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Zwischen zwei Kulturen: Die Iranerin Parvin Hemmecke-Otte ist Kreis-Vorsitzende der Landfrauen

„Ich fühle mich nicht als Exotin“

RINTELN. Sie ist gebürtige Iranerin – und Vorsitzende des Kreisverbandes der Landfrauen in Braunschweig: Parvin Hemmecke-Otte. Sie lebt zwischen zwei Kulturen und tourt als Referentin durch die Lande. Im März ist sie auch im Kreis Schaumburg zu Gast.

Bodenständig, traditionsbewusst, wissbegierig und aktiv, eine Landfrau eben: Parvin Hemmecke-Otte hält am 9. März einen Vortrag über das Leben einer Iranerin in Deutschland. Foto: pr
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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RINTELN. Auf einem Feld bei Braunschweig-Bienrode stehen Nordmanntannen, Blautannen und Kiefern, angepflanzt haben sie Parvin Hemmecke-Otte und ihr Ehemann Lothar. Mit Weihnachtsbäumen kennt sie sich aus, dabei gehört das christliche Fest ursprünglich nicht zu ihrer Kultur: Parvin Hemmecke-Otte, studierte Agraringenieurin, stammt aus dem Iran, ist gläubige Muslima, betreibt mit ihrem Mann einen Ackerbaubetrieb und eine Weihnachtsbaumplantage und ist seit vielen Jahren Vorsitzende des Kreisverbandes der Landfrauen in Braunschweig. Als Referentin tourt sie durch insgesamt 280 Landfrauenvereine in Niedersachsen und wirbt um Verständnis für ihre Kultur. Ihre Vorträge kreisen häufig um die Stellung der Frau im Iran.

Parvin Hemmecke-Otte ist im Iran als jüngstes von fünf Kindern einer Grundbesitzerfamilie aufgewachsen. Auf den Pistazienplantagen ihrer Eltern ist sie mit der Landwirtschaft groß geworden. Direkt nach dem Abitur kam sie 1980 zum Studieren nach Deutschland und ließ ihre Familie in Kerman, 1000 Kilometer südlich von Teheran, zurück. Nach der iranischen Revolution erschien ihrer Mutter das Land, in dem bereits ihr Bruder lebte, der sicherere Ort.

Doch leicht fiel der Start in Deutschland nicht. Die Sprache, die Kälte, die Straßenbahn – alles war ja fremd. Die junge Agrarstudentin lernte ihren Mann Lothar kennen, verliebte sich und ließ sich – statt wie geplant nach Kerman zurückzukehren – mit ihm in seiner Heimat Braunschweig nieder. 1987 wurde geheiratet. Seitdem bewirtschaftet das Paar einen Ackerbaubetrieb bei Braunschweig. Anfangs kommt sich die Iranerin ein wenig verloren vor, kennt kaum jemanden.

Bis ihre Schwiegermutter sie vor fast 30 Jahren mitnimmt zu den Landfrauen. 1988 tritt Parvin Hemmecke-Otte dem Landfrauenverein bei und ist seit 2001 Kreisvorsitzende des Landfrauen-Kreisverbandes Braunschweig. 2012 wird sie zur „Landfrau des Jahres“ ausgewählt. An Deutschland, so hat sie einmal in einem Interview erklärt, möge sie die Pünktlichkeit und die Direktheit der Menschen, obwohl gerade die Direktheit ihr am Anfang manchmal befremdlich erschien.

Den Unterschiede zwischen der iranischen und deutschen Kultur sieht sie in der Mentalität der Menschen: Hier sei alles geregelt und alles werde in der Regel genau geplant: „Im Iran gehen wir lockerer und spontaner mit allem um.“ Durch die Landfrauenarbeit in Braunschweig sei sie, natürlich neben Familie und Freunden, hier in Deutschland wirklich „angekommen“ und integriert. Sie schätzt die dadurch entstehenden Kontakte zu kompetenten Frauen und die Chancen, die sich für sie dadurch ergeben hätten. Ihre Motivation gründe wesentlich auf den Zielen und Angeboten der Landfrauen; etwa die Wahrnehmung der Interessen von Frauen aller Generationen und verschiedener Berufsgruppen.

Schulungen, Ernährungsaktionen für Kinder, Seminare und Bildungsreisen sind Angebote der Landfrauen. „Landfrauen“, sagt Parvin Hemmecke-Otte, „sind bodenständig, traditionsbewusst, wissbegierig und aktiv.“ Darin erkenne sie sich wieder. Und wenn sie im Iran ist, sei sie vollkommen Iranerin – und wenn sie hier sei, dann sei sie auch Deutsche. Sie könne beide Kulturen mischen und sie könne auch beide leben: „Ich fühle mich gar nicht als Exotin“, hat sie es einmal auf den Punkt gebracht. Am 9. März spricht Parvin Hemmecke-Otte über ihr Leben zwischen zwei Kulturen vor den Landfrauen Rinteln /-Hessisch Oldendorf von 19.30 bis 21 Uhr in der Weinschänke Rohdental. Die Kosten betragen 7,50 Euro. Anmeldungen bei Renate Wünsche: (0 57 51) 96 70 36. Auch Nicht-Landfrauen und Männer sind willkommen.

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