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Ein Blick ins Magazin-Regal

Magazine in der Stadtbücherei: Was lesen Rintelner?

RINTELN. Was lesen die Rintelner? Warum interessiert Männergesundheit nur wenig? Aus welchen Zeitschriften werden besonders gern Artikel herausgeschnitten? Wie schwierig ist es, für Kinder und Jugendliche das passende Heft zu finden? Ein Blick ins Magazin-Regal der Stadtbücherei:

veröffentlicht am 14.11.2017 um 16:38 Uhr
aktualisiert am 14.11.2017 um 17:50 Uhr

Wurde gerade frisch erweitert: das Magazin-Segment für Kinder und Jugendliche. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

RINTELN. Was möchte man ausleihen, wenn man in die Stadtbücherei geht? Bücher natürlich. Könnte man meinen. Aber es gibt noch so viel mehr, was die Rintelner Bücherei in der Klosterstraße 21 a zu bieten hat. Zum Beispiel: Zeitschriften. Welche Titel besonders häufig ausgeliehen werden, zeichnet ein Bild davon, was die Rintelner lesen.

40 Titel gibt es derzeit zur Auswahl, über Häuser und Geld genauso wie Hunde und Computer. Im Schnitt ist das Publikum eher weiblich, erzählt Andrea Tuschke, Leiterin der Stadtbücherei. Titel übers Wohnen, Kochen und Gärtnern „gehen immer“. So sehr, dass Kochmagazine teilweise lückenhaft zurückgegeben werden, weil Rezepte herausgeschnitten wurden.

Je nach Trend wird der Zeitschriftenbestand angepasst. Vor zwei Jahren wurde er auf den Prüfstand gestellt und rundum erneuert: Alles, was mittelmäßig lief, musste raus.

„Das tut dann in der Seele weh“, seufzt Tuscke. Doch um Titel von mäßiger Beliebtheit weiterzuführen, dafür seien die Abonnements zu teuer. Außerdem reicht der Platz in der Bücherei nicht. Daher gilt: Wenn etwas Neues kommt, muss etwas Altes gehen. Einmal im Jahr werden daher die Ausleihzahlen jedes Titels kritisch angesehen.

Eine Problemgruppe sind derzeit noch die Männer: „Da suchen wir noch.“ Männergesundheit scheint kaum jemanden zu interessieren, der „Spiegel“ freut sich immerhin gleichbleibender Beliebtheit. Hoch im Kurs stehen Ratgeberhefte, aus denen gerade zum Thema Erbschaft immer wieder Artikel herausgeschnitten werden.

Doch auch bei den Titeln fürs eher weibliche Publikum gibt es Trends. „Der ‚Thermomix‘ ist zum Beispiel vollkommen an mir vorbeigegangen“, erzählt Tuschke schmunzelnd. Besucherinnen hätten sich Tipps fürs Kochen mit dieser Küchenmaschine gewünscht. Also gibt es nun eine Zeitschrift speziell zum Thema.

Die richtige Unterhaltung für Erwachsene gestaltet sich nicht ganz einfach: Reine Klatschpresse, sogenannte ‚yellow press‘, will Tuschke in ihrer Bücherei nicht sehen. Die (vielleicht etwas gehaltvollere) „People“ wurde eingestellt. „Obwohl sie sehr gut lief, das ist mir ein Rätsel.“ Sie sei von jungen Erwachsenen genauso wie von Älteren gelesen worden. Ein Magazin für eine solche Altersspanne, „das fehlt uns noch“.

Ein ganz besonderes Publikum sind Kinder und Jugendliche. „Es ist schwierig, für sie etwas Adäquates zu finden“, sagt Tuschke. Jugendzeitschriften liegt oft ein Spielzeug oder Plastikschmuck bei – der muss mitbezahlt werden und fehlt nach den ersten paar Ausleihen. Ein weiteres Problem: Günstigere Zeitschriften wie etwa die „Bravo“ sind auf sehr dünnem Papier gedruckt, und das ist nach wenigen Ausleihen bereits zerrissen.

Also wurden Eltern gefragt: Was ist bei den Kindern angesagt? Hinzugekommen zum Segment ist ein Magazin, mit dem man leicht Englisch lernen kann, sowie ein Magazin, mit denen Kinder die Welt entdecken sollen. Es ist werbefrei und auch von der „Stiftung Lesen“ empfohlen.

Was ist für Kinder sonst noch angesagt? „Die GEO und GEOmini sind ein Muss“, sagt Tuschke. Hierin würden Themen behandelt, die auch in den Schulen aufgegriffen würden. Ähnliches gelte für das Geschichtsheft „P.M.“.

Doch auch die Unterhaltung soll nicht zu kurz kommen, etwa mit der „Mädchen“ und der „Joy“, „etwas für die Älteren“, so Tuschke. Diese nennt die Büchereileiterin „Versuchsballon“. Früher war die „Bravo“ im Angebot, doch die kam oft schon nach der ersten Ausleihe ohne Poster der Stars zurück. Die „Neon“ hingegen wird gerade von älteren Jugendlichen gern ausgeliehen.

Dabei hätte die Stadtbücherei schon mal fast auf Magazine verzichtet. „Vor ungefähr zehn Jahren gab es eine absolute Flaute“, erzählt Tuschke. Magazine seien kaum ausgeliehen worden, auch in anderen Schaumburger Büchereien nicht. Es war die Zeit, als es hieß, Printjournalismus habe generell keine Zukunft.

Dann kamen neue Titel als Versuch auf den Markt. Titel wie etwa die „Landlust“, die mit hochwertigem Papier und schön arrangierten Fotos mehr ein Lebensgefühl als Information vermittelten.

„Ging es früher darum, Tipps zu bekommen, geht es jetzt eher darum, ein Magazin zu genießen“, erzählt Tuschke. Für solch besonders beliebte Magazine gibt es sogar Wartelisten.

Ausleihe: Wer einen Büchereiausweis hat, kann Zeitschriften für eine Woche ausleihen. Für beliebte Titel kann man sich vormerken lassen.

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