weather-image
12°
Dominik Scholz übernimmt Bäckerei seiner Eltern / „Was wir nicht selber machen, verkaufen wir auch nicht“

Landbäckerei Scholz: Weil Brot nicht gleich Brot ist

DECKBERGEN. „Machen Sie das auch wirklich selber?“, wird Dominik Scholz fast täglich gefragt. Eine Frage, die der Jungunternehmer jedes Mal mit einem klaren „Ja“ beantworten kann. „Was wir nicht selber machen können, das verkaufen wir auch nicht“, erklärt der Bäckermeister, der Anfang des Jahres die Landbäckerei Scholz in Deckbergen von seinem Vater übernommen hat.

veröffentlicht am 15.02.2017 um 14:15 Uhr
aktualisiert am 15.02.2017 um 18:26 Uhr

270_0900_32833_scholz_2_1461915763.jpg
DSC_8809

Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

DECKBERGEN. „Machen Sie das auch wirklich selber?“, wird Dominik Scholz fast täglich gefragt. Eine Frage, die der Jungunternehmer jedes Mal mit einem klaren „Ja“ beantworten kann. „Was wir nicht selber machen können , das verkaufen wir auch nicht“, erklärt der Bäckermeister, der Anfang des Jahres die Landbäckerei Scholz in Deckbergen von seinem Vater übernommen hat.

Schon in den Jahren davor ist der 28-Jährige in die wesentlichen Entscheidungen des Betriebs maßgeblich involviert gewesen. Die Chemie zwischen den Eltern und dem Nachfolger müsse passen, sonst gebe es beim Übergang in die nächste Generation nur Probleme. „Mein Vater ist Bäcker mit Leib und Seele“, betont Scholz. Daher helfe er im Betrieb auch weiter aus.

Sein Handwerk hat Scholz von der Pike an im elterlichen Betrieb gelernt. „Ich kenne jeden einzelnen Produktionsschritt und kann ihn unseren Kunden erklären“, so Scholz, der seinen Fokus auf den direkten Kundenkontakt legt. Daher ist er an den meisten Tagen direkt vor Ort, mit dem Verkaufswagen auf den Wochenmärkten in Bückeburg, Hameln und Minden. „Unsere Kunden schätzen den Kontakt und fragen durchaus kritisch nach.“

Nicht nur, dass in der Landbäckerei Scholz sämtliche Brote nach eigenem Rezept von Hand angefertigt werden, auch bei den Süßspeisen setzt der Traditionsbetrieb auf das „Selbermachen“. Deswegen befindet sich neben Scholz als Bäckermeister auch noch ein angestellter Konditormeister im Zehn-Mann-Betrieb. Vom Teig über die Füllung bis hin zum selbst gekochten Pudding behalten Scholz und seine Mitarbeiter jeden Schritt der Produktion im eigenen Haus. „Fertigware gibt es hier nicht.“ Und fast alles sei weiterhin Handarbeit – „Viele Teige führen wir so weich, dass Maschinen diese schlicht nicht verarbeiten können. Dadurch erhalten wir unsere unglaublich saftigen Backwaren.“

Diese Produktionsweise limitiert allerdings auch: „Ich werde immer wieder gefragt, ob wir nicht in Hameln oder Minden eine zusätzliche Filiale eröffnen könnten“, so Scholz. Aber viel größere Produktionsmengen seien bei konsequenter Handarbeit eben nicht drin.

Statt in eine Expansion investiert Scholz lieber in den Bestand. Im vergangenen Jahr wurden Sozial- und Kühlräume neu errichtet, in der Zukunft stehen vor allem energieeffizientere Geräte auf dem Investitionsplan. „Das Backen ist eben sehr energieintensiv“, weiß Scholz. Den Unternehmer trifft daher die EEG-Umlage ganz besonders, von der seine bundesweit agierende Konkurrenz teilweise befreit sei. Auch beim Thema Mindestlohn wünscht Dominik Scholz sich ein Umdenken der Politik. „Hier wurden alle Unternehmer unter Generalverdacht gestellt.“ Die umfangreiche Bürokratie binde dabei unnötig viel Arbeitskraft. Denn neben dem Alltagsgeschäft ist die Landbäckerei auch ein Ausbildungsbetrieb. Derzeit werden zwei junge Menschen zu Bäckergesellen ausgebildet. Neben dem eigenen Laden, der nicht nur von der heimischen Kundschaft, sondern auch von vielen Durchreisenden frequentiert wird, sind die beiden Verkaufswagen und die Wochenmärkte der Region ein wichtiges Standbein des Unternehmens. Vom Backmischungs-Einheitsbrei hält der erklärte Selbermacher nichts. „Das kann am ersten Tag vielleicht noch schmecken“, sagt Scholz, „aber gutes Brot erkennt man daran, dass es auch am zweiten und am dritten Tag noch schmeckt.“ Außerdem gehe laut Scholz durch Fertigprodukte die Individualität verloren. „Meine Ware gibt es nur bei mir.“ Viele Kunden kämen nur einmal die Woche, um frisches Brot zu holen. Wenn man die Backwaren richtig lagere (siehe Box), sei das überhaupt kein Problem. Übrigens: Alle Backwaren, die Scholz nicht verkaufen kann, wandern direkt an die heimische „Tafel“.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare