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Reichspogromnacht vor 75 Jahren

Immer wieder mahnen und erinnern

BÜCKEBURG.In einer Feierstunde wurde heute Mittag am Gedenkstein hinter dem Stadthaus an die jüdischen Mitbürger erinnert, die unter dem Naziterror gelitten haben oder in den Vernichtungslagern getötet wurden. Zum 79. Mal jährt sich heute die Reichpogromnacht, in der auch in Bückeburg Juden gequält und beraubt wurden.

veröffentlicht am 09.11.2017 um 14:16 Uhr
aktualisiert am 09.11.2017 um 17:10 Uhr

Am Gedenkstein hinter dem Stadthaus wurde an die jüdischen Mitbürger erinnert, die unter dem Naziterror gelitten haben oder in den Vernichtungslagern getötet wurden. Foto: kk
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Karsten Klaus Redakteur zur Autorenseite
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„Gerade die Jugend muss sich vergegenwärtigen, welche Schuld Deutschland auf sich geladen hat“, sagte Bürgermeister Reiner Brombach Donnerstagmittag anlässlich der Gedenkfeier zur Erinnerung an das grausame Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürger Bückeburgs. Sein Blick richtete sich dabei besonders auf eine Gruppe junger Leute, die den Altersdurchschnitt der recht gut gesuchten Feierstunde erheblich senkten: Adolfinum-Schulleiter Michael Pavel war mit seinem Kurs „Werte und Normen“ zur Gedenkstunde gekommen – Unterricht einmal ganz praktisch und sicherlich Grundlage engagierter Gespräche in der nächsten Schulstunde.

Vor 79 Jahren wurden während der Pogromnacht auch in Bückeburg Juden beraubt und gequält, ihre Synagoge geplündert. Viele ehrbare Bürger sahen weg, viele waren beteiligt. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Der Lebensweg vieler jüdischer Bürger endete in den Vernichtungslagern der Nazis. „Das ist niemals wiedergutzumachen“, führte Brombach aus, bevor er im Namen der Stadt am Gedenkstein hinter dem Stadthaus einen Kranz niederlegte. Allerdings müsse man daraufhinwirken, dass sich derartige Verbrechen niemals wiederholten. Darum das stetige Erinnern, darum diese Gedenkfeier.

Pastor Dr. Wieland Kastning erinnerte in seiner Ansprache sich zunächst an ein ausgesprochen freudiges Ereignis: Er habe in diesem Jahr gemeinsam mit einer jüdischen Kantorin auf dem Gut Remeringhausen ein evangelisch-jüdisches Ehepaar getraut. Eine Zeremonie mit Symbolcharakter, ein Zeichen der Hoffnung? Ja, sicher. Ein Zeichen dafür, dass jüdische Mitbürger wieder ihren festen allgemein respektierten Platz in unserer Gesellschaft haben? Nein, leider nicht, so Kastning: Immer noch gebe es Anfeindungen, und das nicht nur in der Anonymität von Chaträumen im Internet. „Darum brauchen wir die Erinnerung,“ sagte der Pastor. Und: „Das kollektive Stadtgewissen in Bückeburg muss wach bleiben!“

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Posauenchor Bückeburg.

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