Klaproth wissen. „Das Wohl unserer Mitarbeiter liegt uns ganz besonders am Herzen.“ Das ist in Asien leider oft genug anders. Heute produziert die Firma unter anderem die Marke „m.e.n.s.“ und beliefert Kunden in aller Welt.

Wie das konkret aussieht, das konnten die Mitglieder der Senioren-Union bei einem Rundgang erleben. Die Stoffe werden von einem großen Greifarm aus dem Lager herausgesucht, dann geschnitten und an futuristisch wirkenden Nähmaschinen zusammengefügt. Ruth Harmening, die neue SU-Vorsitzende, ist begeistert: „Es ist unglaublich, wie groß die Anlage ist“, sagt sie. Ähnlich äußert sich Heinrich Siek, der als junger Mensch eine Schneiderlehre absolviert hat. Dies hier habe nur noch entfernt Ähnlichkeit mit dem, was er früher gemacht hat. Die Qualität der Anzüge sei sehr gut, meint der Kenner. Das Mitglied im Deutschen Bundestag, Maik Beermann, freut sich über die Standorttreue des Betriebs. Dass „Heinecke und Klaproth“ trotz höherer Lohnkosten vor Ort geblieben sei, sei ein Ausdruck von Verbundenheit, sagte Beermann.

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