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Denkmalschutz sagt ja, Historiker nein, Eigentümer will abreißen, Stadt Zuschuss für Erhalt geben

Ist der Torbogen ein Rest des alten Stadttores?

Bückeburg (rc). Ist der alte Torbogen auf dem Grundstück Schulstraße Nr. 14 nun ein Teil des alten Stadttores und musste daher beim Abriss des Gebäudes stehen gelassen werden? Oder ist es nie Teil des Tores gewesen und daher nicht schützenswert? Die Historiker der Stadt und die Denkmalpflege sind sich uneins darüber. „Nie Teil des Tores gewesen“, sagen die einen. „Eventuell ein kleines Seitentor, das später an das eigentliche Tor angefügt wurde“, sagen die anderen. Die Quellenlage im Staatsarchiv ist unübersichtlich und nicht eindeutig. Es lässt sich also trefflich diskutieren. Eingeweihte sprechen bereits von einem „Historikerstreit“, der hinter den Kulissen brodelt.

veröffentlicht am 05.09.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 19:21 Uhr

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Fakt ist jedenfalls, dass der Mauerrest bereits im Mai 2005 als „Teil der ehemaligen Stadtbefestigung“ vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in das Verzeichnis der Baudenkmale der Stadt Bückeburg aufgenommen worden ist. Vermutlich handele es sich um den letzten Rest des Mauerzuges um die Stadt, schreiben die Denkmalschützer aus Hannover an die Stadt Bückeburg. Der Mauerrest kennzeichne die Lage des sogenannten „Neuen Tores“, das dadurch als ehemaliger südlicher Stadteingang im Verlauf der Schulstraße auch heute noch nachvollzogen werden kann. Der Mauerrest soll daher in das Verzeichnis der Baudenkmale aufgenommen werden. Da 2005 keine ablehnende Stellungnahme in Hannover eingeht, wird der Mauerrest zum Denkmal.

Was – offensichtlich auch nach einem intensiven Hinweis seitens der Stadt – auch beachtet wird, als das Gebäude Nr. 14 im Frühsommer 2012 – größtenteils von Hand – abgerissen wird. Der Torbogen bleibt stehen. Große, im Gebäude und auf dem Grundstück aufgefundene Wakensteine werden zu kleinen Randmauern aufgeschichtet oder zum Abstützen verwendet. Dann wird gepflastert, heute ist dort ein Parkplatz.

Was jetzt im Spätsommer und sieben Jahre nach der Entscheidung der Denkmalpfleger dennoch zu Auseinandersetzungen führt. Die Stadt will den Torbogen erhalten und ist bereit, dem Eigentümer rund 2500 Euro für die Sicherung und Herrichtung als Zuschuss zu geben. „Zu 100 Prozent“, wie Klaus Wolter, Stadtplaner und zuständiger Denkmalpfleger der Stadt, im Gespräch mit unserer Zeitung angesichts der Gepflogenheiten betont, dass private Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden in der Regel kaum und dann nur geringe Zuschüsse von der öffentlichen Hand erhalten.

Nur: Eigentlich will der Eigentümer das nicht – oder nicht mehr, wie er in einem Schreiben an die Stadt ausführt, datiert vom 15. August. Er sei zu dem letzten und endgültigen Beschluss gekommen, dass die Restmauer auf seinem Grundstück auf Kosten der Stadt restlos zu entfernen sei und er die Erhaltung entschieden ablehne. Ansonsten werde er den Rechtsweg in Anspruch nehmen, schreibt er. Dann geht er in den Urlaub, aus dem er erst im Oktober zurückkehren wird.

Derweil kümmert sich Peter Burgmaier aus Bückeburg, nach Eigenangaben „Historische Geschichtsforschung“, um die Angelegenheit. „Mit Vollmacht des Eigentümers“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung bekräftigt. Wie er gegenüber unserer Zeitung sagt, sei dieser Mauerrest niemals Bestandteil des neuen Tores gewesen, sondern Teil einer Gartenmauer. Das könne er durch intensive Recherchen in Unterlagen des Staatsarchives beweisen. „Es gibt keinen schriftlichen oder mündlichen Beweis.“ In den Unterlagen habe er nur Hinweise gefunden, wie das Tor seinerzeit gebaut worden ist. Historische Bilder des Tores würden zudem zeigen, dass das Tor niemals Bestandteil des Hauses Nr. 14 war.

Nach den Recherchen unserer Zeitung und einem Gespräch mit dem Denkmalpfleger der Stadt rückt Burgmaier von den Abriss-Forderungen des Eigentümers ab: „Das Amt für Denkmalpflege hat mich eines Besseren belehrt.“ Die rechtliche Handhabe seitens der Stadt angesichts des Denkmalschutzbescheides sei korrekt. Der „Grundfehler“ liege darin, dass bereits der Vorbesitzer des Hauses Nr. 14 sich nicht um das Relikt gekümmert und es nicht kenntlich gemacht habe. Die Schutzwürdigkeit sei dem heutigen Besitzer beim Kauf des Hauses nicht bewusst gewesen. Es liege nun an ihm, Burgmaier, den heutigen Eigentümer zu überzeugen, den Torbogen nicht abzureißen. Er gehe davon aus, dass im Oktober eine gütliche Einigung erzielt werden könne.

Wie der städtische Denkmalpfleger Klaus Wolter sagt, informiere die Stadt die obere Denkmalschutzbehörde, wenn ein denkmalgeschütztes Haus verkauft wird. Die obere Denkmalpflege wiederum informiere dann den neuen Eigentümer über den Denkmalschutz. Was beim Eigentümerwechsel von Nr. 14 geschehen sei.

Für die Stadt markiere der Torbogen jedenfalls, wo das Tor einst gestanden hat. „Der Torbogen dokumentiert den Standort, unabhängig davon, ob der Torbogen nun Teil des Tores, der Mauer oder der Befestigungsanlage der Stadt war.“ Daher habe sich die Stadt bereit erklärt, die Sicherung und Herrichtung des Bogens komplett zu übernehmen: obwohl der Eigentümer laut Gesetz dazu verpflichtet wäre. Um Besucher über die Bedeutung des Bogens zu informieren, soll eine Info-Tafel angebracht werden.

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