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„The Berlin Guitar Ensemble“ intoniert ein Klangerlebnis der außergewöhnlichen Art

Mit 90 Saiten auf Zirkulationstour

Petzen (bus). Ein Klangerlebnis der außergewöhnlichen Art hat ein Auftritt vom „The Berlin Guitar Ensemble“ zahlreichen Zuhörern im Scheunengebäude des Hofcafés „Peetzen 10“ vermittelt. Die alles in allem etwa 90-minütigen Darbietungen boten gleich mehrere Besonderheiten. Zum einen verblüfften Zahl und Instrumentierung der Musiker – 14 (elektrisch verstärkte) akustische Gitarren, eine Elektro-Gitarre, ein Synthesizer – und zum anderen ließ der Umstand aufhorchen, dass sämtliche Gitarristen auf die als „Guitar-Craft-Stimmung“ bezeichnete Stimmung der Saiten zurückgriffen, die sich an der Quinten-Bespannung von Streichinstrumenten wie Cello oder Geige orientiert.

veröffentlicht am 29.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:21 Uhr

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Kam hinzu, dass das Ensemble bis auf zwei Kompositionen ausschließlich eigene Tonsetzungen zu Gehör brachte. Im Mittelpunkt standen sogenannte Circulations (Zirkulationen), bei denen Töne- oder Akkordideen gewissermaßen zwischen den Interpreten hin und her wandern. In dieser an freie Improvisationen angelehnten Spielweise erklingen die Instrumente – anders als bei herkömmlichen Gitarrenorchestern – nur selten gleichzeitig sondern nach- und nebeneinander. Für das an mystisch-rhythmische Sphärenmusik erinnernde Sound-Fundament zeichnete an der Elektroorgel Andrés Jankowski verantwortlich, dessen Bezeichnungskürzel „1605munro“ in der Avantgarde- und Electronicszene mit allerhand Respekt ausgesprochen wird. Der Argentinier Hernan Nunez, in dessen Händen die organisatorischen Fäden der Formation zusammenlaufen, steuerte an der Elektro-Gitarre überraschende Zwischentöne bei.

Dem durchweg begeisterten Publikum wurden insgesamt sieben, zumeist aus drei oder vier Unterteilen bestehende Sequenzen dargereicht. Mal wurde „Mr. Kellys Proposal“, mal „Zaragoza“ und ein anderes Mal der „21st Century Shizoid Man“ klangmalerisch in Szene gesetzt. Die Zuhörerschaft tappte allerdings hin und wieder hinsichtlich des Endes der Stücke im Dunklen. Zudem erkannte kaum jemand das von vielen Besuchern als Pause interpretierte Ende des Auftritts. Was zur Folge hatte, dass das Auditorium um ein Haar um die verständlicherweise zu diesem Zeitpunkt nicht eingeforderte Zugabe gebracht worden wäre. „Diese latent vorhandenen Unsicherheiten sind durchaus gewollt“, erläuterten Ensemblemitglieder im Anschluss an das Konzertende. Ebenso stellten spontane Programmänderungen nichts Ungewöhnliches dar.

„The Berlin Guitar Ensemble“ ging aus Kursen der von Robert Fripp (Gitarrist der Band „King Crimson“) geleiteten Gitarrenschule „Guitar Craft“ hervor. Die Mitglieder der in häufig wechselnder Besetzung auftretenden Gruppe stammen aus zahlreichen unterschiedlichen Ländern. In Petzen waren außer deutschen Interpreten Musiker aus Frankreich, Spanien, Polen, Holland, Russland, Schweden und England mit von der Partie. Dass am Ende insgesamt 90 statt der angekündigten 72 Saiten zu hören waren, tat dem Vergnügen keinerlei Abbruch. Und eine (freiwillig spendierte) Zugabe gab’s selbstverständlich auch.

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