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Landgericht Bielefeld verurteilt Bankräubertrio

Lange Haftstrafen für drei schwere Jungs

BIELEFELD/RINTELN. Man kann es mit Fug und Recht ein Mammutverfahren nennen. Zumindest in der Sparte Bankraub. 33 Verhandlungstage hat das Landgericht Bielefeld benötigt, um drei Angeklagte zu verurteilen, die unter anderem Banken in Minden und Rinteln ausgeraubt hatten. Die gestern verhängten Haftstrafen sind lang – denn die Täter sind „schwere Jungs“.

veröffentlicht am 02.02.2018 um 16:53 Uhr

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Autor:

Ulrich Pfaff
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Die drei Männer aus Petershagen und Bünde mussten sich seit Dezember 2016 für eine ganze Reihe von Überfällen auf Banken im Weserraum verantworten. Am 26. Februar 2016 hatte der 21 Jahre alte Angeklagte die Volksbank-Filiale in der Bückeburger Straße in Steinbergen ausgeraubt, indem er eine Mitarbeiterin mit einer Pistole bedroht hatte. Vier Wochen nach diesem Überfall hatte der 21-Jährige, begleitet von seinem jetzt 50-Jährigen Stiefvater, auf ähnliche Weise eine Volksbank-Filiale in Hohnhorst-Rehren überfallen.

Der 50-Jährige und sein Stiefsohn hatten bereits im Mai 2015 in Minden-Kutenhausen Bankmitarbeiter abgepasst und mit täuschend echt aussehenden Pistolenattrappen bedroht, um sich den Tresor öffnen zu lassen. Nach der Tat in Rehren wurde der Heranwachsende geschnappt und im Sommer 2016 vom Jugendschöffengericht in Stadthagen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Der 50-Jährige ging nach der Festnahme seines jungen Komplizen mit einem 57 Jahre alten Bekannten aus Bünde weiter „auf Tour“ und stieg im April in Ottenstein (Landkreis Holzminden) nachts in die Volksbank ein: Am Morgen erpressten sie von den Mitarbeitern die Öffnung des Tresors. Bis dahin betrug die Beute des Trios knapp 130000 Euro.

Am 9. Juni wurden sie von einem Sondereinsatzkommando der Polizei gestellt, kurz nachdem sie in eine Bank in Hilgermissen (Landkreis Nienburg) eingedrungen und nach dem Auslösen der Alarmanlage geflohen waren.

Richter Dr. Thomas Hartmann fasste die in der gut 14 Monate währenden Beweisaufnahme gewonnen Erkenntnisse des Gerichts detailliert zusammen und ließ die durchweg rücksichtslos und teils brutal begangenen Taten Revue passieren – von der Todesangst der Bank-Mitarbeiter, denen täuschend echt aussehende Pistolen an die Köpfe gehalten wurden bis hin zum Fesseln mit Kabelbindern. Das Motiv sei jeweils akuter Geldmangel der drei Männer gewesen, sie seien planvoll vorgegangen. Der 50-Jährige habe in einem Telefonat mit einem der Mittäter das Motto ausgegeben: „Rein, raus, fertig ist der kleine Klaus.“ Die Quittung fällt stattlich aus: Elfeinhalb Jahre Haft für den 50-Jährigen als Drahtzieher und Haupttäter, neuneinhalb Jahre für den 57-Jährigen. Beide seien Berufsverbrecher, um dies zu erkennen „dazu bräuchten wir keinen Gutachter“, betonte der Richter. Für eine Sicherungsverwahrung reichten die Voraussetzungen jedoch noch nicht aus. Der 21-Jährige muss nach Jugendstrafrecht für fünf Jahre hinter Gitter.

Der Bünder beging die Taten, während er auf die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Paderborn wartete: Er war erst im April 2015 wegen gewerbsmäßigem schweren Diebstahls zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der 50-Jährige, ebenfalls mehrfach vorbestraft, war im Frühjahr 2015 aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf freigesprochen worden, einen wohlhabenden Physiotherapeuten aus Hüllhorst getötet zu haben.

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