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SZLZ-Schülerreporterin unterwegs

Mit der Säge im „Altenheim für Bäume“

BÜCKEBURG. SZLZ-Schülerreporterin Lara Zerner wollte von Schlossverwalter Alexander Perl wissen, warum unlängst im Schlosspark alter Baumbestand gefällt werden musste.

Kranke, schwache und daher für den Menschen eine potenzielle Gefahr darstellende Bäume werden rechtzeitig gefällt. Foto: Lara Zerner

Autor:

lara zerner
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BÜCKEBURG. Wer stillvergnügt durch den Schlosspark spaziert, sieht beim Blick in die mächtigen Baumkronen bestimmt zu allererst die Schönheit der Natur. Anders der Experte: Blickt er an den dicken Stämmen hinauf, offenbaren sich ihm recht schnell die Probleme, die in so mancher Krone erkennbar sind. Schlossverwalter Alexander Perl nennt beim Besuch unserer Zeitung einige dieser Probleme: Totholz, Steilwuchs der Äste, Beulen, Risse, Höhlungen, Ausbrüche und häufig Misteln, die den Baum noch zusätzlich schwächen, am Stamm auch Anfahrschäden durch den Rasenmäher oder Pilzbefall. Durch Abklopfen des Stamms wird festgestellt, ob dieser morsch oder gar hohl ist.

Diese Krankheitsanzeichen würden dem ungeübten Auge meist nicht auffallen, sagt Perl, da Passanten gewöhnlich nur auf die Baumstämme achten, die Probleme jedoch meistens in der Krone zu finden seien. Sie hätten gravierende Folgen für einen Baum, im schlimmsten Falle müsse er gefällt werden.

Dies hängt laut Perl zum einen vom Standort des Baums ab. Wenn er nah an einem Parkweg oder einer Straße steht, könnten durch ein mögliches Umkippen eher Menschen verletzt werden, als dies an einer schwerer zugänglichen Stelle der Fall wäre. Zum anderen spiele die „Zukunft des Baumes“ eine Rolle, das heißt, ob er von sich aus noch lange leben würde.

Perl erzählt, die ältesten Bäume im Schlosspark wurden um 1800 gepflanzt, weitere Pflanzperioden liegen bei etwa 1870 und zwischen 1950 und 1970. Es handele sich also um Exemplare, die deutlich älter sind als solche, die man aus dem eigenen Garten kennt. Dort erlebe man Bäume nur in der Jugendphase, denn ein Baum sei mit 60 bis 70 Jahren noch jung. Man könne den Schlosspark somit durchaus als „Altenheim für Bäume“ bezeichnen, für entsprechende „Altenpflege“ von Experten werde auch gesorgt.

Die Bäume an den Wegen werden laut Perl in der Regel zweimal im Jahr auf Schäden untersucht. Vor jeder großen Veranstaltung würden sie außerdem nochmals genau begutachtet und mit dem Steiger nach losen Ästen und Totholz abgesucht. Hilfreich sei es, wenn vor so einer Veranstaltung ein heftiger Sturm durch den Park fegt, damit alte, morsche Äste dann schon abbrechen und bei Veranstaltungen niemanden verletzen werden. Schwachen Bäumen werde geholfen, indem diese entweder beschnitten oder kleinere Bäume in ihrer Umgebung gefällt würden, um ihnen mehr Licht und Wasser zu verschaffen. Hier seien es fast immer rasch wachsende Spitzahorne, die sich sofort in jede Lücke schieben und wertvollere Bäume bedrängen.

Anfang Januar erfolgte eine Bestandsaufnahme der Bäume im Schlosspark, bei der sie durch etwa 20 Bewertungskriterien mithilfe eines Baumkatasters eingestuft wurden. Dabei achtete man auf die Wurzel, den Stamm und die Krone und schätzte so die Vitalität sowie die vom Baum ausgehende Gefahr für den Menschen ein. Daraus ergab sich, dass einige als in diesem Sinne gefährlich eingestufte Bäume im Schlosspark und im Palaispark kürzlich gefällt werden mussten (Stichwort „Verkehrssicherungspflicht“), unter ihnen zwei große Kastanien am Weg zum Park-Café. Diese sollen jedoch Nachfolger bekommen: Fünf neue Bäume sind für diese Stelle eingeplant.

Das Pflanzen von Parkbäumen könne nämlich erst in großen Lücken erfolgen, erklärt Perl, da sonst der unerwünschte Steilwuchs der Krone eintrete. Neben alte Bäume könne man schlecht neue Bäume pflanzen, weil diese durch Pilze oder herunterfallende morsche Äste von ihren alten Nachbarn zerstört würden oder schief wachsen, denn häufig komme nur von einer Seite Licht.

Soll damit Geld gemacht werden? Nein, darum gehe es beim Fällen dieser Bäume nicht, sagt Perl. „Das durch Pilze entwertete Holz hat nur noch Brennholzwert oder kann geschreddert werden, das Fällen kostet sogar sehr viel Geld.“

Autorin Lara Zerner ist Gymnasiastin und hat in unserer Redaktion ein Praktikum absolviert.

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