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Festgefahrener Lkw in Nordstadt

Immer wieder führen Navis Lastwagen in die Irre

RINTELN. Anfangs war es eine kleine Meldung: Ein Lkw-Fahrer hat sich am frühen Montagmorgen auf einem Feldweg in der Nordstadt festgefahren. Fehlgeleitet wurde er von seinem Navigationsgerät. Das passiert in Rinteln immer wieder – kann wie in diesem Fall aber Schaden verursachen.

veröffentlicht am 16.01.2018 um 14:23 Uhr
aktualisiert am 16.01.2018 um 17:40 Uhr

Auch das nützt nichts: Ein Vierachser mit Allrad versucht am Montagmittag, den festgefahrenen Lastwagen aus dem weichen Schlamm zu befreien. Seine Bergung wird letztlich über 12 Stunden dauern. Immer wieder verfahren sich gerade Lkw auf abenteuerlich
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN. Anfangs war es eine kleine Meldung: Ein Lkw-Fahrer hat sich am Montagmorgen verfahren, hat statt der geteerten Straße einen davon abzweigenden Feldweg genommen – und blieb nach etwa 300 Metern im aufgeweichten Boden stecken. Daraus wurde eine knapp 13-stündige Bergungsaktion, die die Spedition – oder deren Versicherung – einiges kosten dürfte.

Der Lkw einer Firma aus Bad Salzuflen hatte Braunglas geladen und wollte eigentlich zur Werkseinfahrt von OI Glasspack. Die ist über die Dankerser Straße zu erreichen. Die Postadresse weist allerdings die Stoevesandtstraße aus. Als die Einfahrt um 6 Uhr morgens noch geschlossen war, folgte der Fahrer der Alten Todenmanner Straße weiter in Richtung Norden – bis ihm das Navigationsgerät wohl riet, links in den Grenzweg einzubiegen. Aber: Der Grenzweg wird schnell zum schlammigen Feldweg. Doch der Fahrer folgte ihm noch knapp 300 Meter, bis er schließlich mit dem rechten Vorderrad stecken blieb.

Immer wieder landen Fahrzeuge in diesem Feldweg nahe des Helenensees, Pizzadienste und Postboten zum Beispiel. Meist jedoch sind ihre Fahrzeuge so leicht, dass sie selber wieder herausfinden. Ein voll beladener 40-Tonner ist da natürlich eine andere Hausnummer.

Der LKW hat sich im weichen Untergrund des Feldweges festgefahren.
  • Der LKW hat sich im weichen Untergrund des Feldweges festgefahren.
Mit einem Bagger wird der LKW entladen, damit er fürs Abschleppen leicht genug ist.
  • Mit einem Bagger wird der LKW entladen, damit er fürs Abschleppen leicht genug ist.
Der Bagger kann den Lkw schließlich herumdrehen. Foto: tol
  • Der Bagger kann den Lkw schließlich herumdrehen. Foto: tol
Mithilfe des Baggers kann der LKW aus dem Schlamm befreit werden. Nach etwa 13 Stunden befindet sich der Lastwagen wieder auf festem Untergrund. Foto: tol
  • Mithilfe des Baggers kann der LKW aus dem Schlamm befreit werden. Nach etwa 13 Stunden befindet sich der Lastwagen wieder auf festem Untergrund. Foto: tol
Der LKW hat sich im weichen Untergrund des Feldweges festgefahren.
Mit einem Bagger wird der LKW entladen, damit er fürs Abschleppen leicht genug ist.
Der Bagger kann den Lkw schließlich herumdrehen. Foto: tol
Mithilfe des Baggers kann der LKW aus dem Schlamm befreit werden. Nach etwa 13 Stunden befindet sich der Lastwagen wieder auf festem Untergrund. Foto: tol

Es ist nicht das erste Mal, dass Fahrer durch ihre Navis fehlgeleitet wurden. Im Februar 2015 fuhr sich ein Transporter in der Straße Weserblick in Todenmann fest, die damals schneebedeckt war. Erst das Technische Hilfswerk und die Ortsfeuerwehr konnten den Kleintransporter befreien; dem Abschleppdienst war dies nicht gelungen. Der Fahrer aus Hannover wollte etwas in der Straße Unter der Frankenburg zustellen und war der Routenempfehlung seines Navis gefolgt. Der Weserblick ist eigentlich eine Anliegerstraße.

Die Todenmanner sind Falschfahrer gewohnt: Auch in der Straße Unter der Frankenburg landen immer wieder Lkw und Lieferdienste, die nach einer Abkürzung suchen.

Auch die Steinberger sind durch die Dauerbaustelle auf der Bundesstraßen-Kreuzung Leid gewohnt: Immer wieder fahren Autos und Lkw durch die Wohngebiete auf der Suche nach einem direkten Weg nach Hameln.

Deshalb wird beim Einrichten einer Baustelle sofort das Schild „Navis aus! Umleitung folgen“ aufgestellt. Das hat einen aktuellen Hintergrund, erklärt Markus Brockmann, Leiter der Geschäftsstelle Hameln der Landesstraßenbaubehörde. „Es gibt zwar spezielle Navigationsgeräte für Lkw, doch viele Lkw nutzen Navis für Pkw.“ Lkw-Geräte berechnen andere Routen – jene, die für Lastwagen auch befahrbar sind, bei denen Straßen breit genug und Brücken hoch genug sind. Pkw-Navis hingegen zeigen dem Fahrer nur die gewöhnlichen Routen an.

„Außerdem sollte man immer im Kopf haben, dass die Karten-Software Fehler beinhalten kann“, so Brockmann. So können Treppen, Parkhäuser oder Feldwege als direkte Routen ausgewiesen sein. Ein Klassiker: Fahrzeuge landen mitten auf einem Verkehrskreisel, weil der in der Karte des Navigationsgerätes noch nicht verzeichnet war. Gerade wenn in den Geräte-Optionen „kürzester Weg“ eingetippt ist, wird das Navi diesen auch anzeigen – auch wenn es sich hierbei um eine Feldmark handelt.

Und auch wenn ein Navi Baustellen erkennt: Die richtigen Umleitungen kennt es deshalb noch nicht, so Brockmann. Gemeinden können sich übrigens an die Kartenhersteller wenden und beantragen, dass wiederkehrende Fehler oder nicht verzeichnete Routen aktualisiert werden.

Zwar verfügt jedes Bundesland über eine sogenannte Verkehrsmanagementzentrale, die aktuelle Verkehrsmeldungen per UKW aussendet, sodass diese von Navis empfangen werden können. „Aber auch das klappt nicht immer flächendeckend“, so Brockmann. Und auch hier werden zwar Sperrungen angezeigt, aber nicht die passenden Umleitungen.

Er könne jedem Fahrer nur raten, gegenüber dem Navi auch mal „kritisch“ zu sein, so Brockmann, und ab und zu doch auf die Karte zu gucken. Und sich bei Umleitungen an Schildern zu orientieren.

Der festgefahrene Lkw vom Montag konnte schließlich gegen 19 Uhr, nach rund 13 Stunden, aus seiner misslichen Lage befreit werden. Nachdem zwei Lkw ihn nicht herausziehen konnten, sondern selber befreit werden mussten (wir berichteten), und es auch ein Vierachser mit Allrad nicht schaffte, wurde schließlich über die Spedition ein Bagger herangeschafft. Der entlud das geladene Glas in den Anhänger eines Traktors, damit der Lkw selber leichter wurde. Anschließend konnte der Bagger den 40-Tonner zurück auf den Grenzweg ziehen.

Noch am Montag war auch die Stadt zur Stelle, um den Schaden zu begutachten, da es sich bei dem Feldweg um einen städtischen Wirtschaftsweg handelt. Neben dem stundenlangen Einsatz von Personal und Fahrzeugen wurden der Weg sowie eine Böschung zerwühlt, zudem mussten eine Hecke sowie ein Zaun entfernt werden. Auch der Bauhof musste ausrücken, um den Schlamm von der Alten Todenmanner Straße zu entfernen. Wie viel dies alles kosten wird, konnte Volker Kierat vom Bauamt am Dienstag noch nicht sagen – die Schadenssumme wird noch zusammengerechnet.

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