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Insolvenzverwalter will Dampf machen

Immobilienfonds Schaumburg-Lippe ist pleite

BÜCKEBURG. Der Immobilienfonds Schaumburg-Lippe ist pleite. Der Insolvenzverwalter will das „Drama“ rund um die alten Villen an der Georgstraße sowie in Bad Eilsen „schnellstmöglich“ beenden. Geschäftsführer Sven Morawe wollte in den Villen sowie Neubauten hochwertige Eigentumswohnungen verwirklichen.

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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

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BÜCKEBURG. Hochwertige Eigentumswohnungen in zwei Neubauten und zwei sanierte denkmalgeschützte Villen in bester Lage an der Georgstraße im Schlossbereich sollten entstehen. Außerdem wurden fünf alte Villen in Bad Eilsen und Obernkirchen gekauft, um auch diese zu sanieren und als hochwertige Eigentumswohnungen zu verkaufen. „Prestigobjekte“, wie es der Geschäftsführer des Immobilienfonds Schaumburg-Lippe GmbH & Co. KG, Sven Morawe, Anfang 2013 umriss, als er nach und nach die Villen aufgekauft hatte und mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit ging.

Daraus wird nun nichts mehr. Über den Immobilienfonds Schaumburg-Lippe hat das Amtsgericht Bückeburg diese Woche das Insolvenzverfahren eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde der Hannoveraner Fachanwalt für Insolvenzrecht, Manuel Sack, bestellt, der nach eigenen Angaben jetzt „schnellstmöglich“ die noch im Gesellschaftsvermögen verbliebenen Immobilien verwerten will. „Damit das Drama endlich ein Ende hat“, wie er es im Gespräch mit unserer Zeitung formulierte. Die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft sei eindeutig gegeben. Für die Objekte, insbesondere für die Immobilien an der Georgstraße, gebe es einige Interessenten. Er gehe davon aus, dass er in den kommenden zwei Monaten bereits Vollzug melden könne.

Zwei der Immobilien der Gesellschaft – Villen an der Eilsener Straße in Obernkirchen – sind bereits Anfang der Woche vom Amtsgericht Bückeburg auf Antrag der Gläubigerbank versteigert worden. Für 197 000 Euro erhielt ein Investor aus Bad Nenndorf nach einem Bietergefecht mit einem Investor aus Bückeburg den Zuschlag.

  • Sollen schnellstmöglich vermarktet werden: die Villen in Bad Eilsen.
  • 2013 war die Welt noch in Ordnung, als Geschäftsführer Sven Morawe seine Pläne für die Georgstraße vorstellte. Foto: Archiv/rc
  • Sind bereits versteigert: zwei Villen in Obernkirchen.

Der Insolvenzverwalter bestätigte Informationen unserer Zeitung, wonach die Hauptgläubigerbank auch für die zwei Objekte in Bückeburg und die drei Objekte in Bad Eilsen die Versteigerung betreibt. Gutachten über die Verkehrswerte liegen nach unseren Informationen bereits vor, Versteigerungstermine sind noch nicht festgelegt. Wie der Insolvenzverwalter sagte, wolle er die Immobilien vorher verwerten und es nicht zu Versteigerungsverfahren kommen lassen.

Bei der Suche nach Investoren und potenziellen Käufern der Wohnungen war es immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Mal seien Investoren abgesprungen, mal gab es nach Angaben von Geschäftsführer Sven Morawe Verzögerungen durch langwierige Abstimmungsgespräche mit Ämtern, Behörden oder aber den Denkmalschützern. Ende Oktober 2013 rückten zwar an der Georgstraße Bagger an, um eine nicht unter Denkmalschutz stehende alte Scheune abzureißen. Außer dass anschließend das gesamte Gelände mit einem mobilen Metallzaun umzäunt wurde, passierte aber weiter nichts. Die Fläche verwilderte, wurde den Bückeburgern mehr und mehr ein Dorn in Auge und mit wilden Plakatierungen zum Schandfleck an der Einfahrt zum Schlossbereich.

Bis zuletzt hatte Sven Morawe gehofft, die drohende Pleite noch abwenden zu können. Mehrfach verwies er in Gesprächen darauf, dass er in aussichtsreichen Gesprächen mit einer Immobiliengesellschaft eines bekannten deutschen Fußballprofis stehen würde, die in die Objekte an der Georgstraße investieren wolle. Er dürfe aber keine weiteren Auskünfte geben.

Dass Morawe das Wasser bis zum Hals steht, war Mitte Dezember mehr als deutlich geworden, als im überfüllten Saal des Amtsgerichts sein Privathaus zu einem Verkehrswert von 125 000 Euro zur Versteigerung anstand. Schlussendlich bot die Gläubigerbank, die Volksbank in Schaumburg, 140 000 Euro für das Objekt. Der Zuschlag ist wegen eines vom Anwalt Morawes gestellten Vollstreckungsschutzantrages bis heute nicht erteilt, da ein Sachverständigengutachten über mögliche gesundheitliche Auswirkungen der Versteigerung noch aussteht.

Mit Eilanträgen hatten Sven Morawe und sein Anwalt versucht, auch eine einstweilige Einstellung des Verfahrens zu erreichen. Zudem wurden kurzfristig interne Pacht- und Mietverträge vorgelegt.

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