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Aus der Geschichte der Grundschule Süd

Hitzefrei, das gibt’s nicht mehr – Schulleiter Asche im „Erzählcafé“

RINTELN. Hundert Schüler in einer Schulklasse, Unterricht in vier unterschiedlichen Gebäuden, ja, die Grundschule Süd hat schon ganz andere Zeiten durchgemacht als heute, wo sie in so vieler Beziehung vorbildlich dasteht. Davon erzählte Manfred Asche, seit fast 25 Jahren Leiter der Schule, im „Erzählcafé“ des Museums.

veröffentlicht am 10.11.2017 um 12:21 Uhr
aktualisiert am 10.11.2017 um 13:20 Uhr

Durch einen kuriosen Zufall wurde Manfred Asche nach dem Studium in Hannover ausgerechnet in seiner Heimatstadt Lehrer. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Manfred Asche selbst besuchte als Kind die Grundschule Nord, bevor er das Abi machte, in Hannover aufs Lehramt studierte und durch einen kuriosen Zufall dann ausgerechnet in seiner Heimatstadt Lehrer wurde. Nach einem Zwischenspiel als Schulleiter in Bückeburg kam er 1994 nach Rinteln zurück, um die Leitung der Grundschule Süd zu übernehmen. Offiziell gegründet wurde seine Schule im Jahr 1826, als „Evangelische Bürgerschule“ mit zunächst nur einem Gebäude, das vier Jahre später bezogen werden konnte.

Ganze vier Lehrer waren damals an der Schule, alles Männer. Heute sind es 28 Frauen und zwei Männer, die die etwa 320 Grundschüler – Möllenbeck gehört auch dazu – unterrichten. Natürlich gab es auch schon in den Jahrhunderten vor 1826 Schulunterricht in Rinteln. Seit dem 14. Jahrhundert existierte eine „Bürgerschule“ mit Räumen am Kirchplatz. Im 17. Jahrhundert kam eine zweite, die „reformierte Stadtschule“ hinzu, die dann schließlich durch eine Verfügung des kurhessischen Ministeriums zusammengeführt wurden. Die vier Klassenräume waren zunächst noch in vier unterschiedlichen Stadthäusern untergebracht.

Zur Vorbereitung auf das „Erzählcafé“ hatte Manfred Asche in alten Unterlagen geblättert. Dabei fand er nicht nur „Zeugnisbücher“ mit den Zensuren und Verhaltensnoten, die fein säuberlich handschriftlich für jeden einzelnen Schüler geführt wurden und in denen die Gäste neugierig blätterten, um vielleicht etwas über ihre Eltern und Großeltern zu erfahren. Er entdeckte auch die gesammelten Rechnungen, die bei der Feier zum hundertsten Geburtstag der Schule anfielen: Da wurden Zigarren und Schnaps ausgegeben, und die unzähligen Torten lieferte nicht eine einzige Bäckerei, nein, die Bestellungen wurden gerecht unter allen Bäckern Rintelns aufgeteilt. Die Lehrerin und Heimatdichterin Helene Brehm schrieb sogar ein Jubiläumsgedicht.

Da die Schule nach dem Zweiten Weltkrieg durch die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen heillos überfüllt war – die Zeit der hundert Schüler pro Klasse –, eröffnete im Jahr 1951 die Grundschule Nord. 1963 verlängerte man die Schulzeit auf neun Jahre, 1966 gab es die Kurzschuljahre, und im Zuge der Schulreform entstanden Förderklassen, ein Schulkindergarten und die „Vorklassen“. Auch Manfred Asche hat unzählige Reformen mitgemacht. „Die Kultusminister, die ich erlebt habe, kann ich gar nicht mehr zählen“, meinte er.

Manchmal konnte die Grundschule Süd auch Vorreiterin bei solchen Reformen sein, etwa, als sie 1999 am Schulversuch „Verlässliche Grundschule“ teilnahm. Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich, dass Schulkinder auf jeden Fall bis zum Mittag Unterricht haben und nicht überraschend wegen Unterrichtsausfall früher nach Hause kommen, stieß damals sogar bei den Eltern auf Skepsis. Man habe allgemein gefürchtet, dass dann vermehrt nur sogenannte „pädagogische Mitarbeiter“ unterrichten würden, so Asche. „Das ‚Hitzefrei‘ jedenfalls gab es ab 1999 nicht mehr.“

Doch bereits fünf Jahre später wurde das „Offene Ganztagsangebot“ eingeführt, zusammen mit dem Angebot eines Mittagessens, das die Schlachterei Rauch anliefert. Auch beim Essen sind natürlich Betreuer dabei. „Bei uns haben schon so manche Kinder erstmals gelernt, wie man Messer und Gabel richtig hält“, erzählt Asche. Inzwischen ist es ganz normal, dass die Schule in der Nachmittagszeit mit „pädagogischen Mitarbeitern“ zum Beispiel von Sportvereinen oder dem Schachclub zusammenarbeitet, ganz zu schweigen von den neun „Schulbegleitern“, die Kindern mit Behinderungen täglich zur Seite stehen.

Wie alle anderen Schulleiter auch, sah Manfred Asche sich im Laufe der Jahre mit immer mehr Bürokratie konfrontiert, vor allem, seit die Grundschule im Jahr 2007 zur „Eigenverantwortlichen Schule“ erklärt wurde, also alle ihre Belange selbst in die Hand nimmt und regelmäßige Qualitätsprüfungen rund um die schulischen Angelegenheiten dokumentiert. Kein Wunder, meint Asche, dass überall Pädagogen fehlen, die bereit sind, die Verantwortung und zusätzliche Arbeit der Schulleitung zu übernehmen.

Dass das „Erzählcafé“ diesmal ungewöhnlich lange dauerte, hatte auch mit dem Thema der „Inklusion“ zu tun, zu dem die Gäste viele Fragen stellten. Davon wird unsere Zeitung in den nächsten Tagen noch berichten.

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