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Vor Gericht: Wie ein Handwerker (63) in eineäußerst unangenehme Situation geraten ist / Schulklasse im Publikum

Lockende Versuchung im Bademantel: "Erpressung?"

Auetal/Bückeburg (ly). Wenn brave Handwerker auf Tour gehen, lockt an jeder Ecke die Versuchung. Manchmal tritt sie gar im Bademantel auf. Und imäußersten Fall kann eine derartige Begegnung vor Gericht enden, wie ein Fall aus dem Auetal zeigt. Auf der Anklagebank sitzt ein Ehepaar, er Kaufmann, sie Hausfrau. Es geht um ein abgekartetes Spiel, um Erpressung. Aber lassen wir das mutmaßliche Opfer erzählen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 07:21 Uhr

Im Dezember vergangenen Jahres wird der Handwerker (63) zu einer Frau im Auetal gerufen, angeblich, weil deren Wohnungstür kaputt ist. Man kennt sich seit Jahren. Doch an diesem Tag "hat sie mich schon so komisch empfangen", wie der Mann sich heute erinnert. Soll heißen: im Bademantel, darunter mehr oder weniger nackig. "Ich bin der Meinung, sie wollte mich verführen." Schlimmer noch: "Man hat mich in eine Falle gelockt. Vermutlich sollte es eine Erpressung werden." Der Handwerker widersteht der lockenden Versuchung im letzten Moment, bloß beim Schampus mag er nicht nein sagen. Ein Fläschchen Sekt ist geköpft, ein erster Schluck genommen, da stürmt plötzlich der Hauseigentümer (51) zur Tür herein, begleitet von seiner Frau Gemahlin (44). Der Vermieter, ganz außer sich, verlangt 50 000 Euro - "Schandgeld", wie er es nennt. Begründung: "In meiner Sippe herrschen andere Gesetze." Vorwurf: Der Rintelner soll versucht haben, die Frau zu vergewaltigen. In welches Tollhaus ist er da bloß hineingeraten? Wenigstens gelingt es dem Handwerker, seinen Verhandlungspartner auf 10 000 Euro zu drücken. Vor Ort unterzeichnet er ein entsprechendes Papier und meint später: "Ich musste ja irgendwie rauskommen". Wenige Tage darauf geht das mutmaßliche Erpressungsopfer zur Polizei und erstattet Anzeige, will diese aber wieder zurücknehmen, weil man sich geeinigt habe. Zurücknehmen läuft allerdings nicht, und so landet die Sache vor dem Bückeburger Amtsgericht, wo nunmehr hochnotpeinliche Fragen zu beantworten sind. Und das Motiv? Hintergrund könnte ein Darlehn sein, welches die Frau von dem Handwerker bekommen haben soll. Mit Zinsen, Anwaltskosten, Mahngebühren und dergleichen soll der Betrag auf rund 11 000 Euro angewachsen sein. Gezahlt worden sei bisher kein Cent. Dies ist die Version des Handwerkers. Beide Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen. Dafür soll beim nächsten Mal die Frau im Bademantel aussagen, die sich hoffentlich warm anzieht. Richter Armin Böhm hat die Hauptverhandlung zunächst ausgesetzt, weil die Zeugin erkrankt ist. Mit einem neuen Termin wird für den Spätsommer gerechnet. Vielleicht ist das Publikum, eine Schulklasse, dann auch wieder dabei. Bisher haben die jungen Leute sich jedenfalls prächtig unterhalten. Besser als Fernsehen ist das.

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