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Schulleiterin Claudia Buschke hofft auf konstruktive Vorschläge / Es geht um die Rintelner Kinder

Inklusion: So reagiert die Politik

Jetzt hat sich auch die Politik zum Thema Inklusion von emotional-sozial auffälligen Kindern geäußert. Man will sich um bessere räumliche und personelle Ausstattungen der Schulen kümmern.Ein Pool mit Schulbegleitern wird bevorzugt diskutiert.

veröffentlicht am 13.09.2017 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 13.09.2017 um 19:13 Uhr

Die Rintelner Grundschulen sollen räumlich und personell besser ausgestattet werden, damit Inklusion funktioniert. SymbolFoto: dpa
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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RINTELN/DECKBERGEN. Der Hilferuf der Rintelner Grundschulen nach Sozialarbeitern, Schulbegleitern und besserer räumlicher Ausstattung, um den Anforderungen der Inklusion auch im Bezug auf Kinder mit emotional-sozialer Auffälligkeit gerecht zu werden, hat eine regelrechte Lawine ausgelöst.

„Bei mir hat in den vergangenen Tagen das Telefon nicht mehr still gestanden“, sagte Claudia Buschke, Leiterin der Grundschule Deckbergen. Sie möchte noch einmal deutlich machen, dass sie mit ihrem Anliegen keine Einrichtung bloßstellen will, keine Kinder stigmatisieren und auch Gewalt an Grundschulen nicht thematisieren möchte. „Wir jammern nicht und dieser Hilferuf ist auch keine Bankrotterklärung, sondern wir möchten klarstellen, dass wir hier an unsere Grenzen mit der Umsetzung der Inklusion stoßen. Eine Rampe für ein Kind mit körperlicher Behinderung zu bauen ist etwas völlig anderes, als die pädagogische Betreuung von Kindern mit emotional-sozialer Auffälligkeit sicherzustellen“, so Buschke. In diesem Punkt seien die Grundschullehrer alleine überfordert. Lehrkräfte hätte sie in ausreichender Zahl an der Schule, aber Sozialarbeiter und Schulbegleiter fehlen, um Inklusion für alle erfolgreich umsetzen zu können. „Und das muss man einfach mal sagen dürfen“, so Buschke. Ihr sei bewusst, dass in heimischen Wohnzimmern derzeit viele Leserbriefe geschrieben würden. „Ich hoffe dabei auf konstruktive Vorschläge“, sagte Buschke.

„Als Schulträger ist die Stadt Rinteln zwar ,nur‘ für die räumliche Ausstattung der Grundschulen zuständig, aber hier geht es um Rintelner Kinder und dafür werde ich mich auch auf Kreis- und Landesebene mit der nötigen Deutlichkeit einsetzen“, sagte Bürgermeister Thomas Priemer auf Anfrage unserer Zeitung. Er habe bereits vor zwei Wochen beim regelmäßig stattfindenden Treffen der Schulleiter erfahren, dass der Fortgang der Inklusion an den Rintelner Grundschulen noch nicht im gewünschten Umfang erfüllt ist. „Die Verbesserung der baulichen Situation soll besonders aufgegriffen werden“, so Priemer. Dafür werde eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Schulleitern, Vertretern des Baudezernates und des Schulamtes sowie dem Bürgermeister gebildet. Eine räumliche Bestandsanalyse soll bis Ende des Jahres gemeinsam erörtert werden.

„Hier geht es um Rintelner Kinder und dafür werde ich mich mit der nötigen Deutlichkeit einsetzen. Thomas Priemer Bürgermeister Stadt Rinteln
  • „Hier geht es um Rintelner Kinder und dafür werde ich mich mit der nötigen Deutlichkeit einsetzen. Thomas Priemer Bürgermeister Stadt Rinteln

„Dazu werden zunächst das Schulamt und das Baudezernat die entsprechenden Vorarbeiten leisten“, so Priemer. Thematisiert wurde aber auch die personelle Ausstattung in den Schulen. „Erkennbar sind erhebliche Probleme mit Kindern, die emotional-soziale Auffälligkeiten mitbringen“, so Priemer.

Dafür sei jedoch das Jugendamt des Landkreises zuständig. Nach unserer Berichterstattung vom 12. September hat der Bürgermeister Gespräche mit verschiedenen Beteiligten geführt. „Ungeachtet der Tatsache, welche Zuständigkeiten bei der Stadt Rinteln liegen, werde ich kurzfristig Kontakt mit der Landesschulbehörde und dem im Landkreis Schaumburg eingerichteten Regionalzentrum Inklusion aufnehmen, um zusätzliche Sozialpädagogische Fachkräfte für die Grundschulen in Rinteln einzufordern“, versprach Priemer.

Bekanntermaßen habe die Landesregierung Entscheidungen getroffen, um Sozialarbeiter in die Schulen im Zuge der Inklusion zu bringen. „Diese Entscheidung muss nun auch wahrnehmbar in den Grundschulen umgesetzt werden“, fordert Priemer. Ebenso sei in dem Gespräch deutlich geworden, dass es an Schulbegleitern fehlt und diese erst nach einem langwierigen Verfahren vom Jugendamt des Landkreises eingesetzt werden. Auch Priemer unterstützt daher die Bereitstellung eines „Pools“ an Schulbegleitern. „Dazu bedarf es jedoch eines generell anderen Verfahrens. Individuallösungen sind zeitlich zu aufwendig“, so der Bürgermeister, der kurzfristig Gespräche mit der Landesschulbehörde und dem Landkreis aufnehmen wird, um die Vorstellungen der Stadt Rinteln zeitnah umzusetzen.

Auch in der Stadtpolitik hat unsere Berichterstattung Wellen geschlagen. SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Teigeler-Tegtmeier betont, sie habe von einzelnen Problemfällen ebenfalls schon gehört. „Es wird in manchen Klassen mehr diszipliniert als unterrichtet“.

In erster Linie sieht sie den Landkreis (für die Schulbegleiter) sowie das Land Niedersachsen in der Pflicht. Da die Stadt aber baulicher Träger der Grundschulen sei, wolle sie sich etwaigen Lösungen nicht versperren. Bisher sei aber niemand mit konkreten Problemstellen an sie herangetreten.

CDU-Fraktionsvorsitzender Veit Rauch verweist darauf, dass man jetzt die Konsequenzen einer verfehlten Schulpolitik hautnah erlebe.

Ralf Kirstan von der FDP bläst in das gleiche Horn. Bei der Inklusion habe man das „Kind mit dem Bade ausgeschüttet, und das sind jetzt die Konsequenzen.“ Die UN-Behindertenrechtskonvention sei seiner Meinung nach mehr auf Länder der Dritten Welt gemünzt. „Daraus lässt sich nicht ableiten, dass man ein funktionierendes Fördersystem wie es in Deutschland existierte, zerschlagen müsse.“

Angesprochen auf die von Schulleitern und Sozialarbeitern angeprangerten fehlenden Räume, hat er eine mögliche Lösung. Man müsse dann eben nach Räumen suchen, die möglicherweise entbehrlich seien. Etwa, weil sie für AGs oder Zusatzangebote genutzt werden. „Man wird nicht umhinkommen, Möglichkeiten zu finden.“

Noch weiter geht Heinrich Sasse (WGS). Er ist auch Ortsratsmitglied in Deckbergen, hat daher die dortige Grundschule speziell im Auge. Es gäbe in direkter Nachbarschaft noch Gebäude in städtischer Hand, sowie eine größere Rasenfläche direkt neben der Schule, die ebenfalls der Stadt gehört. „Wenn uns gar nichts mehr einfällt, müssen dort Container hin“, so Sasse.

Auf jeden Fall müssten jetzt schnell Lösungen gefunden werden, dafür wolle er sich beim Landkreis und den wahlkämpfenden Landtagsabgeordneten stark machen. „Wann, wenn nicht jetzt?“

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