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Tim Gersonde (21) erzählt von „Radio Rinteln“

Internetradio für Rinteln: Ein Lebensprojekt

RINTELN. Selten ist ein so junger Mensch wie der 21-jährige Tim Gersonde Gast im „Erzählcafé“ des Museums Eulenburg. Vor zwei Jahren gründete er das Internetradio „Radio Rinteln“, und hat damit schon einige Hochs und Tiefs erlebt.

veröffentlicht am 14.01.2018 um 13:02 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 12:03 Uhr

Der erst 21-jährige Tim Gersonde schildert im „Erzählcafé“, wie er dazu kam, das „Radio Rinteln“ ins Leben zu rufen. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

RINTELN.Selten ist ein so junger Mensch wie der 21-jährige Tim Gersonde Gast im „Erzählcafé“ des Museums Eulenburg. Schließlich geht es bei dieser Veranstaltung darum, dass jemand aus seiner Lebenserfahrung heraus über ein spezielles Thema berichtet. Tim Gersonde kann da aber mithalten. Vor zwei Jahren gründete er das Internetradio „Radio Rinteln“, und hat damit schon einige Hochs und Tiefs erlebt.

In der Runde der älteren Zuhörer musste er zunächst erklären, was ein „Internet-Radio“ eigentlich ist, ein Sender nämlich, den man nicht über ein Radiogerät hören kann, sondern tatsächlich nur übers Internet, also am PC, Tablet oder Smartphone. Kein Wunder, dass niemand der Anwesenden bisher in „Radio Rinteln“ hineingehört hatte. Umso neugieriger waren die Fragen, die an den jungen Radiomacher gestellt wurden. Ein lokales Radio, das neben Musik auch aktuelle Informationen aus Rinteln und dem Weserbergland verbreitet – spannend!

Doch schnell stellte sich heraus: So einfach ist das alles nicht. Das technische Equipment konnte Tim Gersonde, der neben seiner Berufsausbildung auch als DJ und Moderator arbeitet, zwar bereitstellen. Doch braucht man Menschen, die einzelne Sendungen gestalten, und man braucht vor allem Geld, um GEMA-Gebühren zu bezahlen, und den Server, der angemietet werden muss, damit Musik und Wortbeiträge überhaupt übers Internet übertragen werden. Dazu kommen spezielle PC-Programme, mit denen man die „Playlists“ organisiert.

Im ersten Jahr wurde das Radio von der „Stiftung für Rinteln“ finanziell unterstützt. Auch die Stadt zeigte Interesse. Tim Gersonde, sein Kollege Markus, dazu der Schotte Gordon Wilson, der noch immer fast jeden Abend eine Musiksendung auf Englisch moderiert, und einige junge DJs gestalteten das Programm. Die eingesprochenen „News“ stellt die Internetseite „Rinteln aktuell“ zur Verfügung. Stolz erzählt Gersonde davon, wie sie 2016 als eine der Ersten vom Brand in der Bäckerstraße berichten konnten.

In den ersten Monaten habe das Radio über hundert Hörer gehabt, so Gersonde. Über die Anzahl staunen die Erzählcafé-Gäste. Was in den Augen des Radiomachers eine hohe Hörerzahl ist, erscheint ihnen kaum mehr als nichts zu sein. „Na ja“, sagt Gersonde, „die Konkurrenz ist groß, auch wenn die meisten anderen Internetradios der Region höchstens zehn Hörer haben.“ Und dann gibt er zu, dass es aktuell für „Radio Rinteln“ auch nicht viel mehr Interessenten geben dürfte.

Je mehr Gersonde erzählt, desto mehr leuchtet es seinen Zuhörern ein, warum das Radio noch nicht zum Renner werden konnte. Wirklich individuelle Musik kann nur derjenige senden, der über entsprechende Rechte verfügt, sei es, weil er selbst Musiker ist, sei es, weil er die Musik legal erworben hat. Im Moment läuft die meiste Zeit eine unkommentierte „Playlist“ mit Titeln aus den 80er- und 90er- Jahren. Für Nachrichten aus Rinteln und Umgebung müsste jemand täglich am Mikrofon sitzen, und dafür fehlen die Mitarbeiter. Mit Rinteln hat das Radio kaum etwas zu tun.

Trotzdem zeigten die Erzählcafé-Gäste sich fasziniert von der Grundidee eines solchen lokalen Senders. Ob man nicht einen entsprechenden Verein gründen könne, so die Vorschläge; ob es nicht Interessengruppen gäbe, die an der Verbreitung ihrer Themen interessiert wären; ob es wohl möglich wäre, eine UKW-Radiolizenz zu beantragen oder ein Programm, das sich zu festgelegten Zeiten bestimmter Musikrichtungen annähme. Ja, das alles wäre theoretisch möglich. Bisher ist es allerdings nur Gordon Wilson, der mit seinem Schotten-Rock eine Marktlücke besetzt.

Wer mitarbeiten möchte, kann sich über die Webseite von „Radio Rinteln“ (www.rinteln.fm) bewerben. Das benötigte PC-Programm stellt Gersonde zur Verfügung und eine Einarbeitung samt rechtlicher Belehrung gehören natürlich dazu. „Man muss Zuverlässigkeit und Zeit mitbringen“, sagt er. Er habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass „Radio Rinteln“ sich weiterentwickelt. „So etwas ist ja eigentlich ein Lebensprojekt.“

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