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Barocktage auf Schloss Bückeburg: Mit Schall und Rauch ins Zeitalter des siebenjährigen Krieges

Im Pulverdampf

BÜCKEBURG. Kanonendonner, Pulverdampf und Musketenschüsse: Bei den „Lebendigen Barocktagen“ ist es diesmal auf Schloss Bückeburg nicht nur – dem Titel entsprechend – lebendig zugegangen, sondern zumeist auch sehr laut. Oder „actionreich“, wie man es im Filmjargon formuliert hätte.

veröffentlicht am 17.09.2017 um 15:12 Uhr

Die französischen Truppen marschieren zur Schanze im Schlosspark. Foto: jp
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Denn den historischen Hintergrund des großen, fulminant ausgestatteten und von weit über 200 Akteuren auf dem Schlossgelände verkörperten Barockfests bildeten nicht wie bisher die Friedensjahre im Anschluss des siebenjährigen Kriegs, sondern diesmal das Jahr 1757, somit der Zeitpunkt, als sich zum einen die österreichisch-preußischen Gegensätze in Europa, zum anderen der Kampf der Großmächte England und Frankreich um die Vormachtstellung in Nordamerika gerade zum Weltkrieg ausgeweitet hatten.

Und auch in Bückeburg, dem Sitz des Grafen zu Schaumburg-Lippe, sind die ruhigen Tage gezählt. Denn es sieht schlecht aus für die preußisch-hannoversche Seite: Nach der fatalen Niederlage Friedrichs des Großen in der Schlacht von Kolin gegen den österreichischen Feldmarschall Daun hat ist auch der Herzog von Cumberland mit den verbündeten britisch-braunschweigischen Truppen bei Hastenbeck (Hameln) gegen die Franzosen unterlegen. Als Folge ziehen sich die Alliierten bis hinter die Aller zurück, und weite Teile Norddeutschlands – auch Bückeburg – erleben den Einmarsch französischer Besatzungstruppen.

Während das jedoch in der Realität kampflos abging, ließen französische, königlich-preußische und schaumburg-lippische Truppen während der „Lebendigen Barocktage“ Musketen und Kanonen sprechen. Die Zuschauer erlebten dabei an beiden Tagen morgens eine kugel- und pulverdampfreiche Eroberung des Bückeburger Schlosses durch französische Infanterie. Am Nachmittag dann wurden die Franzosen bei der Erstürmung einer kompletten Schanze im Schlosspark wieder verjagt.

Im großen Festsaal stößt man auf den Franzosen-König an. Foto: jp
  • Im großen Festsaal stößt man auf den Franzosen-König an. Foto: jp
Beim Sturm auf die Schanze wird kräftig gefeuert. Foto: jp
  • Beim Sturm auf die Schanze wird kräftig gefeuert. Foto: jp

„Einen wirklichen Kampf um Bückeburg hat es im Siebenjährigen Krieg nicht gegeben“, so Marcus Stickdorn von der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte e.V., der zusammen mit seiner Frau Stefanie Hahlbohm wieder für die künstlerische Leitung verantwortlich zeichnete. „Eine solche Veranstaltung erfordert aber immer den Spagat zwischen Zuschauer- und Darstellerinteresse, und dann muss die Authentizität bisweilen ein paar Abstriche machen.“

Absolut historisch korrekt war hingegen alles, was man als Besucher am Rande der einzelnen Darbietungen und Vorführungen oder im direkten Gespräch mit einem der (stets bestens bewanderten) Darstellern erleben und erfahren konnte. So wie beispielsweise bei Isabel Gronack-Walz aus Köln, die im gelben Salon barocke Schokoladenkultur präsentierte, angefangen von der aus der Neuen Welt importierten Kakaobohne bis zum fertigen Luxusgetränk. „Schokolade war das Modegetränk der Oberschicht im 18. Jahrhundert. Goethe führte stets seine eigene Schokolade mit sich, und Friedrich der Große nahm sie im Krieg mit ins Feld, um sich damit wach zu halten.“

Neben der stimmungsaufhellenden und aufputschenden Wirkung galt vor allem die aphrodisierende Wirkung der Schokolade als sprichwörtlich: „Wollte man damals eine Dame von Stand verführen, gab man ihr Schokolade zu trinken.“

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