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"Western Union" verwandelt Marktplatz in einen Country-Saloon

Keiner räumt ab wie Larry Schuba

Rinteln (ur). Zugegeben, ernsthafte Konkurrenz hatte Countrystar Larry Schuba mit seiner Band "Western Union" am Samstagabend beim Stadtfest ohnehin nicht: Die als "Angebot an die Jugend" gedachte "Aktionspyramide" einer hannöverschen Hausbrauerei erwies sich als höchst mittelmäßige Disse mit einigermaßen peinlichen Animationsversuchen.

veröffentlicht am 14.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Momentaufnahme von der hohen Kunst, auf einer Pedal-Steel-Gitarr

Und die aus Leipzig stammende Tanzkapelle auf dem Kirchplatz erfüllte zwar alle Ansprüche an eine Zeltband für den Vorabend dörflicher Schützenfeste, konnte aber kaum die Erwartungen erfüllen, die man an den "Top-Act" eines Stadtfests stellen muss. Dennoch kann es sich der in jeder Hinsicht gewichtige Entertainer aus Berlin-Brandenburg getrost als Triumph anrechnen, dass er auf dem Marktplatz weitüber tausend Zuschauer ab 21 Uhr bis nach Mitternacht fast pausenlos in seinen Bann schlug. "Heute mache ich euch alle fertig!" verkündete Urvieh Schuba schon zum Auftakt, nachdem sich die stilecht kostümierten Line-Dancer der Schaumburger Tanztruppe "Linke Füße" mit ihrem Vorprogramm verabschiedet hatten. Und bewies danach, dass das keine leere Drohung war. Die Western Union-Hits wie "Auf der Autobahn" und "Ich möcht so gern nach Nashville" wechselten mit pointierten und dennoch höchst respektvollen Parodien auf Johnny Cash und andere Stars der "Gran ol Opry" und selbst vor Persiflagen auf Pavarotti, Herbert Grönemeier, Joe Cocker und Udo Lindenberg machte Schuba nicht halt. Zwischendurch entführten die auch instrumental bestens aufgestellten Berliner ihr Publikum auf die "Route 66", ließen es rockig krachen und setzten dann wieder mit überwiegend deutsch gesungenen Balladen voller Melancholie zur emotionalen Großoffensive an: "Danke, dass Ihr uns auch Gelegenheit dazu gebt", schworder Country-Entertainer sein Publikum auf diese ruhigeren Beiträge ein. Allzu viel Sentimentalität ließ Schuba dabei aber nicht aufkommen - zumindest nicht über längere Zeit: Mit professioneller Gelassenheit und routinierter Frechheit ging er mit seinen Zuhörern auch in den verbalen Clinch und servierte allerhand derbe Sprüche, ohne dabei die Grenze zur Publikumsbeschimpfung zu überschreiten. Zitate gefällig? "Wenn bei dir das Deo versagt, musst du halt als Typ überzeugen - aber kannst du das?" oder auch an die Damen gewandt: "Auf alle Typen in dieser Band müsst ihr warten - mich könnt ihr gleich haben. Ich bin kein Mann für eine Nacht. Zwei Stunden sind genug!" Zwischendurch erzählte er von abenteuerlichen bis amüsanten Erlebnissen auf Tour - immerhin kann Western Union im nächsten Jahr 40 Jahre Bühnenpraxis feiern und da fehlt es auch nicht an kleinen Sticheleien gegenüber Kollegen wie Tom Astor und "die alten Männer aus Hamburg". Bei diesen Plaudereien ließ Schuba sich auch durch den kleinen Alleinunterhalter Jimmy Green nicht irritieren, der mit seinen Klängen aus der Weserstraße zumindest zeitweise dazwischenfunkte: "Dafür ist der Mond über Rinteln doch viel zu schön..." Zugaben gab es trotz aller Begeisterung auf dem Marktplatz nur in Kurzversion: "Um Mitternacht ist Schluss, das mussten wir der Stadt versprechen - und nachdem wir fast vier Jahrzehnte auf der Autobahn an Rinteln vorbeigefahren sind ohne hier aufzutreten, wollen wir es uns mit den Veranstaltern für die nächsten Jahre nicht verscherzen!" Sie werden wohl wiederkommen, na sicher...

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