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Was ist an dem Fall dran?

„Hundemörder“ aus Eilsen am Online-Pranger?

EILSEN. Wenn es sich um Tierleid dreht, dann kochen bei vielen Menschen die Emotionen über. Ein tragischer Vorfall in einer heimischen Hundeschule, bei dem ein Welpe zu Tode gekommen ist, erhitzt derzeit die Gemüter und sorgt für einen veritablen „Shitstorm“. Ein Hundebesitzer beschuldigt darin den Inhaber einer heimischen Hundeschule, er habe seinen Welpen zu Tode geschüttelt. Er sei ein Tierquäler und Mörder. Garniert ist das Posting mit Name, Link zur Hundeschule und sogar einem Foto des Mannes. Dabei kann es sich um den Straftatbestand der Verleumdung handeln, erklärt die Polizei
Doch was steckt genau hinter dem Fall? Die SZ/LZ hat recherchiert.

veröffentlicht am 07.02.2018 um 11:27 Uhr
aktualisiert am 07.02.2018 um 15:50 Uhr

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EILSEN. Wenn es sich um Tierleid dreht, dann kochen bei vielen Menschen die Emotionen über. Ein tragischer Vorfall in einer heimischen Hundeschule, bei dem ein Welpe zu Tode gekommen ist, erhitzt derzeit die Gemüter und sorgt für einen veritablen „Shitstorm“. Doch was steckt dahinter? Voller Wut schrieb der angebliche Besitzer des Hundes einen Beitrag auf Facebook. Dort nannte er nicht nur Name und Wohnort des Hundetrainers und den Namen seiner Hundeschule, er veröffentlichte sogar ein Foto des Mannes und bezeichnete ihn als „Tierquäler und Mörder“. Der Mann habe seinen Welpen so lange geschüttelt, bis dieser gestorben sei.

Der Beitrag wurde innerhalb von 48 Stunden beinahe 1000 Mal geteilt und dürfte Zehntausende Menschen erreicht haben. Die Facebookseite der Hundeschule wurde mit negativen Bewertungen und Anschuldigungen überflutet. Und all das, bevor die Polizei überhaupt ermitteln konnte. Diese prüft nun aufgrund der Facebookposts auch eine mögliche Verleumdung oder üble Nachrede.

Polizeisprecher Matthias Auer bestätigt auf Anfrage der SZ/LZ die eingegangene Anzeige wegen Sachbeschädigung oder Tierquälerei. Bei der Redaktion meldete sich auch die Besitzerin des toten Labrador-Welpen namens Lucky. Mit den Facebook-Posts habe sie nichts zu tun, erklärte die Frau. Sie habe nichts gepostet, nichts kommentiert. Wohl aber habe sie Anzeige bei der Polizei und beim Veterinäramt erstattet. Sie schildert den Vorfall – abweichend von der Darstellung auf Facebook – so: „Mein zwölf Wochen alter Welpe spielte mit einem anderen Welpen. Als das Spiel intensiver wurde, zog der Hundetrainer meinen Welpen mit einem Griff im Nacken von dem anderen Hund runter und drückte ihn mit beiden Händen (eine Hand Hals, andere Hand Bauch) auf den Rücken liegend zu Boden. Lucky schrie und quiekte aber er ließ nicht los. Dann wurde der Welpe ganz schlapp, bewegte sich nicht mehr. Er entleerte sofort die Blase. Beim Tierarzt wurde der Tod festgestellt.“

Die Besitzerin von Lucky betont, dass der Hundetrainer den Welpen zwar nicht geschüttelt, sich aber fest auf ihn gelehnt habe.

Um die Frage einer möglichen Tierquälerei zu prüfen, hat die Polizei laut Auer bereits über das Kreisveterinäramt des Landkreises Schaumburg weitere Maßnahmen eingeleitet. So ist der verstorbene Hund inzwischen zur Tierärztlichen Hochschule Hannover verbracht worden, wo das tote Tier obduziert wird. Dort soll die genaue Todesursache festgestellt werden. Ein Ergebnis wird Ende der Woche erwartet.

Zusätzlich hat die Halterin des toten Welpen einen Anwalt eingeschaltet. „Wir klagen auf Schadensersatz, da mir schon prophezeit wurde, dass das Verfahren wahrscheinlich eingestellt wird. Ich will nicht, dass dieser Mann ungeschoren davonkommt.“

Einige Tage nach den öffentlichen Vorwürfen und dem Shitstorm auf Facebook äußerte sich auch der Hundetrainer. Er bestätigt den traurigen Todesfall, sieht allerdings keine Schuld bei sich selbst. Der Hund sei kollabiert, nachdem er ihn im Rahmen der Erziehung von einer Rauferei wegziehen und ihn mit offenen Handflächen am Boden gehalten habe, damit er sich beruhigen könne. Dabei sei der Hund kollabiert. Der Hundetrainer gibt an, ihn mehrfach erfolgreich reanimiert zu haben, beim dritten Mal sei der Hund aber nicht wieder zu sich gekommen. Die Hundebesitzerin bestreitet das. „Mein Hund war sofort tot.“

Unabhängig vom Ergebnis der Obduktion ist es nicht legal, mit derartigen Anschuldigungen und Vorverurteilungen an die Öffentlichkeit zu gehen. „Das gilt digital wie analog“, erklärt Polizeisprecher Matthias Auer. „Bis zum Abschluss eines ordentlichen Strafverfahrens gilt der Beklagte als unschuldig.“ Sollte man derartige Anschuldigungen allerdings nicht beweisen können, erfülle das möglicherweise den Straftatbestand der Verleumdung oder der üblen Nachrede.

Möglicherweise deswegen hat der angebliche Hundebesitzer mittlerweile sein Posting wieder gelöscht. Screenshots davon kursieren allerdings weiter auf Facebook. Über große „Hundegruppen“ erreichen sie überregionale Bekanntheit und werden von Menschen aus Österreich oder der Schweiz kommentiert. Trotz mehrerer Versuche konnte der Hundebesitzer von der Redaktion nicht erreicht werden.

Auch alle, die den Beitrag geteilt und weiterverbreitet haben, ohne sich davon explizit zu distanzieren, könnten sich in der Folge ebenfalls strafbar gemacht haben, erklärt Auer weiterhin. „Eigentlich sagt einem auch der gesunde Menschenverstand, dass so was nicht geht.“ Zusätzlich zu der möglichen Sachbeschädigung oder Tierquälerei nehme man daher auch das in die polizeiliche Ermittlungsakte mit auf.

Noch liege das Verfahren bei der Polizei – man warte noch das Ergebnis der Obduktion ab und werde dann Zeugen vernehmen. Am Ende entscheide die Staatsanwaltschaft, in welchen Punkten sie weiter ermittle.

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