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Jugendtreff seit 20 Jahren eine feste Größe in Wallensen / „Wir mussten einfach irgendwo hin“

Ihre „Hütte“ haben sie sich einst selbst gebaut

Wallensen. Wie leben Jugendliche heute auf dem Dorf – und wie war das eigentlich früher? Vor 20 Jahren wurde in Wallensen der Jugendtreff „Hütte“ Ostkreis gegründet. Christian Göke sprach mit zwei älteren und drei jüngeren Mitgliedern des Vereins über das Vorzeigeprojekt, und was sich im Laufe der Zeit geändert hat.

veröffentlicht am 07.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.09.2009 um 12:05 Uhr

In den Räumen der Hütte im Gespräch: Chris Wiegmann, Rene Schäfe

Wie entstand der Jugendtreff und wie kam es zu dem Namen Hütte?

Maik Stapel, 34, Vorsitzender des Jugendtreffs: Wir trafen uns 1989 aus Langeweile an einer Holzhütte im Schrebergarten an der Badeanstalt. Anfangs waren das Martin Schumacher, Holger Schaper und ich. Weil es so gemütlich war, kamen immer mehr Jugendliche dazu. Irgendwann prägte sich der Begriff „Hütte“ als Treffpunkt ein.

Gab es damals Jugendarbeit von der Gemeinde aus oder Ähnliches?

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Martin Schumacher, 33: Von der Gemeinde aus gab es in Wallensen oder Thüste keine Angebote. Wir merkten aber, dass wir einfach irgendwo hin mussten, wo wir uns regelmäßig treffen konnten. Schnell gewöhnten sich alle an die „Hütte“ und wir schalteten die Gemeindejugendpflege ein, um das ganze offiziell zu einem Jugendtreff zu machen. Die Gemeinde half uns bei einigen Sanierungen an der Hütte und übernahm die geringe Jahrespacht für das Grundstück.

Stapel: Anfangs waren wir etwa 30 Mitglieder.

Schumacher: In der Blockhütte hielten wir uns etwa drei Jahre auf. Dann ist die „Hütte“ einer Brandstiftung zum Opfer gefallen, und wir standen wieder für ein Jahr auf der Straße.

Stapel: Der Täter wurde leider nie gefunden.

Schumacher: In dem Jahr ohne Unterkunft fanden verschiedene Überlegungen statt. Ein Neubau war aber aufgrund der Nähe zur Saale nicht möglich.

Stapel: Dann bekamen wir 1993 30 000 Euro vom Landkreis für einen Anbau am Pumpenhaus der Badeanstalt.

Schumacher: Dazu bekamen wir viele Geld- und Materialspenden. Für Arbeitskräfte war aber kein Geld da, sodass der Bau fast komplett durch die Jugendlichen geleistet wurde. Dazu kamen regelmäßig ältere Bürger, die uns die verschiedenen Arbeiten erklärten und teilweise auch halfen.

Stapel: Durch die Organisation von Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Osterfeuer, wurden die Kosten des Hauses gedeckt. Der Verein Jugendtreff Wallensen wurde 1992 mit den ersten Vorsitzenden Frank Batke und Christoph Pommerening gegründet.

Hat Euch die Jugendpflege dann weiter betreut?

Stapel: Sie haben uns bezüglich des Hauses komplett freie Hand gelassen und uns auf Anfrage unterstützt.

Sind immer Jugendliche dazu gekommen?

Stapel: In unserer Gruppe waren von Anfang recht viele Jugendliche. In Hochzeiten waren bis zu 60 Jugendliche Mitglied. Im Haus selber war meistens ein Stamm von 20 Personen.

Ab welchem Alter sind die Jugendlichen in den Verein eingetreten?

Schumacher: Die meisten kamen damals mit 14 Jahren in den Verein.

Stapel: Derzeit nehmen wir Vereinsmitglieder mit 16 Jahren auf, da wir keine Aufsicht stellen können. Wir haben der Gemeinde aber angeboten, etwas mit Jüngeren im Haus zu unternehmen. Wir sehen uns aufgrund der fehlenden pädagogischen Ausbildung derzeit nicht in der Lage dazu.

Schumacher: Das Modell des Jugendtreffs war beispielhaft und ein Vorreiter für andere Orte.

Was hat sich aus den Modellen in den anderen Orten entwickelt?

Schumacher: Die Jugendpflege hat ähnliche Projekte in Lauenstein, Salzhemmendorf und Osterwald probiert. Aber das ging mehr oder weniger in die Hose.

Stapel: Dort waren jeweils wohl mindestens zwei Gruppen, die miteinander rivalisierten. Dadurch hatten die Projekte wohl keine Chance.

Schumacher: Vielleicht hatte Wallensen zufällig die richtige Größe für so etwas. Es gab nicht viele verschiedene Cliquen, sondern alle Jugendlichen hangen zusammen rum. Durch meine Musikband und die Übungsabende in Salzhemmendorf sehe ich heute noch, dass es in Lauenstein oder Salzhemmendorf viele verschiedene Gruppierungen gibt und sich die eben nicht so einig sind. Du bekommst einfach nicht alle unter einen Hut.

Wann habt Ihr Jüngeren Euch „getraut“, die Hütte aufzusuchen?

Armin Pollack, 17: Ich war etwa mit 13 Jahren schon einmal dort. Aber dauerhaft erst vor etwa zwei Jahren.

Rene Schäfer, 17, und Chris Wiegmann, 17: Wir auch mit etwa 15 Jahren.

Wo habt Ihr Euch vorher aufgehalten, und wurde für Euch etwas gemacht?

Pollack: Wir haben uns meistens an der Brücke im Ortskern aufgehalten.

Was ist aus Eurer Sicht noch verbesserungswürdig?

– Schweigen. – Schumacher: Wir hören auch weg! (lacht)

Wiegmann: So, wie es zur Zeit ist, gefällt es uns schon gut.

Schumacher: Das ist auch gut so, dass die Jugendlichen in die Verantwortung hineinwachsen. Vor 20 Jahren haben wir gesagt, dass wir mit über 30 Jahren nicht mehr dort abhängen. Doch das hat sich wohl zerschlagen, weil uns einfach der Umgang mit den jungen Mitgliedern auch noch Spaß macht. In den letzten Arbeitseinsätzen hat das mit der Verantwortung schon ganz gut geklappt. Da waren viele von den Jüngeren dabei. Wir haben selber damals gemerkt, dass man das Haus viel mehr schätzt, wenn man selber daran gearbeitet hat. Gerade das finde ich wichtig.

Was macht Ihr Jüngeren derzeit beruflich?

Pollack: Ich fange jetzt mit dem Zivildienst an.

Wiegmann: Ich gehe noch zur Schule.

Schäfer: Und ich bin in der Ausbildung zum Maler und Lackierer.

Wollt Ihr denn später in Wallensen bleiben?

Pollack: Ich bin mir da noch unschlüssig.

Wiegmann und Schäfer (im Chor): Wir wollen auf jeden Fall bleiben.

Schumacher: Das ist glaube ich schon erwähnenswert. Wir von den Älteren hatten bis auf einige wenige Ausnahmen das Glück, hier in der Nähe auch unsere Berufe ausführen zu dürfen. Dadurch sind wir natürlich zusammengeblieben. Wie das für die Jüngeren dann mal aussieht, kann jetzt ja noch keiner sagen.

Stapel: Das Schöne ist, dass in Wallensen nur Vereinzelte als Ausnahmefälle auf Krawall aus sind. Es kommt mir so vor, als ob es in anderen Orten damit noch mehr Probleme gäbe.

Pollack: Mit einigen Orten kann man nicht feiern, ohne dass es Schlägereien gibt.

Ihrem Heimatort verbunden fühlen sich die Mitglieder des Jugendtreffs Hütte, Jugendliche von einst und von heute, hier Martin Schumacher, Rene Schäfer, Armin Pollack,

Chris Wiegmann und Maik Stapel (v. li.).

Fotos: gök

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