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Serie: Sommerplagegeister / Heute: Die Fruchtfliege / Sie liebt alles, was irgendwie angegoren ist

Ihr Leben ist im Handumdrehen vorbei

Landkreis (cok). Frucht- oder Taufliegen, das sind diese zwei Millimeter kleinen Tierchen, die an warmen Sommertagen manchmal in Massen die Küche besetzen, da, wo sie sich auf überreifes Obst stürzen können, mit noch größerem Vergnügen aber auch auf Bier und überhaupt auf alles, was irgendwie angegoren ist.

veröffentlicht am 15.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Die Fruchtfliege vermehrt sich in atemberaubendem Tempo. Theoret

Schaden tun diese Winzlingsfliegenschwärme nicht direkt. Aber sie ernähren sich unter anderem von solchen Bakterien und Hefepilzen, die sich im Kompost oder auf schon leicht schadhaftem Obst und Gemüse befinden und übertragen sie auf andere Lebensmittel, die dann schneller verderben. Zwar können sie keinen intakten Apfel anbeißen, sich durch keine intakte Bananenschale bohren, aber matschige Stellen an einem herumliegenden Teil werden ihnen nicht entgehen. "Ja, wo Fruchtfliegen sind, gibt es immer auch schadhafte Lebensmittel", so Amtstierärztin Dr. Iris Heinrich aus dem Veterinäramt Bückeburg. Sie ist zuständig für die Lebensmittelhygiene und schickt amtliche Kontrolleure in Einzelhandelsgeschäfte und Supermärkte. "Fliegen da die Fruchtfliegenschwärme herum, ist es mit dem Gemüse nicht mehr weit her." Die Fruchtfliege vermehrt sich allerdings auch in einem geradezu verrückten Tempo. Bis zu 400 Eier kann ein Weibchen legen, aus denen sich zwirnsfadendünne braune Larven entwickeln, die man manchmal zum Beispiel auf einer Banane entdeckt, in die man gerade hineinbeißen wollte, ahnungslos darüber, dass eine scheinbar harmlose braune Stelle in der Schale sozusagendas "Bohrloch" für die Eiablage gewesen war. Werden die Larven nicht gestört, dann entstehen nach bereits zehn Tagen fortpflanzungsfähige Fliegen, die im Übrigen ein durchaus ausgefeiltes Balzverhalten besitzen, wobei die Männchen leidenschaftlich und in drei verschiedenen Phasen um die Weibchen werben. Theoretisch kann ein einziges Paar innerhalb von 30 Tagen 16 Millionen Nachkommen in die Welt setzen. Kein Wunder, dass die "Drosophila" mit dieser rasanten Generationenfolge berühmt wurde, weil sie der klassischen Genetik und der Entwicklungsbiologie die besten Dienste leistet und obendrein die Analyse ihres Genoms in der Krebsforschung zu wichtigen Entdeckungen führen konnte. Außerdem ist sie sehr beliebt bei Reptilien- und Fischfreunden, weil es nur selten ein Lebendfutter gibt, das sich so problemlos züchten lässt, zumal da es Mutanten gibt, die nicht wegfliegen, sondern nur ein bisschen hüpfen können. In der heimischen Küche allerdings wird der Drosophila wenig Dankbarkeit entgegen gebracht. Ruckzuck ist ein schwirrender Fliegenschwarm grausam in den Staubsauger eingesaugt, und auch die anderen Fallen sind nichts für Zimperliche. Cognac zieht sie so sehr an, dass sie, alles andere vergessend, an akuter Alkoholvergiftung sterben, und Apfelessig, dessen Oberflächenspannung durch einen Tropfen Spülmittel zerstört wurde, wird für sie unweigerlich zum feuchten Grab. So finden Wespen, Ameisen, Hornissen und Spinnen allerlei Fürsprecher, die unter Hinweis auf Ökologie und Artenvielfalt für eine friedliche Koexistenz mit dem Menschen plädieren. Über die Fruchtfliege in der Küche allerdings weiß Amtstierärztin Dr. Heinrich nur ein Gutes zu sagen: "Ihr Leben ist im Handumdrehen vorbei!" Wer also das befallene Obst oder Gemüse schnell entfernt, hat bald wieder seine Ruhe. Bis zum nächsten Mal.

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