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Jura-Student Pascal Stüber aus Lindhorst tritt zur Bundestagswahl für die Alternative für Deutschland an

Kühler Kopf mit Ambitionen

LANDKREIS. Mit Duktus, Anzug und Auftreten hat Pascal Stüber mehr mit einem Routinier der Bundespolitik gemein, als mit einem Studenten am Beginn seines Werdegangs. Doch der politische Neuling aus Lindhorst, der sich am 24. September für die AfD zur Wahl stellt, ist erst 20 Jahre alt und studiert Rechtswissenschaft

veröffentlicht am 15.09.2017 um 16:20 Uhr

Mußestunden im heimischen Garten gibt es für Pascal Stüber nur noch selten. foto: geb

Autor:

Gerrit Brandtmann
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LANDKREIS. Mit seinem Duktus, seinem Anzug und seinem ganzen Auftreten hat Pascal Stüber mehr mit einem Routinier der Bundespolitik gemein, als mit einem Studenten am Beginn seines Werdegangs. Doch der politische Neuling aus Lindhorst, der sich am 24. September für die Alternative für Deutschland (AfD) zur Wahl stellen wird, ist tatsächlich erst 20 Jahre alt und studiert Rechtswissenschaft in Osnabrück.

Besonders die Chance, sich als junger Mensch mit eigenen Ideen durchsetzen zu können, habe ihn vor drei Jahren dazu bewogen, in die erst ein Jahr zuvor gegründete AfD einzutreten und auch in deren Jugendverband „Junge Alternative“ aktiv zu werden. „Gerade in den Debatten um die Bildungspolitik der Partei konnte ich mich gut einbringen“, sagt Stüber. Sein Abitur am Wilhelm-Busch-Gymnasium (WBG) in Stadthagen hatte er – gerade 18 Jahre alt – nach zwölf Schuljahren absolviert. Statt des Hin und Her beim Wechsel zwischen G 8 und G 9 würde er lieber einen Übergang mit Wahlmöglichkeit für Schüler zwischen den Modellen einrichten, die Oberschulen aufwerten und praxisorientierter gestalten. Seinen eigenen Jahrgang am WBG erlebte er als unpolitisch und auch der Politik-Unterricht sei eher eine Auseinandersetzung mit abstrakten Konstrukten ohne Beispiele aus der Tagespolitik gewesen. „Erst Brexit und Trump haben viele in meiner Generation aufgeschreckt und politisiert“, sagt Stüber. Bei den gleichaltrigen Wählern sieht er für seine Partei mehr Potenzial als bei den 20- bis 40-Jährigen und vermutet: „Vielleicht werden einige aus Sympathie ihr Kreuz bei mir machen.“ In seinem Freundeskreis habe er für sein AfD-Engagement keine Anfeindungen einstecken müssen – wohl auch, weil sich der Lindhorster nicht gerne hinreißen lässt. „Ich bin kein großer Protestpolitiker, der mit Floskeln um sich wirft. Ich gehe lieber ruhig und mit kühlem Kopf in die Diskussion und bleibe bei den Fakten“, so Stüber.

Bei der Wahl des Studienortes hatte der werdende Jurist vor zwei Jahren Osnabrück gegenüber Hannover den Vorzug gegeben, weil er sich dort heimischer fühlte. „Die juristische Fakultät hat einen besseren Ruf und das Stadtbild ist ländlicher, vom Charakter ein Mittelwert zwischen Hannover und Stadthagen“, erklärt Stüber. Mit Unterstützung seiner Eltern konnte er dort eine Zweizimmerwohnung mieten. Im Lindhorster Elternhaus nutzt er nur noch ein spärlich möbliertes Zimmer, wenn er für den Besuch am Wochenende oder die Parteivorstandssitzungen mit der Bahn heimkehrt. Eine Leidenschaft, die er von zu Hause mit in die Universitätsstadt genommen hat, ist der Fußball. Wegen zwei Knieverletzungen tauschte er allerdings noch beim SVD Auhagen Spieler-Trikot gegen Schiedsrichter-Kluft und Pfeife. „Rund 100 Spiele bis zur Kreisklasse habe ich mittlerweile gepfiffen“, erzählt der Hobby-Schiri.

Hinter seinem politischen Engagement werde das Hobby aber zurückstecken müssen. „Bei der Aufstellung der AfD-Landesliste habe ich in der Abstimmung den Platz 10 leider um ein paar Stimmen verpasst.“ Somit begnügte sich Stüber mit dem Direktmandat – vorerst, denn auch bei der Aufstellung für die Landtagswahl werde er wieder in die Offensive gehen. „Es wäre traurig, wenn bei beiden Wahlen kein einziger Vertreter der Jungen Alternativen einen Listenplatz bekommen sollte“, findet er. Sollte der Student tatsächlich einmal ein Parlamentsmandat erringen können, würde er sich ein Urlaubssemester für die Einarbeitung gönnen und danach in Absprache mit seiner Fraktion sein Studium wieder aufnehmen wollen.

Doch zunächst sind Wahlkämpfer-Qualitäten gefragt, dabei bekommen AfD-Aktivisten auch in Schaumburg viel Gegenwind. „Beim Verteilen von Handzetteln wird man schon einmal beschimpft oder für das Aufhängen von Plakaten im Vorbeifahren angehupt. Manche reagieren auch nur mit einem norddeutschen Kopfschütteln“, so Stüber. Bei den Stammtischen der Partei dagegen nehme der Nachwuchspolitiker bei den Bürgern viel Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik wahr. Anders als von seiner Couleur erwartet, finde er sich mit seinem Argumentationsstil keineswegs immer am rechten Rand der Debatte wieder. „Ich habe erlebt, das Vertreter anderer Jugendverbände auf Podien zur Flüchtlingsfrage schon krassere Thesen vorgebracht haben als ich“, so Stüber. Auch der erfahrene CDU-Mitbewerber Maik Beermann habe ihm schon „rationale Ansichten, aber die falsche Partei“ attestiert.

Überhaupt ist der AfD-Wahlkampfschlager Flüchtlinge nicht das Thema, mit dem sich Stüber aus der Reserve locken lässt. „Ich will objektiv bleiben, mich nicht von den großen Bildern beeinflussen lassen“, sagt er. Für diffuse Leitkulturdebatten ist der Konservative ebenfalls nicht zu haben. Die Deutsche Sprache müsse nach seiner Auffassung auch in Zukunft die gemeinsame Grundlage bleiben, auch bekennt er sich grundsätzlich zum Patriotismus. „Wir sollten uns als Partei aber nicht nationalistisch aufstellen. Bei unseren Stammtischen ziehe ich eine klare Grenze zu denen, die den Nationalsozialismus in irgendeiner Art rechtfertigen wollen“, sagt Stüber.

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