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Auto-Club Europa vermutet Funk-Sabotage in Rinteln

Locken Funk-„Piraten“ Lkw-Fahrer in die Irre?

In Rinteln häufen sich Fälle, in denen Lkw-Fahrer auf Feldwege abgebogen und stecken geblieben sind. Alleine vier Fälle zählt das Abschleppunternehmen Ratz im Januar auf. Der Auto-Club Europa hat die Vermutung, dass dahinter ein Piratensender stecken könnte, der Lkw-Fahrer bewusst auf eine falsche Fährte lockt. Die SZ/LZ hat recherchiert.

veröffentlicht am 14.02.2018 um 14:28 Uhr
aktualisiert am 14.02.2018 um 17:30 Uhr

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Autor

Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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RINTELN. Technische Systeme – wie Navigationsgeräte – helfen uns Menschen im Straßenverkehr. Doch wir sollten uns nicht blind auf die kleinen Helfer verlassen – das zeigen die Unfälle der vergangenen Wochen. Innerhalb kürzester Zeit mussten um Rinteln herum vier tonnenschwere Lastzüge mit großem Aufwand geborgen werden (wir berichteten). Die Lkw-Fahrer hatten ihrem Navi vertraut, waren auf schmale Feldwege abgebogen. Im aufgeweichten Erdreich versanken die Reifen der 40-Tonner im tiefen Morast.

Für René Langejürgen, Inhaber des Rintelner Abschleppunternehmens Ratz, sind derartige Fälle keine Seltenheit. Der Bergungsexperte ist allein im Januar zu vier Bergungen ausgerückt, bei denen er den Brummi-Fahrern aus dem Schlamassel helfen musste. Immer wieder verirren sich in und um Rinteln Fahrer mit ihren schweren Gefährten. Aber warum? Fachleute des Auto-Clubs Europa (ACE) haben eine interessante Theorie: „Da sich bei Rinteln die Fälle häufen, liegt die Vermutung nahe, dass die Navis von einem Piratensender manipuliert wurden“, sagt ACE-Sprecherin Anja Smetanin. Das sollte zur Anzeige gebracht werden. Hintergrund seien sogenannte Fakemeldungen, erklärt Smetanin. Es sei nämlich technisch möglich, dass unbefugte Dritte Einfluss auf ein Navigationsgerät nehmen.

Es gibt aber auch noch eine viel einfachere Möglichkeit der Manipulation – über Funk: „Viele Lkw-Fahrer nutzen bestimmte Frequenzen im CB-Funk, um sich über Verkehrsbehinderungen und Gefahren auszutauschen. Es gibt Berichte darüber, dass Unbekannte in der Vergangenheit mit ‚Piratensendern‘ absichtlich Fehlinformationen übermittelt haben, um Lkw-Fahrer damit auf die falsche Fährte zu locken.“ Diese illegalen Sender hätten allerdings nur eine geringe Reichweite von circa einem Kilometer. „Einen Schutz davor gibt es nicht. Dies könnte der Grund für die Fehlleitung in Schaumburg sein“, sagt die ACE-Sprecherin.

Bergungsspezialisten ziehen mit der Seilwinde eines Bergungsschleppers Ende Januar bei Goldbeck einen polnischen 40-Tonner aus dem tiefen Morast. Der Brummi-Kapitän war seinem Navi gefolgt und hatte sich in der Feldmark festgefahren. Foto: leo
  • Bergungsspezialisten ziehen mit der Seilwinde eines Bergungsschleppers Ende Januar bei Goldbeck einen polnischen 40-Tonner aus dem tiefen Morast. Der Brummi-Kapitän war seinem Navi gefolgt und hatte sich in der Feldmark festgefahren. Foto: leo

Generell sollte man an Navigationsgeräten besser regelmäßig Software-Updates durchführen, erklärt Smetanin. Denn: „Solch ein Update bezieht sich nicht nur auf das Kartenmaterial, sondern auch auf die Art und Weise, wie das Gerät arbeitet. Zudem beseitigt es unter anderem Programmierfehler der Software.“

Ähnlich sieht das auch die Polizei. Axel Bergmann von der Polizei in Schaumburg appelliert an die Lkw-Fahrer, sich „nicht blind auf die Navis zu verlassen“. „Früher haben die Fahrer auf die Karte geschaut oder Einheimische nach dem Weg gefragt. Heute missachten die Lkw-Fahrer oft Verbotsschilder und vertrauen nur ihrem Navi“, sagt der Polizeisprecher.

Bei „riha Wesergold“ – die Firma ist mit rund 70 Lastwagen von Rinteln aus deutschlandweit und in den Benelux-Staaten unterwegs – gibt es solche Probleme nicht, erklärt Sascha Anderten. „In unseren Lastwagen sind Tablet-PCs fest eingebaut. Über sie läuft auch das Navigationssystem, das mit der Disposition verbunden ist. Wenn unsere Lkw-Fahrer ihre Fahrt antreten, bekommen sie neben allen Daten über die Fracht auch automatisch die Fahrtroute berechnet“, erklärt der Logistikleiter. Seit über einem Jahr sei das neue System im Einsatz – bisher habe es keine Probleme damit gegeben, so Anderten. Wie Smetanin vom ACE ist auch der riha-Logistik-Chef der Meinung: „Laufende Updates sind wichtig.“

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