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Warnstreik-Auftakt der IG Metall / Großes Medieninteresse vorhanden

Hitzige Stimmung bei Faurecia

Stadthagen (ej). Im festgefahrenen Metall-Tarifkonflikt hat es in der Nacht zu Mittwoch in Niedersachsen erste Warnstreiks gegeben. Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht um kurz nach Mitternacht legten auch in Stadthagen Beschäftigte des Autozulieferers Faurecia die Arbeit nieder. Die IG Metall will mit den Aktionen Druck auf die Arbeitgeber machen. Hintergrund: Die Tarifverhandlungen für rund 70 000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen sind bisher ergebnislos verlaufen.

veröffentlicht am 30.03.2006 um 00:00 Uhr

Endzeitstimmung auf dem Faurecia-Parkplatz: brennende Tonnen, rote Fahnen, schrillende Pfeifen und zahlreiche Kamerateams aus dem gesamten Bundesgebiet. Es ist unübersehbar - vor den Werkshallen des größten industriellen Arbeitgebers der Region sollte ein Signal gesetzt werden. "Es ist schon ein starkes Gefühl, dass die komplette Nachtschicht rausgegangen ist", freute sich Martina Manthey über die große Beteiligung. Die Tarifsekretärin der IG-Metall-Bezirksleitung war kurzerhand für Bezirkschef Hartmut Meine eingesprungen, der wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen musste. "Wir haben die Nase voll von der Hinhaltetaktik", verkündete Manthey den rund 200 Teilnehmern, die sich nicht nur aus Faurecia-Mitarbeitern zusammensetzten. Etwas mehr als die Hälfte der Demonstranten waren Beschäftigte benachbarter Betriebe wie Lühr, Bornemann, Hautau und Fränkische Rohrwerke. Die Plakate, auf denen beispielsweise zu lesen war "Gib mir fünf" brachten die Forderungen der Metaller auf den Punkt. Es geht aber auch um den Erhalt der Vermögenswirksamen Leistungen und darum, den Bereich Innovation und Qualifikation" mehr auf die Tagesordnung zu heben, erklärte Faurecia-Betriebsratsvorsitzender Thorsten Gröger am Rande. "Das war aber noch nicht alles", zeigte er sich kampfbereit. Die Arbeitgeber verweigerten ein Angebot innerhalb der Friedenspflicht. "Das ist doch ein Missbrauch der Regularien", beschwerte sich der Betriebsratüber das Verhalten der Metall-Industrie. "Wenn sich da nichts tut, steigern wir unsere Maßnahmen." So sollen weitere Aktionen in hiesigen Betrieben und Kundgebungen in diversen Orten stattfinden, wenn die Verhandlungen ergebnislos bleiben. Manthey sprach angesichts großer Gewinne in der Wirtschaft von berechtigten Forderungen. "Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr, und die wollen uns nicht einmal einen Brotkrumen abgeben", heizte die Gewerkschafterin die wegen der zahlreichen Feuer ohnehin schon hitzige Stimmung nochmals an. "Die Gewinne steigen und steigen, doch uns lassen sie am langen Arm hängen", sprach sie den Streikenden aus der Seele und erntete Lob in Form von Trillerpfeifen und Fanfarenklängen. Die Frühschicht lief dann wenige Stunden später wieder ganz normal an.

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