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Bäume im Schlossgarten haben mit Bakterien zu kämpfen

Kastanien werden abgeholzt

STADTHAGEN. Viele Kastanien im Schlossgarten sind von dem Bakterium „Pseudomonas syringae“ befallen. Dieses und weniger die besser bekannte Miniermotte ist laut der städtischen Grünplanerin Nicole Kullmann-Bagcivan die Ursache dafür, dass etliche der Rosskastanien einen kränklichen Eindruck machen.

veröffentlicht am 12.09.2017 um 16:06 Uhr

Künftig sollen Kastanien im Schlossgarten nicht mehr einzeln, sondern abschnittsweise ersetzt werden. FOTO: RG

Autor:

Stefan Rothe
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STADTHAGEN. Das Bakterium befällt die Rinde der Rosskastanien. Es dringt durch Risse ein. Auffällig sind einzelne blutende Stellen am Hauptstamm sowie an den Ästen, die später eintrocknen. Typisch ist die Laubaufhellung infizierter Rosskastanienbäume. Mit zunehmender Erkrankung ist das Welken und Absterben einzelner Äste zu beobachten. In letzter Konsequenz können Bäume vollständig absterben.

„In feuchtwarmen Sommern wie in diesem Jahr ist die Schädigung höher“, erläutert Kullmann-Bagcivan: „Welche Bäume sich stärker dagegen wehren können, ist nicht absehbar.“ Befallen würden nicht nur alte Bäume, sondern auch junge Exemplare. Die Grünplanerin betont: „Fällungen werden erst durchgeführt, wenn der Baum abgestorben ist beziehungsweise eine Gefahr darstellt.“

Mit der Miniermotte kommen die Kastanien nach Darstellung der Expertin hingegen gut klar: „Der Befall stellt eine Belastung für den Baum dar, ist aber kein Todesurteil.“ Da die Motte im herabgefallenen Laub als Puppe überwintert, sollte das Laub eingesammelt und nicht kompostiert werden.

Unter anderem vor dem Hintergrund des Schädlingsbefalls, aber auch weil viele der Rosskastanien im Schlossgarten schon deutlich älter als 100 Jahre sind (das Rekordexemplar weist 160 Jahre auf), gibt es in der Stadtverwaltung Überlegungen, den Baumbestand sukzessive zu ersetzen. „Bei vielen der Bäume ist mit Blick auf die Lebenserwartung nicht mehr viel Luft nach oben“, spitzt der städtische Bauamtsleiter Gerd Hegemann zu.

Im kommenden Jahr werde die Verwaltung ein Gestaltungskonzept für den gesamten Schlossgarten vorlegen, kündigt Hegemann an. Ein Teil davon werde sich dem Baumbestand widmen.

Bisher seien einzelne Kastanien gefällt worden, wenn sie nicht mehr zu retten waren und eine Zeitlang durch junge Exemplare ersetzt worden. Doch damit habe man schlechte Erfahrungen gemacht: „Die jungen Kastanien wurden nicht groß, weil sie im Schatten der benachbarten großen Exemplare standen, die ihnen auch die Nährstoffe nahmen“, erklärt Hegemann. Daher wurden seit einiger Zeit gar keine Bäume mehr nachgepflanzt, wodurch charakteristische Lücken entstanden.

In Zukunft will die Stadtverwaltung beim Ersatz der alten Rosskastanien über einen längeren Zeitraum „blockweise vorgehen“, wie Hegemann formuliert. Das werde dafür sorgen, dass Nachpflanzungen besser gedeihen und zudem abschnittsweise „ein einheitliches Bild entsteht“. Wegen ihrer Anfälligkeit sollen im Schlossgarten dann aber keine Kastanien mehr nachgepflanzt werden. Auf welche Baumart(en) man in Zukunft zurückgreifen wird, ist laut Hegemann allerdings noch unklar. Derzeit liefen wissenschaftliche Untersuchungen, welche Baumarten für den Standort Schlossgarten am besten geeignet sind.

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