weather-image
Überforderte Hundebesitzer

Hundehalter immer häufiger überfordert

STADTHAGEN/LANDKREIS. Als Schutz vor Einbrechern und Angreifern schaffen sich immer mehr Menschen große Hunderassen an. Wegen mangelnder Vorbereitung werde der vierbeinige Beschützer aber schnell zur Belastung und ein Fall für das Tierheim, wie Kreisveterinär Ulf Güber seit zwei Jahren beobachtet.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 11:46 Uhr

Hunde werden gern angeschafft - als Seelentröster, Schutz vor Einbrechern oder Geschenk für die Kinder. Schnell sind Besitzer allerdings mit der Hundehaltung überfordert. Symbolfoto: Pixabay

Autor:

gerrit brandtmann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Die Menschen schauen sich Angebote im Internet an und entscheiden sich dann gerne für den Züchter, der den Rottweiler 200 Euro billiger anbietet. Dort greifen sie sich dann den dicksten Rüden aus dem Rudel“, erklärt Güber. Um den obligatorischen Hundeführerschein für Ersthalter kümmerten sich viele aber nicht rechtzeitig und schon mit zwei Jahren fange der Hund an, sein Herrchen in den die Ecke zu drängen. „Ein typischer Schutzhund, der nur morgens und abends ausgeführt wird, ist unterfordert und praktisch arbeitslos. Der packt sich irgendwann den Nachbarn beim Spaziergang“, warnt der Veterinär.

Bei solchen Auffälligkeiten müsse er prüfen, ob das Tier als gefährlicher Hund klassifiziert und sein Besitzer die Haltung beantragen muss. „In diesem Fall darf der Halter nicht vorbestraft, suchtkrank oder psychisch krank sein“, sagt Güber. In bis zu drei Fällen jährlich nehme der Veterinär das Tier mithilfe von Hundeführern der Polizei in Obhut. Von den drei Tierheimen des Landkreises sei aber nur das in Bad Nenndorf für die Aufnahme gerüstet. In Stadthagen fehle dagegen Personal und Qualifikation: „Etwa dreimal im Monat kommen überforderte Hundehalter zu uns, wir nehmen aber grundsätzlich keine gefährlichen Hunde auf“, erklärt Leiterin Kerstin Kassner vom Tierschutzverein. Sie bestätigt den Trend: „Wer sich das BMW-Cabrio nicht leisten kann, nimmt eben den Pitbull als Statussymbol. Auch Eltern geben dem Hundewunsch ihrer Kinder oft zu leichtfertig nach.“

Bleibt das Tierheim verschlossen, empfiehlt Güber überforderten Hundehaltern, sich an überregionale Stellen wie die Dobermann-Nothilfe zu wenden oder sich bei lokalen Unternehmen umzuhören. „Viele Schutzhunde sind gut aufgehoben, wenn sie Betriebsgelände bewachen können.“ Auch das Personal von Wachdiensten habe meist Erfahrung damit, schwierige Hunde zu disziplinieren. Das Einschläfern eines Tieres veranlasse das Veterinäramt nur etwa einmal jährlich. „Die Tötung ist nicht mehr durch das Niedersächsische Hundegesetz gedeckt und nur zulässig, um das Leiden des Tieres zu beenden“, sagt Güber.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare